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20.09.2018 - 15:25
Reparatur

Ametsreiter: Das Papier braucht eine Reparatur

Auch Vodafone erwartet Investitionssicherheit

Eigentlich sind sie erbitterte Konkurrenten, aber im Moment haben sie ein gemeinsames Ziel: Zu verhindern, dass weitere Spieler den deutschen Mobilfunk-Markt durcheinanderwirbeln und die mühsam ausgerechneten Kalkulationen für den weiteren Netzausbau mit 4G (LTE) oder 5G zum Einsturz bringen könnten.

Die Rede ist von den drei Mobilfunkanbietern in Deutschland, die alle von dem 119 seitigen Papier der Bundesnetzagentur, worin der Fahrplan für die Vergabe neuer Frequenzen für Mobilfunk und insbesondere 5G beschrieben wird, nicht sonderlich begeistert sind.

Dr. Hannes Ametsreiter, CEO von Vodafone Deutschland, gebürtig in Salzburg (Österreich) und dort langjähriger Chef des marktführenden Mobilfunkanbieters Mobilkom-A1, bringt die Sache ziemlich auf den Punkt: "Das Papier", so sagt er, "braucht eine Reparatur." Ametsreiter studierte Publizistik und Kommunikationswisschaften und findet somit klare Worte: "Einige Formulierungen, die man heute findet, erschrecken uns."

Vierter Netzbetreiber entwertet Investitionen

Dr. Hannes Ametsreiter (links), CEO von Vodafone Deutschland, hier bei der Einweihung der Niederlassung Hannover, findet das 5G-Papier für reparaturbedürftig.

Dr. Hannes Ametsreiter (links), CEO von Vodafone Deutschland, hier bei der Einweihung der Niederlassung Hannover, findet das 5G-Papier für reparaturbedürftig.
Foto: Vodafone Deutschland

Ametsreiter hatte Vodafone Deutschland zu einem Zeitpunkt übernommen, als klar wurde, dass die Zukunft des Unternehmens in einem massiven, aber auch kostenintensiven Netzausbau liegen wird. Von daher wäre ein neuer vierter Netzbetreiber Gift für seine Agenda. "Wenn das regionale Spektrum eine Hintertür wird für einen vierten Netzbetreiber, der kaum investieren muss, dann wäre das eine Fehlentwicklung, weil es die Investitionen der anderen komplett entwertet."

Auch mit dem viel diskutierten nationalen Roaming kann sich Ametsreiter nicht anfreunden: "Wenn zugelassen wird, dass es verpflichtendes nationales Roaming gibt - was jetzt ja ausgeschlossen ist -, oder regionale Spektrumsnutzung ein Investment untergraben kann, und ein quasi nationaler Spieler mit minimalen Investitionen entstehen kann, dann ist eine rote Linie überschritten."

Ametsreiter ist klar, dass viele neue Stationen aufgebaut und das Netz erweitert werden muss. "Wir wollen bestimmte Auflagen diskutieren. Sie müssen sinnvoll und physikalisch machbar sein. Aber eines ist auch klar: Auflagen sind nur dann zu akzeptieren, wenn man Investitionssicherheit hat. Wenn man die nicht hat, dann kann man nicht auch noch eine erhöhte Auflage akzeptieren. "

Setzt auf Marktdynamik

Ametsreiter setzt auf Marktdynamik. "Wenn man von vornherein eine Verpflichtung hat, dann ist das investitionsfeindlich. Das ist zu vermeiden. Ich verlasse mich da lieber auf echte Marktwirtschaft und Marktdynamik als gezwungen zu werden".

Im Hinblick auf die von der Politik erhofften möglichst hohen Lizenzgebühren stellt Ametsreiter klar: "Geld kann man nur einmal ausgeben. Das steckt man entweder in Lizenzkosten oder in den Ausbau."

Politikerträume

Mancher Politiker träumt wohl immer noch von den Rekordeinnahmen bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen im Jahre 2000. Damals nahm der deutsche Bundesfinanzminister etwa 50 Milliarden Euro für sechs Lizenzen ein. Schon damals hatte VIAG-Interkom-Chef Maximilian von Ardelt angekündigt, dass diese utopischen Summen langfristige Folgen haben würden. Und er behielt Recht: Kurz darauf musste der sechste Anbieter (Mobilcom-Multimedia / France Telecom) recht schnell aufgeben, bevor überhaupt Kunden mit seinem (virtuellen) Netz telefonieren durften. Ein weiterer Lizenznehmer, die "Group 3G", bestehend aus Telefónica Spanien und der Sonera Finnland, die dann unter dem Marken-Namen "Quam" angetreten waren, stellten nach etwas über einem Jahr den Betrieb komplett ein und der Staat Finnland schrammte damals an einer Staatskrise vorbei, die staatliche finnische Telefongesellschaft SONERA musste mit der schwedischen Telia fusionieren.

Auch die Fusion von E-Plus und o2 war im Endeffekt eine Spätfolge der damals völlig überteuerten UMTS-Lizenzen.

Man darf also gespannt sein, inwieweit sich die Bedenken der Netzbetreiber in der finalen Entscheidung des Beirates der Bundesnetzagentur wiederfinden werden.


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