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07.06.2019 - 17:50
Faktentcheck

Deutschland: Glasfaser-Ausbau im 2-Sekunden-Takt?

Glas­faser: Privat­kunden noch zurück­haltend?

Die Nach­frage nach echter Glas­faser scheint bei Privat­kunden noch etwas verhalten zu sein. Deswegen findet Uwe Nickl (Deut­sche Glas­faser): "Wenn spezi­elle Apps für Glas­faser kommen (die auf Kupfer nicht laufen, weil das zu langsam wäre), wird das der Glas­faser einen Schub geben.

Ein anderes Problem sind die im Markt gewünschten Durch­schnitts­preise. Viele Kunden wollten maximal 19,95 Euro im Monat ausgeben. Dafür sei Glas­faser nicht zu machen.

Zukunft nur gemeinsam

Für die Zukunft sind schwie­rige Gebiete nur noch gemeinsam zu erschließen. Die Gigabit-Netze sollen auch abends um acht noch Perfo­mance bringen, speziell bei der klas­sischen Kabel-TV-Tech­nologie ist das nicht immer der Fall.

Streit­punkt Unity­media Fusion

Thomas Braun vom ANGA-Verband wehrte sich gegen zu viel Regulierung und Einmischung der Politik

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Foto: Henning Gajek / teltarif.de

Mit Span­nung wird die Entschei­dung der EU-Kommis­sion zur ange­dachten Fusion von Unity­media und Voda­fone erwartet. Unklar ist, welche Auflagen es geben wird und ob Betrof­fene mögli­cher­weise klagen werden.

Neben der Telekom findet auch Norbert Westfal von EWEtel die Unity­media-Fusion "nicht gut. Das Kabel­netz werde mäch­tiger als früher. Wird OpenAcress nur für Tele­fonica- Kunden gelten?" Er sei strikt gegen diese Fusion.

In das gleiche Horn stieß Timm Degen­hardt von Tele Columbus. Bei der Wohnungs­wirt­schaft werde die verei­nigte Unity­media-Voda­fone etwa 70 bis 80 Prozent Markt­anteil haben. "Es muss Auflagen geben". Er befürchtet, dass der Netz­ausbau von uner­schlos­senen Regionen zu Erlahmen komme.

Für Uwe Nickl habe die Markt­domi­nanz durch Markt­macht den Glas­faser-Ausbau nicht beschleu­nigt. Diskri­minie­rungs­frei sei das Whole­sale Angebot von Unity­media an die Tele­fonica auch nicht.

Kabel-TV-Umbau bringt keine neuen Anschlüsse?

Da wurde Dirk Wössner lebendig: "Durch die (Unity­media) Fusion baut Herr Amets­reiter keinen weiteren Anschluss aus. Wie viele der bundes­weit etwa 3 Millionen unter­versorgten Anschlüsse baut er denn aus? Die Telekom baue pro Jahr 200.000 neue FTTH-Anschlüsse.

Voda­fone vermeldet 25.000 Anschlüsse im Voda­fone-Kabel­deutsch­land-"Foot­print" (also da, wo es schon Kabel der ehema­ligen Deut­schen Bundes­post und jetzt Kabel­deutsch­land gibt).

Zukunft Koope­ration

Wössner wünscht sich Koope­rationen für den Weg nach vorne, einen gesunden Infra­struktur Wett­bewerb. Es gebe einen Wandel des Denkens, wie wir ausbauen, der sei selbst "in meinem Laden" noch nicht ausge­prägt. "20 Jahre hat uns das Netz alleine gehört", aber bei diesen Kosten ist die Netz­auslas­tung eine wich­tige Größe und das sei nur gemein­schaft­lich zu stemmen.

Die Telekom habe für Berlin ein Angebot zum 50-prozen­tigen Ausbau gemacht, ein weiteres Angebot mache die Telekom mit EWEtel. Deutsch­land­weit seien weitere gemein­same Gesell­schaften geplant, Namen wollte er aber noch nicht nennen. Die Deut­sche Telekom rede mit vielen "regio­nalen Spie­lern", die sich noch schwer täten. Regio­nale Joint Ventures seien denkbar.

So koope­riert Voda­fone teil­weise mit der Deut­schen Glas­faser, "wenn Profil und Preis passen", es gibt eine hohe Nach­frage nach Glas­faser beispiels­weise als Anbin­dung ("Back­haul") für die Mobil­funk­basis­stationen. Amets­reiter glaubt, dass es Koope­rationen im Mobil­funk geben sollte, das wäre aber momentan (während die 5G-Auktion läuft) eine "verbo­tene Diskus­sion". Die Teil­nehmer spra­chen sich gegen noch mehr Druck seitens der Politik aus. "Unter welchen Bedin­gungen dürfen wir mitein­ander reden? "Wir bauen heute schon gemeinsam Stationen, nutzen auch Kabel und Glas­faser, wenn auch zu glei­chen Teilen. Es gibt dann ein Problem, wenn einer gar nix hat", betonte Wössner.

Kriti­sche Auktion

Dann ließen sich die Teil­nehmer doch zu ein paar kriti­schen Worten zur Auktion über­reden. Die Erhö­hung des Bieter-Inkre­menets (= Stei­gerung der Beitrags­höhe für die jeweils nächste Runde) hat Amets­reiter (Voda­fone) zunächst über­rascht, aber "man hat es ahnen können". So eine lange Auktion ist nicht gut für Deutsch­land, sind sich alle einig, denn "der Branche wird Geld entzogen". Für 6,2 Milli­arden Euro könnte man 50.000 Stationen bauen. Wössner hält das für "absolut kata­stro­phal".

Stell­vertre­tend für die klei­neren Netz­betreiber betonte Timo von Lepel von Netco­logne, wohin das mit der viel zu teuren 5G-Auktion führen soll: "Wie wollt ihr das zurück­verdienen? Wir (Netco­logne) hätten gerne regio­nale Lizenzen gehabt. Netco­logne würde gerne ein 5G-Netz in Köln aufbauen."

Was wünscht sich die Indus­trie?

Die von der Netz­agentur vorge­sehene Preis­erhö­hung der Teil­nehmer­anschluss­leitung (TAL) um 20 Prozent entstehe, weil die Netz­agentur die Neubau­preise für GF als Grund­lage nehme. Das stößt den privaten Anbie­tern unan­genehm auf. Wössner (Telekom) wies darauf hin, dass die TAL-Preise momentan soli­darisch aus einem Schnitt­wert für Stadt und Land ermit­telt werden. Wössner plädierte für lang­fristig sichere Rahmen­bedin­gungen.

Amets­reiter wünscht sich von der Politik und Verwal­tung schnelle Entschei­dungen, schnel­lere Prozesse und eine "weise Entschei­dung der EU" (zur geplanten Unity­media Fusion).

Zwischen Freund­schaft und Wett­streit

Die Teil­nehmer gingen fast freund­schaft­lich mitein­ander um. Doch in Mainz wird derzeit unbe­irrt weiter­geboten. Ob diese Auktion bis Weih­nachten fertig sein wird? ("Welches Jahr?") Oder ob der Berliner Flug­hafen noch vor der offi­ziellen 5G-Frequenz­vergabe in Betrieb gehen wird? Diese Fragen blieben am Ende offen.


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  2. Glas­faser: Privat­kunden noch zurück­haltend?

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