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26.08.2006 - 09:15
Mobilfunk-Strahlung

Menschliche Zellen laufen beim Mobiltelefonieren heiß

Kurzeitige Temperaturspitzen von bis zu 100 Grad

Über die Hälfte der Deutschen fürchtet Gesundheitsrisiken durch Handys. Dies ergab eine aktuelle Umfrage von ZEIT Wissen: 55,3 Prozent der Befragten gaben an, dass sie glauben, Handystrahlung stelle ein gesundheitliches Risiko dar (tns-emnid: 1 003 Befragte). Hamburger sind besonders beunruhigt: 82 Prozent fürchten Gesundheitsrisiken durch Handystrahlung, so viele wie in keinem anderen Bundesland.

Neueste Forschungsergebnisse des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Golm deuten darauf hin, dass diese Befürchtungen begründet sein könnten. An einem Modellsystem aus künstlichen Zellmembranen haben die Forscher kurzzeitige Temperaturerhöhungen um bis zu hundert Grad gemessen. Institutsdirektor Markus Antonietti ist bestürzt: "Da wird hundertmal so viel Energie absorbiert wie bisher gedacht. Das ist der Horror", erklärt er in ZEIT Wissen.

Wie sich eine kurzzeitige Erhitzung der Zellen auswirkt und ob dadurch das Risiko von Tumoren steigt, können allerdings erst Experimente mit menschlichen Zellen und klinische Studien zeigen zeigen. "Aber wir kennen jetzt den Mechanismus, der zur Zellschädigung führen könnte. Als Wissenschaftler bin ich besorgt", so Antonietti.

Doch selbst wenn Handystrahlung das Erbgut schädigen sollte, lässt sich daraus nicht schließen, dass Telefonieren mit dem Handy Krebs verursacht - denn jede Zelle des Körpers muss laufend mit Schäden im Erbgut fertig werden. Deshalb sind zahlreiche Gene für die Reparatur der Schäden zuständig. Gewissheit über mögliche Auswirkungen gibt es derzeit also noch nicht.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beginnt gerade damit, 50 Forschungsprojekte zum Risikopotenzial des Mobilfunks auszuwerten. Doch die Frage nach den Langzeitfolgen lässt auch auch damit nicht beantworten. "Es geht nicht darum, Handys abzuschaffen", sagt Antonietti. "Es geht um vernünftige Verhaltensmaßregeln." Zu diesen gehört beispielsweise, ein Headset zu benutzen oder für längere Gespräche aufs Festnetz auszuweichen - allerdings strahlen schnurlose DECT-Telefone teilweise stärker als Handys. Mehr zum Thema Mobilfunk-Strahlung finden Sie auch auf unserer Info-Seite.

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Marie-Anne Winter

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