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28.07.2019 - 12:09
Schattendasein

Sichere De-Mail: Diese Firmen und Behörden machen mit

Durchbruch für rechtssichere De-Mail steht noch aus

Die Idee hinter De-Mail klingt über­zeugend: Deutsch­land soll sicher, schnell und digital kommu­nizieren können. Bürger mit Behörden, Gerichten oder Banken, Versi­cherungen mit ihren Kunden. Arbeit­geber sollten sich Gehalts­abrech­nungen per Post sparen und sie statt­dessen per geschützter Mail in ein gesi­chertes Post­fach senden.

Das Poten­zial ist groß, nur an der Umset­zung hakt es. De-Mail hat sich trotz vieler Unter­stützer aus Bund, Behörden und Unter­nehmen seit dem Start 2012 bis heute nicht durch­gesetzt. Was läuft schief?

Für Tim Gerber von der "c't" ist der Fall klar: "De-Mail wird vor allem von Unter­nehmen nicht genutzt, etwa Banken, Versi­cherungen, Tele­kommu­nika­tions­anbie­tern", kriti­siert er. "Dass die Unter­nehmen ange­sichts des hohen Miss­brauch­spo­tenzials noch immer auf unsi­chere E-Mails setzen, anstatt sichere De-Mail anzu­bieten, leistet Betrug und anderen Straf­taten Vorschub."

Post­fächer für Privat­kunden sind kostenlos

Auf dem Informationsportal zur De-Mail sind alle Firmen und Behörden verzeichnet, die mitmachen

Auf dem Informationsportal zur De-Mail sind alle Firmen und Behörden verzeichnet, die mitmachen
Bild: 1und1 De-Mail GmbH

De-Mail funk­tioniert so: Für Privat­kunden gibt es Anbieter wie die Telekom oder 1&1 mit Web.de und GMX, bei denen man sich für De-Mail regis­trieren kann. Zerti­fizierte Anbieter sind ebenso T-Systems und Mentana Claim­soft. Bisher ist der Service für Verbrau­cher über­wiegend kostenlos. Mit Perso­nalaus­weis oder Reise­pass muss sich jeder neue Nutzer gegen­über seinem Anbieter iden­tifi­zieren. Hier gibt es unter­schied­liche Verfahren.

Anschlie­ßend erhält man eine De-Mail-Adresse. Diese kann wie folgt aussehen: max.mustermann@t-online.de-mail.de. Nun könnte es losgehen mit der rechts­verbind­lichen, schnellen und umwelt­scho­nenden Kommu­nika­tion, die den offi­ziellen Brief ersetzt.

In der Hand­habung glei­chen De-Mails den herkömm­lichen E-Mails, erläu­tert das Bundesamt für Sicher­heit in der Infor­mati­onstechnik (BSI). Sie verfügen jedoch über wich­tige Eigen­schaften, die E-Mails fehlen: Die Iden­titäten von Absender und Adressat könnten eindeutig nach­gewiesen und nicht gefälscht werden.

Banken, Versi­cherungen und Behörden bevor­zugen den Brief

Seit dem Start des Ange­bots 2012 haben sich nach Angaben des offi­ziellen Infor­mati­onspor­tals zur De-Mail in Deutsch­land mehr als eine Million Nutzer regis­triert. Dennoch hält sich der Zuspruch in Grenzen. Bisher versenden Banken, Versi­cherungen und Behörden sensible Infor­mationen in erster Linie per Brief­post - dies bestä­tigt etwa der Bundes­verband deut­scher Banken. Eine Spre­cherin erklärt auf Nach­frage, es gebe einfach zu wenig Kunden­inter­esse an De-Mail.

Somit fristet der digi­tale Stan­dard für sichere Kommu­nika­tion Jahre nach dem Start­schuss ein Schat­tenda­sein: Unter­nehmen wie Behörden halten sich zurück, weil es kaum aktive Nutzer gibt, die De-Mails in Empfang nehmen - und Nutzer vermissen konkrete Anwen­dungen für den schnellen und sicheren Kontakt etwa zu öffent­lichen Einrich­tungen.

Aus Sicht des IT-Bran­chen­verbands Bitkom müssten die Bürger besser über die Mehr­werte von De-Mail infor­miert werden. Damit sie die Vorteile des digi­talen Prozesses gegen­über dem bekannten Papier­prozess erkennen, wie Bitkom-Expertin Rebekka Weiß erklärt. Das kompli­zierte Anmel­dever­fahren schrecke zwar ab. Dieses sei aber dem hohen Sicher­heits­stan­dard geschuldet, erläu­tert sie.

Baustein auf dem Weg zum E-Government?

De-Mail hat laut Bitkom eine Perspek­tive. Schließ­lich gilt das Kommu­nika­tions­mittel als Baustein auf dem Weg zum E-Government moderner, bürger­naher Behörden.

Doch auch Bundes­behörden kommu­nizieren, obwohl für sie De-Mail-Zugänge eigent­lich bereits Pflicht sind, unter­einander oft noch über die klas­sische E-Mail, kriti­siert Gerber. Bei Unter­nehmen fordert er, die Kommu­nika­tion per De-Mail verpflich­tend einzu­führen, sobald Geschäfte im Internet getä­tigt werden.

Das BSI empfiehlt De-Mail - und zwar überall dort, wo es auf vertrau­liche und vor allem verbind­liche Kommu­nika­tion ankomme. Etwa bei Krank­meldungen, Behör­denan­trägen oder Scha­dens­meldungen.

Verbrau­chern rät Fach­jour­nalist Gerber zur De-Mail: "Wo immer man sie nutzen kann, sollte man sie nutzen." Sie sei nach­weis­sicher etwa bei Kündi­gungen und deut­lich güns­tiger als die klas­sische Brief­post mit entspre­chenden Zusatz­leis­tungen wie Einschreiben oder Rück­schein.

Gerber ist über­zeugt: De-Mail werde sich durch­setzen und lang­fristig die klas­sische Post weit­gehend ersetzen. "Die Technik ist sicher, kosten­günstig und effi­zient." Noch aber steht ihr Durch­bruch aus.

Wer bereits mitmacht, also welche Firmen und Behörden per De-Mail erreichbar sind, ist auf dem Infor­mati­onsportal zur De-Mail aufge­führt.


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dpa /

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