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07.04.2019 - 17:49
Rundfunk

Editorial: Ein Netz für alles

Schauen wir künftig Fernsehen über 5G?

Der Kern­ge­danken bei der Entwick­lung der 5G-Mobil­funk­tech­no­logie war es, ein Netz für alles zu entwi­ckeln. Als fast schon sprich­wört­liche "eier­le­gende Woll­milchsau" soll 5G vom ultra­schnellen Smart­phone (Spit­zen­ge­schwin­dig­keit: 10 000 000 000 Bit pro Sekunde) über Echt­zeit­kom­mu­ni­ka­tion zwischen Fahr­zeugen (maxi­male Latenz bei gegen­sei­tigen Unfall­war­nungen: 1 bis 2 Milli­se­kunden) bis zum ultras­par­samen Agrar­sensor (durch­schnitt­liche Daten­rate: 0,01 Bit pro Sekunde, Batte­rie­l­auf­zeit: 4000 Tage) quasi alle denk­baren Anwen­dungs­fälle mobiler Kommu­ni­ka­tion abde­cken. Dem Ziel des Univer­sal­netzes für alles kommt 5G nun bereits vor dem Start mit dem Votum vieler TV-Sender für die Einfüh­rung von 5G-Broad­cast einen weiteren großen Schritt näher. Anders als herkömm­liche digi­tale Broad­cast-Netze wie DVB-T2 oder DAB+ verfügt 5G Broad­cast auch über einen Rück­kanal vom Endgerät (wie Fern­seher, Receiver oder Radio) zum Sender. Zwar denkt man mögli­cher­weise, dass ein solcher Rück­kanal für ein reines Live-Medien-Verteil­netz gar nicht benö­tigt wird. Das klas­si­sche Modell, dass der Sender das Signal "in die Luft pumpt" und die Empfänger es dort raus­fi­schen, wenn sie es benö­tigen, ist doch schon seit Jahr­zehnten bewährt.

Schauen wir künftig Fernsehen über 5G?

Schauen wir künftig Fernsehen über 5G?
Bild: dpa

Doch der Rück­kanal hat erheb­liche Vorteile: Die beginnen schon damit, dass kost­bare Band­breite und Sende­leis­tung für solche Inhalte einge­spart werden kann, die aktuell in einer Zelle gar nicht benö­tigt werden. Zu Zeiten, als es drei Programme gab, die zudem eh nachts Sende­pause hatten, war das sicher kein Problem. Bei 30 bis 300 Programmen, die rund um die Uhr über übliche Broad­cast-Kanäle wie terres­tri­schen Funk, Kabel oder Satellit verteilt werden, tritt das Problem dagegen schon eher auf. Hinzu kommt die hohe Zell­dichte im 5G-Netz: Über alle Netz­be­treiber zusammen werden wir in abseh­barer Zeit auch in Deutsch­land die Zahl von 100 000 Basis­sta­tionen über­schreiten. Damit verbleiben aber im Schnitt nur 800 Nutzer pro Zelle, von denen zudem nur ein Teil das Fern­sehen terres­trisch empfängt, und auch zur "prime time" abends in der Regel nur die Hälfte fern­sieht. Und an den Tagen, an denen die Zuschau­er­zahlen beson­ders hoch sind, ist es meist genau ein Programm, das die Nutzer vor die Bild­schirme treibt.

Der Rück­kanal erlaubt es zudem, die Sende­leis­tung an den tatsäch­li­chen Bedarf der Nutzer anzu­passen. Wenn die drei Nutzer in der Zelle, die beispiels­weise Super RTL schauen, alle eine "gute Sicht" auf die Basis­sta­tion haben, kann diese Super RTL dennoch mit geringer Sende­leis­tung ausstrahlen, und folg­lich mehr Leis­tung für den einen Nutzer reser­vieren, der ZDF info in einer Souter­rain-Wohnung empfängt. Schließ­lich ermög­licht es der Rück­kanal auch, gezielt die Daten­sätze noch einmal anzu­for­dern, die nicht richtig empfangen werden konnten. Bei DVB-T reicht schon, dass ein Prozent der Daten­blöcke so stark verrauscht sind, dass sie nicht richtig deko­diert werden können, um den Fern­seh­ge­nuss stark zu trüben. Bei 5G-Broad­cast kann der Receiver hingegen genau für dieses eine fehlende Prozent um eine Verbes­se­rung bitten, beispiels­weise zusätz­liche Fehler­kor­rek­tur­bits oder eine erneute Über­tra­gung des jewei­ligen Blocks.

Noch größere Gefahr durch Tech­no­logie-Miss­brauch

Die genannte Auflis­tung zeigt, wie viel Vorteile es bringt, das Mobil­funk­netz auch für den klas­si­schen Rund­funk zu nutzen. Einheit­liche 5G-Chips in Smart­phone, Fern­seher/Receiver oder Autos erhöhen zudem die Stück­zahlen und drücken die Preise pro Chip. Einziger Nach­teil: Die Macht der Ausrüster, die Chip­sätze für Endge­räte und Basis­sta­tionen für die Netz­be­treiber liefern, nimmt natür­lich zu. Hier ist wirk­same staat­liche Kontrolle wichtig, dass diese Macht nicht miss­braucht wird. Will­kür­li­cher Ausschluss einzelner Liefe­ranten nach poli­ti­schen Gesichts­punkten ist hingegen nicht ziel­füh­rend.


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