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30.05.2019 - 15:12
Breitbandausbau

Telekom-Glasfaser-Deal: getrübte Feierstimmung

Gigabit-Ausbau-Deal für Region Stuttgart kritisiert

Hoher Besuch bei Familie Frensch im nieder­rhei­nischen Korschen­broich: NRW-Wirt­schafts­minister Andreas Pink­wart über­reichte der Familie eine 1-Gigabit-Trophäe, obwohl sie „nur“ einen Anschluss der Deut­schen Glas­faser mit nied­rigerer Geschwin­digkeit gebucht hatten. Aber es war der 500 000 Anschluss, den der Netz­betreiber aus dem Müns­terland verlegt hat – wohl­gemerkt, es handelt sich nicht um den 500 000 Kunden der Deut­schen Glas­faser, sondern um die Zahl der ange­schlos­senen Haus­halte (homes passed). Wie Deut­sche Glas­faser mitteilt, zählt das Unter­nehmen inzwi­schen 300 000 Kunden.

Gratu­lation

NRW-Wirtschaftminister Andreas Pinkwart (Mitte), gratuliert gemeinsamt mit Marc Venten, Bürgermeister von Korschenbroich (2.v.r.) und Uwe Nickl, CEO Deutsche Glasfaser (r.), Familie Frensch

NRW-Wirtschaftminister Andreas Pinkwart (Mitte), gratuliert gemeinsamt mit Marc Venten, Bürgermeister von Korschenbroich (2.v.r.) und Uwe Nickl, CEO Deutsche Glasfaser (r.), Familie Frensch
Deutsche Glasfaser

Die freu­dige Über­raschung für Familie Frensch wurde mit einem Upgrade ihres gebuchten Tarifs auf 1 GBit/s gekrönt. Neben Pink­wart gehörten auch Korschen­broichs Bürger­meister Marc Venten sowie Deut­sche-Glas­faser-CEO Uwe Nickl zu den Gratu­lanten. Die Gemeinde zwischen Mönchen­glad­bach und Neuss ist eine von über 250 länd­lichen Kommunen, in denen die Deut­sche Glas­faser ihr Netz ausge­baut hat.

„Vor Jahren hat man uns für verrückt erklärt, FTTH-Netze in länd­lichen Regionen privat­wirt­schaft­lich auszu­bauen – heute gehören wir bundes­weit zu den stärksten Glas­faser­anbie­tern“, klopft sich Nickl ein wenig selbst auf die Schulter. Nach eigenen Angaben stammt fast jeder dritte neu gebaute FTTH-Anschluss von der Deut­schen Glas­faser.

FTTH für Unter­nehmen und Haus­halte

Mit dem 500 000 Anschluss soll natür­lich noch nicht Schluss sein. In Korschen­broich schließt die Deut­sche Glas­faser noch vier Gewer­bege­biete an. Darüber hinaus schlossen die Müns­terländer im Mai die Tief­bauar­beiten im Rethener Gewer­bege­biet an der Bremer Straße ab. Ab Juli 2019 stehen den dortigen Unter­nehmen symme­trische Band­breiten von 250 MBit/s bis 10 Gbit/s zur Verfü­gung.

Zudem ist die Deut­sche Glas­faser auch in Frank­furt am Main im Gewer­bege­biet Fechen­heim-Nord/Seck­bach aktiv. Im Herbst 2019 rollen die Bagger an. Der Groß­teil der Unter­nehmen soll noch bis Ende des Jahres einen Glas­faser­anschluss erhalten.

Etwas weiter ist Deut­sche Glas­faser bereits in Maintal. Im Gewer­bege­biet Süd hat das Unter­nehmen inner­halb von zehn Wochen sechs Kilo­meter Glas­faser­kabel verlegt. Im nächsten Schritt folgt das Gewer­bege­biet Ost. Im Juni 2019 starten zudem die Tief­bauar­beiten im Gewer­bege­biet Nord. Abschließen wird auch das Gewer­bege­biet West ausge­baut. Ob der Zeit­plan einge­halten werden kann, hängt aber nicht allein von der Deut­schen Glas­faser ab. Die Deut­sche Bahn muss noch Geneh­migungen erteilen.

Ebenso geht bei der Deut­schen Glas­faser der Breit­band­ausbau für Privat­haus­halte weiter. In Oden­thal im Rhei­nisch Bergi­schen Kreis können die ersten der insge­samt 2400 Haus­halte ab August 2019 mit bis zu 1 GBit/s im Internet surfen. Und auch die Gemeinde im Kreis Kleve können sich über Gigabit-Speed freuen. Landrat Wolf­gang Spreen und Deut­sche-Glas­faser-Chef Nickl haben für 15 Kommunen einen Ko­operationsvertrag für den Netz­ausbau unter­schrieben. Für die rund 1600 Kilo­meter an Glas­faser­kabeln stellt der Bund sowie das Land NRW Förder­mittel in Höhe von über 60 Millionen Euro bereit.

Proteste während der Vertragsunterzeichnung für die Gigabit-Region Stuttgart. Der Breko kritisiert ebenfalls den "Exklusiv-Deal"

Proteste während der Vertragsunterzeichnung für die Gigabit-Region Stuttgart. Der Breko kritisiert ebenfalls den "Exklusiv-Deal"
diagnose:funk

„Kreis­weit haben wir insge­samt etwa 40 000 Glas­faser­anschlüsse privat­wirt­schaft­lich reali­siert“ erklärt Nickl. „Weitere 13 000 geför­derte Anschlüsse kommen jetzt da­zu.“ Der Ausbau beginnt im Herbst 2019 in den Kommunen Geldern, Issum, Kerken, Rheurdt, Straelen und Wach­tendonk. Es folgen die Gemeinden Kalkar, Rees, Uedem, Wall­fahrtstadt Keve­laer und Weeze. Den Abschluss bilden Bedburg-Hau, Emme­rich am Rhein, Goch und Kleve. Die betrof­fenen Haus­halte werden im Vorfeld des Aus­baus über den genauen Ablauf infor­miert.

Kritik an Ausbau­projekt für Region Stutt­gart

Grund zum Feiern hatte auch die Deut­sche Telekom. Ende Mai wurden die Verträge für die Gigabit-Region Stutt­gart im Beisein von Baden-Würt­tembergs Ministerpräsi­denten Winfried Kret­schmann unter­zeichnet. Das Ziel: Bis 2025 sollen von den 2,8 Millionen Menschen und 140 000 Unter­nehmen in Stutt­gart und den angren­zenden Land­kreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigs­burg und Rems-Murr 99 Prozent LTE nutzen können. Bis dahin soll jedes Unter­nehmen und die Hälfte der Privat­haus­halte über einen Glas­faser­anschluss verfügen.

Bis 2030 will die Telekom die Privat­anschlüsse auf 90 Prozent stei­gern. Außerdem soll die Region ein Pilot­projekt für die Einfüh­rung des Mobil­funk­stan­dards 5G werden.

Die Feier­laune wurde jedoch von einer Protest­kund­gebung der Umwelt- und Verbrau­cher­orga­nisa­tion diagnose:funk getrübt. Nach eigenen Angaben kamen 80 Teil­nehmer zur Veran­stal­tung, auf der die Orga­nisa­tion die Offen­legung des unter­zeich­neten Vertrags forderte. Die Telekom bekäme alle Rechte ohne jegliche Ver­pflichtung zu einem flächen­deckenden Glas­faser­ausbau, lautete die Kritik.

„Noch be­steht die Chance, dass die Gemeinden in der Region ihren Mut zusam­mennehmen und das Breit­band-Glas­faser­netz selbst aufbauen, statt sich diesem Telekom-Deal zu unter­werfen“, sagte Jörn Gutbier, Vorsit­zender von diagnose:funk. „Denn offen­sicht­lich hat, außer in Stutt­gart, noch kein Gemein­derat in der Region den Geheim­vertrag zur Diskus­sion und Entschei­dung vorge­legt bekommen.“

Auch der Bundes­verband Breit­band­kommu­nika­tion (Breko) kriti­siert den „Exklusiv-Deal“. Dritte sollen laut Breko zwar Zugang zu den künf­tigen Glas­faser­netzen der Te­lekom erhalten, aller­dings wohl nur auf Basis eines neuen Vorleis­tungs­modells des Konzerns, das Zugang nur unter bestimmten Bedin­gungen vorsehe. „Die Begünsti­gung eines einzelnen Unter­nehmens ist mehr als kontra­produktiv, da dies zu einer Wett­bewerbs­einschrän­kung führt, die letzt­lich zu Lasten der Region, ihrer Bürger und Unter­nehmen geht“, sagt Breko Geschäfts­führer Stephan Albers.

Merkel-Flug abge­sagt

Von Protesten und Kritik in anderen Ausbau­gebieten, über die die Telekom in ihrem Unter­nehmens­blog infor­miert, ist indes nichts bekannt. Glei­ches gilt für die Insel Ummanz vor der West­küste Rügens. Die Ummanzer können nun mit bis zu 50 MBit/s schnell surfen. Zur Frei­schal­tung des Teil­netzes wollte auch Bundes­kanz­lerin Angela Merkel kommen, jedoch musste ihr Heli­kopter­flug zur Insel wegen starken Nebels abge­sagt werden.

Die Gemeinde freute sich auch ohne Merkel über die Fertig­stel­lung des Netzes. Berlin bezu­schusst das Gesamt­projekt in der Region mit 27,5 Millionen Euro. Das Land Meck­lenburg-Vorpom­mern fördert den Ausbau mit 11,7 Millionen Euro. Insge­samt profi­tieren 8000 Haus­halte, mehr als 850 Unter­nehmen und acht Schulen von den schnellen Netz­anschlüssen.

Gigabit für die Kabelhaushalte Brandenburgs: Den Startschuss gaben in Potsdam Jörg Steinbach (r.), Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg, und Christoph Clément, Mitglied der Geschäftsleitung Vodafone Deutschland

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Vodafone

Auch in Bran­denburg freut man sich über Gigabit-Speed, zumin­dest wenn man ans Kabel­netz von Voda­fone ange­schlossen ist. Ende Mai rüsteten die Düssel­dorf 50 000 Anschlüsse in Potsdam mit Geschwin­digkeiten bis zu 1 GBit/s auf. Bis Ende des Jah­res folgen weitere 70 000 Anschlüsse in Cottbus, Falkensee und Königs Wusterhau­sen.

Bis 2021 will Voda­fone insge­samt 280 000 Kabel­haus­halte für Gigabit-Speed aufrüsten. „Für unsere länd­lichen Regionen ist Voda­fone Partner bei Glasfaseraus­bau, aber auch bei der Einfüh­rung der beson­ders leis­tungs­fähigen 5G-Tech­nologie“, sagt Jörg Stein­bach, Wirt­schafts­minister des Landes Bran­denburg.


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Marc Hankmann

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