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14.02.2020 - 16:08
Netzausbau im Winter

Breitbandausbau: Wenn der Frost die Glasfaser bricht

Im Winter ist der Ausbau ein Wettlauf mit der Zeit

Waldshut-Tiengen liegt zwischen Hoch­rhein und Schwarz­wald, an der Grenze zur Schweiz. Die Land­schaft um die 24 000 Einwohner große Kreis­stadt gleicht Post­karten­motiven aus dem Urlaub. In diesen Tagen stören jedoch Bagger und Bauar­beiter das Voral­penidyll. Die Telekom verlegt zwischen einigen Orts­teilen bis zu den Haupt­vertei­lern Glas­faser (FTTC), um über 700 Haus­halten und mehr als 170 Gewer­betrei­bende mit 50 bzw. 100 MBit/s zu versorgen. Das bedeutet, dass 36 Kilo­meter Glas­faser­kabel mittels 25 Kilo­meter Tiefbau in vorwie­gend felsigen Grund verlegt werden müssen.

Die Arbeiter sind bei Wind und Wetter draußen. Aber bei Boden­frost sind auch sie machtlos. „Wenn wir bis zu einem Meter Frost haben, wird es schwierig mit dem Tiefbau“, erklärt Telekom-Bauleiter René Fischer. Nicht nur das: Bei Tempe­raturen unter fünf Grad Celsius wird Glas­faser spröde und bricht. Sie kann nicht mehr einge­blasen werden. Dagegen gibt es jedoch ein Hilfs­mittel: „Die Tief­baufirmen müssen die Kabel vorwärmen“, erklärt Fischer. Dafür werden sie in einer warmen Halle gela­gert. Dadurch gefriert die Schmier­flüs­sigkeit in den Kabeln nicht und die Fasern brechen nicht beim Einblasen ins Leer­rohr.

Erfolg­reiche Vorver­mark­tung in Dinklage

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (l.), seine Digitalministerin Kristina Sinemus und Vodafone-CEO Hannes Ametsreiter mit der Absichtserklärung für den Kabelnetzausbau

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (l.), seine Digitalministerin Kristina Sinemus und Vodafone-CEO Hannes Ametsreiter mit der Absichtserklärung für den Kabelnetzausbau
Vodafone

Um den Ausbau in Waldshut-Tiengen hat sich nur die Telekom beworben. In Zukunft könnte sie jedoch auch bei solchen Projekten Konkur­renz bekommen, denn mit der Deut­schen Glas­faser und inexio fusio­nieren zwei Unter­nehmen, die den Glas­faser­ausbau in Deutsch­land maßgeb­lich voran­bringen. Deut­sche Glas­faser plant in Dinklage ein FTTH-Netz, nachdem die Vorver­mark­tung in die Verlän­gerung erfolg­reich endete. Der neue Partner inexio hat unlängst im Leininger Land die Markt­erkun­dung gestartet. Entscheiden sich 20 Prozent der Haus­halte für einen Glasfaseran­schluss, will inexio schon im Juni 2020 mit dem Ausbau beginnen. „Dann wird im September der erste Ort bereits komplett mit Glas­faser­anschlüssen versorgt sein“, sagt Anja Genetsch, Abtei­lungs­leiterin kommu­naler Vertrieb bei inexio.

Im Land­kreis Mainz-Bingen hat inexio den nächsten Ausbau­schritt für rund 630 Adressen, in Ingel­heim am Rhein, der Gemeinde Buden­heim und der Verbandsge­meinde Gau-Alges­heim gestartet. Nach zwei Jahren Bauzeit können dann unter an­derem 17 Schulen über Glas­faser im Internet surfen. Dafür werden 150 Kilo­meter Leer­rohre verlegt. Im Rhein-Pfalz-Kreis sind es zehn Kilo­meter mehr. Hier sorgt inexio für einen Lücken­schluss, mit dem weitere rund 400 Haus­halte High­speed Internet bis 1 GBit/s erhalten. „Parallel zu den Tief­bauar­beiten werden wir in den Orten bereits mit der Instal­lation der erfor­derli­chen Aktiv­technik beginnen“, erläu­terte Katja Kiefer, Vertrieb Kommunen bei inexio.

Glas­faser­ausbau bei Frost und Kälte

Glas­faser von Hessen bis Hamburg

Auch die Konkur­renz ist nicht in den Winter­schlaf gefallen. Voda­fone strebt für dieses Jahr an, im hessi­schen Kabel­netz 1,8 Millionen Haus­halte mit Gigabit-Geschwindig­keiten zu versorgen. Bisher konnten nur in Frank­furt 345 000 Kabel­haus­halte mit solchen Geschwin­digkeiten im Internet surfen. Am 12. Februar 2020 kamen weitere 160 000 Kabel­haus­halte in Wies­baden, Offen­bach und Darm­stadt hinzu. Damit das Ziel erreicht wird, haben Hessens Minis­terprä­sident Volker Bouf­fier und die Minis­terin für Digi­tale Stra­tegie und Entwick­lung, Kris­tina Sinemus, mit Voda­fone-CEO Hannes Amets­reiter eine Absichts­erklä­rung unter­zeichnet.

Darüber hinaus erschließt Voda­fone eine ganze Reihe an Gewer­bege­bieten, von Ra­tingen über Münster bis Karls­ruhe, Trier und Waren. Über 2400 Unter­nehmen erhal­ten einen FTTB-Anschluss, darunter auch 140 Unter­nehmen im Hamburger Hafen zwischen Eller­holz­damm und Reiher­damm. Das Hafen­gebiet der Hanse­stadt war einst ein Vorzei­gepro­jekt der Telekom. Voda­fone will zudem weitere 100 Unter­nehmen am Veddeler Damm anschließen, wenn sich 30 von ihnen für einen Vertrag mit dem Düs­seldorfer Tele­kommu­nika­tions­unter­nehmen entscheiden.

Dormagen und Wede­mark bekommen High­speed

Netzbetreiber envia TEL will Unternehmen in Mittweida Bandbreiten bis 10 GBit/s anbieten

Netzbetreiber envia TEL will Unternehmen in Mittweida Bandbreiten bis 10 GBit/s anbieten
envia TEL

Darüber hinaus sind auch viele regio­nale Netz­betreiber im Winter unter­wegs. In Dor­magen wollen NetCologne und die EVD Ener­giever­sorgung Dormagen 280 Objekte der Bauge­nossen­schaft Dormagen mit insge­samt 2100 Wohnungen an das seit 2019 im Bau befind­liche Glas­faser­netz anschließen. Die ersten Kunden können seit Kur­zem mit bis zu 1 GBit/s online gehen. M-net hat den Orts­teil Weißen­bach in der Ge­meinde Neun­kirchen am Sand ans Netz genommen. Ab sofort können die Weißen­bacher mit Band­breiten bis 300 MBit/s surfen. Der Ausbau wurde mit Mitteln im Rah­men des baye­rischen Förder­programms unter­stützt.

In Mitt­weida ist seit Anfang Februar 2020 die envia TEL aktiv, um Unter­nehmen Über­tragungs­geschwin­digkeiten bis 10 GBit/s anzu­bieten. Voraus­sicht­lich Ende Juni 2020 wird der Ausbau des Breit­band­netzes fertig­gestellt sein. Und auch in der Wede­mark wird sich bald etwas in Sachen Breit­band tun. Die Orte Elze, Benne­mühlen, Besten­bostel und Oegen­bostel haben in der Vorver­mark­tung die Ziel­marke von 40 Prozent über­schritten. Hier wird nun die Deut­sche Glas­faser zusammen mit dem regio­nalen Netz­betreiber htp Glas­faser bis in die Häuser verlegen. Das Netz und die Hausan­schlüsse baut Deut­sche Glas­faser, htp mietet und betreibt das Netz. Noch in diesem Jahr soll der Ausbau abge­schlossen werden – also bevor der nächste Winter kommt.

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Marc Hankmann

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