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29.11.2019 - 11:52
Geburtstag

BREKO-Verband feiert: Auch Mobilfunk braucht Glasfaser

Vectoring 2 hat den Ausbau stark verzögert

Am 19. April 1999 grün­deten 47 Unter­nehmen den Bundes­verband Regio­nale und lokale Tele­kommu­nika­tions­anbieter. Im Jahre 2005 wurde der stark gewach­sene Verband in „Bundes­verband Breit­band­kommu­nika­tion (BREKO)“ umbe­nannt. Inzwi­schen hat BREKO 350 Mitglieder, davon 200 Netz­betreiber. „70 Prozent der Netze aufbau­enden Unter­nehmen sind in unserem Verband“, freute sich BREKO Präsi­dent Norbert Westfal.

Feier­stunde in Berlin

Der Festakt zum 20jährigen Jubiläum des BREKOverbandes fand in den historischen Bolle-Sälen in Berlin statt.

Der Festakt zum 20jährigen Jubiläum des BREKOverbandes fand in den historischen Bolle-Sälen in Berlin statt.
Foto: Henning Gajek / teltarif.de

Zur Feier­stunde hatte der Verband bekannte Persön­lich­keiten der Branche nach Berlin geladen. Beispiels­weise Dr. Iris Henseler-Unger, die ehema­lige lang­jährige Vize­präsi­dentin der Bundes­netz­agentur, die den Markt noch aus den 90er Jahren kennt. Damals wurde die Libe­rali­sierung gestartet und man war neugierig, was passieren würde. „Da kommen Unter­nehmen aus dem Sektor Stadt­werke, die wollen eigene Tele­fonnetze bauen“, raunte die Branche ungläubig.

Schon beim zehn­jährigen Jubi­läum des BREKO hatte der Telekom Chef Tim Höttges eine Rede gehalten, die sich mit dem Riesen Gulliver beschäf­tigte, eine erste Koope­ration kam zwischen der Telekom und einen privaten Wett­bewerber zustande.

Vecto­ring 2 verzö­gerte den Glas­faser­ausbau

Viele Entschei­dungen waren recht­lich getrieben. Die Telekom wünschte sich eine Aufhe­bung der Regu­lierung bei Glas­faser, der euro­päische Gerichtshof sah das anders.

Die „Vecto­ring-2“-Entschei­dung hatte zur Folge, dass private Mitbe­werber mit ihrer DSL-Technik aus den Haupt­vertei­lern ausziehen und ein Bitstream-Vorleis­tungs­produkt bei der Telekom buchen mussten. Es gibt aber auch Orts­netze, wo die privaten Wett­bewerber „schneller“ waren und die Telekom ausziehen musste. „Als dieser Antrag da lag, konnte die Beschluss­kammer nicht anders entscheiden“, erin­nerte sich Henseler-Unger. Die Vecto­ring-2-Entschei­dung habe den Glas­faser­ausbau deut­lich verzö­gert. Damals galt das poli­tische Ziel einer flächen­deckenden 50 MBit/s Versor­gung und das war mit kupfer­basiertem Vecto­ring locker zu schaffen. Aber „heute ist Vecto­ring tot“, so das eindeu­tige Credo des Verbandes.

Staat­liche Förde­rung zu kompli­ziert - dauert zu lange

BREKO-Präsi­dent Norbert Westfal weiß, dass vor 5 bis 8 Jahren noch Kupfer ange­sagt war, heute ist es Glas­faser. Die Geneh­migungen sind komplex und die Kommunen müssen „von Pontius bis Pilatus“ laufen, bis geför­dert gebaut werden kann. Förder­programme könnten sich als Hemm­schuh erweisen, weil jeder erst einmal abwarte. Denk­malschutz oder Natur­schutz seien komplex. Es wurde viel Zeit vertan, Schweden zeige, wie schnell das gehen könne.

Ja, es gebe einen Engpass im Tiefbau. Wer ein Unter­nehmen starten wolle, solle eine Tief­baufirma gründen. Der BREKO hat deshalb eine „Tief­baubörse“ gestartet, ein „Elite­partner für Netz­betreiber“.

Mobil­funk braucht Glas­faser

Mit Sorge sieht man beim BREKO den aktu­ellen poli­tischen Fokus auf den Mobil­funk. Nur: Jede Antenne braucht ein Fest­netz! Unglück­licher­weise könnten gemein­same Glas­faser für Fest­netz und Mobil­funk nicht geför­dert werden, das lasse das EU-Recht aktuell nicht zu.

Verlegte Glas­fasern zu teuer?

Ange­bote regio­naler Glas­faser-Netz­betreiber an die Mobil­funker, bereits vorhan­dene Glas­fasern mitnutzen zu können, seien mit dem Argu­ment „Nein Danke, Ihr seid uns zu teuer“ abge­lehnt worden. Der Mobil­funk hoffe auf ein Förder­programm, welches die Glas­fasern zu den Sende­masten quasi „kostenlos“ lege und damit die bereits erfolgten Inves­titionen entwerte. Ansonsten würden sie lieber Richt­funk zur Anbin­dung verwenden, nur „Richt­funk ist wie Kupfer“.

Kunde will überall Netz

Bei der TK-Regu­lierung sei ein „Ruf nach mehr Staat“ zu beob­achten. Der Kunde ist anspruchs­voller geworden, er erwartet überall Netz. Die Unter­nehmen müssten den Ausbau auf dem Land über die Einnahmen aus der Stadt quer subven­tionieren. Die Politik baue einen immensen Druck auf, dass die Netze auf- und ausge­baut werden. Nur Inves­titionen bräuchten einen längeren Zeit­rahmen.

Immerhin kämen bei der aktu­ellen Diskus­sion um die staat­liche Mobil­funk-Infra­struk­turge­sell­schaft über­trie­bene Vorschläge nicht zum Tragen. Wich­tiger Meilen­stein werde das neue Tele­kommu­nika­tions­gesetz (TKG) sein „und dann sind Wahlen“.

Wenig Bereit­schaft, mehr Geld auszu­geben

Bei den Kunden gebe es zu wenig Bereit­schaft im Markt, für hoch­wertigen Mobil­funk oder Fest­netz "ein paar Euro mehr" auszu­geben. Die Leasing­rate für den Dienst­wagen dürfe höher als der monat­liche Grund­preis für den Glas­faser­anschluss der Firma oder den Mobil­funk­vertrag sein. Man habe die Markt­preise auf „abge­schrie­bene Infra­struktur runter geprü­gelt.“ Der Markt sei rein ange­bots­orien­tiert. Selbst wenn fertige Glas­faser­netze verlegt seien, wollten Kunden oft nicht wech­seln. „Der Bürger­meister vor Ort“ sei oft der wesent­liche Entscheider, der die Bevöl­kerung vor Ort moti­vieren könne. „Sollten wir mehr Nach­frage orien­tiert bauen?“ Viele Leute seien heute mit 50 MBit/s zufrieden. Ande­rerseits sollte doch auch voraus­schauend gebaut werden.

Staat nur im Notfall einspannen

Henseler-Unger plädierte dafür, den Staat „nur im äußersten Notfall“ einzu­spannen und brachte den Digi­talfunk für Sicher­heits­behörden (BOS) als Beispiel. „Wie lange hat das gedauert, bis das Netz gebaut wurde und welche Qualität hat es?“

Obwohl nicht mehr im Amt, brachte Dr. Henseler-Unger die neue Linie der Bundes­netz­agentur auf den Punkt: „Die Branche sollte erwachsen werden, sollte koope­rieren statt immer nach Regu­lieren zu rufen.“

Was die hoch­karä­tige Gäste dem BREKO zum Geburtstag mitteilten, lesen Sie in einem weiteren Artikel.


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