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09.03.2005 - 15:33
Lokalsuche

Internet-Suchmaschinen arbeiten jetzt auch lokal

Google bedient 85 Prozent aller Anfragen, doch die Konkurrenz schläft nicht

Google ist Marktführer.
Bild: dpa

Grob geschätzt 300 Millionen Webseiten gibt es allein in Deutschland. Wer in diesem Wirrwarr aus Sinn und Unsinn nach Informationen sucht, ist auf leistungsfähige Suchmaschinen angewiesen. Google, Yahoo oder MSN Suche sind Dienste, die Wichtiges von Uninteressantem für den Internet-Nutzer trennen. Neuestes Arbeitsfeld der drei großen Suchmaschinenanbieter ist die so genannte lokalisierte Suche.

"Bei einem Drittel aller Suchanfragen im Internet geht es um lokale Themen", sagt Stefan Keuchel, Sprecher von Google Deutschland in Hamburg. Diesem Interesse an der örtlich begrenzten Suche wolle man Rechnung tragen und darum teste der Marktführer - gut 85 Prozent aller in Deutschland eingetippten Suchanfragen laufen über Google - die auf bestimmte Regionen und Städte beschränkte Suche.

Konkurrent Yahoo, mit einem Marktanteil von fünf Prozent, ist schon einen Schritt weiter: Im Februar ging in Deutschland die Testversion der lokalen Suche von Yahoo an den Start. Das Unternehmen nutzt dafür die Datenbank des Telekommunikationsverzeichnis-Anbieters Das Örtliche. Der Nutzer kann unter dem Reiter "Lokale Suche" oberhalb der Internet-Suchbox Ort oder Postleitzahl sowie den Namen einer Firma oder einer Privatperson eingeben. Er erhält neben der Adresse und Telefonnummer auch einen digitalen Straßenplan samt Wegbeschreibung zur gesuchten Adresse.

MSN will Google den Rang ablaufen

MSN, der Online-Dienst von Microsoft, hat ebenfalls Anfang Februar seine neu überarbeitete Internetsuche MSN-Suche gestartet. Etwa vier Prozent aller Internet-Suchanfragen in Deutschland verarbeitet das Unternehmen derzeit. Wolfgang Sander-Beuermann, Leiter des Suchmaschinenlabors an der Universität Hannover, räumt ihm aber gute Chancen ein, Google die Marktführerschaft abzujagen.

Grundsätzlich begrüßt Sander-Beuermann die Konkurrenz für Google im Suchmaschinen-Markt: "Suchmaschinen-Monopolisten können bestimmen, an welche Informationen die Nutzer herankommen", erklärt er. Darum sei Vielfalt auf dem Suchmaschinenmarkt besonders wichtig. Würde allerdings Microsoft Google als Monopolist ablösen, wäre das nach Sander-Beuermanns Worten "keine Alternative, die mehr Vertrauen erweckt".

Um die Suchmaschinen-Landschaft zu beleben, hat sich im Sommer 2004 in Hannover der Verein zur Förderung der Suchmaschinen-Technologie und des freien Wissenszugangs (SuMa) gegründet, dessen Geschäftsführer Sander-Beuermann ist. Außerdem betreut der Wissenschaftler die Metasuchmaschine Metager. Metasuchmaschinen sammeln die Ergebnisse verschiedener Suchmaschinen und listen sie für den Nutzer auf. Sie eignen sich besonders bei der Suche in wenig populären Themengebieten.

Google plant Karten und Video-Suchmaschine

Ebenfalls vergangenen Sommer ist die deutsche Suchmaschine Seekport ans Netz gegangen. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg will gegen die drei Suchmaschinen-Riesen aus Übersee ein europäisches Konzept setzen, dessen Suche die sprachlichen Eigenheiten zum Beispiel im britischen Englisch oder im Deutschen stärker berücksichtigt. "Der Markt ist reif für neue Anbieter", ist sich Joachim Kreibich, Geschäftsführer des Unternehmens, sicher.

Bisher bietet Seekport seine Suchmaschine für Deutschland, England und Frankreich an. Italien und Spanien sollen noch in diesem Jahr folgen. In Deutschland habe Seekport 150 bis 170 Millionen Seiten in seinem Index. Neben der Spezialisierung auf einzelne Länder biete man außerdem eine Suche, die sich auf einzelne Themenbereiche begrenzen lässt: Suchergebnisse werden in Oberbegriffe wie Sport, Gesundheit oder Computer eingeteilt, damit der Nutzer schneller an die gewünschte Information gelangt.

An ähnlichen Diensten arbeitet man auch bei Google. Auf der amerikanischen Seite "Google-Labs" sind künftige Projekte des Unternehmens aufgelistet. Einige der noch in einer Testphase befindlichen Projekte können auch ausprobiert werden. Darunter sind zum Beispiel Straßenkarten, die unter "Google-Maps" zu finden sind und vorerst nur für die USA zur Verfügung stehen. Sie sollen künftig ähnlich wie die lokale Yahoo-Suche auch für Deutschland funktionieren.

"Google Video" durchstöbert, derzeit ebenfalls noch im Versuchsstadium, Seiten mit Fernsehprogramm-Informationen. Nach Vorstellungen von Google soll die Informationssuche aber nicht aufs Internet beschränkt bleiben. Ein Suchdienst, der vom Handy aus per SMS durchgeführt werden kann, soll die Schlagwortsuche in naher Zukunft auch mobil machen.

dpa / Thorsten Neuhetzki

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