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21.03.2020 - 18:18
Finanzen

Digitales Haushaltsbuch: Mit der Bank den Überblick behalten

Bank Analytics können praktisch sein

Mal ehrlich: Wer weiß schon genau, wie viel Geld jeden Monat für Einkäufe, Unter­haltung, Apps und Klein­kram vom Konto abgeht? Die meisten wahr­schein­lich nicht, denn die wenigsten dürften ein Haus­halts­buch führen.

Wäre doch toll, wenn man seine Ausgaben ganz von allein und auch noch hübsch aufbe­reitet analy­siert bekommen könnte. Die gute Nach­richt: Bei manchen Banken geht das schon.

Analyse, Finanz­planer und Finanz­manager

Wo geht mein ganzes Geld hin? Mithilfe der Bank können digitale Haushaltsbücher angelegt werden

Wo geht mein ganzes Geld hin? Mithilfe der Bank können digitale Haushaltsbücher angelegt werden
(c) dpa-infografik GmbH

Beim Fintech Revolut und der Direkt­bank ING heißt die Funk­tion schlicht Analyse, bei der Deut­schen Bank Finanz­planer, die Comdi­rect nennt es Finanz­manager und bei N26 Auto­mati­sche Kate­gori­sierung.

Allen Diensten gemein: Sie analy­sieren alle Trans­aktionen und kate­gori­sieren sie. Das ist Miete, das ist Gehalt, das ist die Strom­rech­nung. So viel kommt rein, so viel geht raus und - hoffent­lich - so viel bleibt übrig.

Teils ist der compu­terge­stützte Blick auf die eigenen Finanzen nur im Browser verfügbar. Teils geben Banken auch in der Smart­phone-App Auskunft. "Im Prinzip ist es die Digi­tali­sierung des analogen Haus­halts­buchs", sagt Annabel Oelmann von der Verbrau­cher­zentrale Bremen. Sie sieht Vorteile des noch recht neuen Service: So ließen sich auf die Art etwa Einspar­poten­ziale aufde­cken und einfach sehen, wie Einnahmen und Ausgaben zusam­menhängen oder ob lang­fristig Löcher in den eigenen Finanzen drohen.

"Ich finde, das führt zu einer besseren Ausgangs­lage für die Finanz­planung", sagt auch Julian Grigo. Er ist Banking­experte beim Bran­chen­verband Bitkom. Die Über­sicht über Konten­bewe­gungen hatten Kunden ja schon vorher. Nun würden die Daten aber nach Kate­gorien geclus­tert und ließen sich so leichter über­blicken.

Erkennt­nisse gewinnen: Wofür gebe ich mein Geld aus?

Noch sind solche Ange­bote ganz am Anfang, sagt Jürgen von der Lehr, Leiter Banking und Zahlungs­verkehr bei der Direkt­bank ING. Das haus­eigene Analy­sean­gebot kann derzeit Zahlungen kate­gori­sieren und grafisch aufbe­reiten.

Kunden könnten außerdem ein wenig in die Zukunft schauen und sehen, welche Trans­aktionen bald anstehen. Das Haupt­ziel: "Trans­parenz", sagt von der Lehr. "Wofür gebe ich mein Geld aus." Es gehe darum, Erkennt­nisse über die eigenen Ausgaben zu gewinnen.

Bislang habe die ING selbst wenig von dem Angebot, für das Soft­ware von außer­halb einge­kauft wurde. Jürgen von der Lehr sieht es als Angebot zur Kunden­bindung. Und als Hilfs­mittel. "Getrieben ist das aus der Erkenntnis, dass der eine oder andere Kunde Schwie­rigkeiten hat, seine monat­lichen Ausgaben im Griff zu halten." Per Analyse kann man eben schnell sehen, wie die Kosten­faktoren aussehen.

Doch hier liegt bislang auch eine Schwäche solcher Ange­bote: Dass die Kate­gorien manchmal falsch bestimmt werden, können Kunden noch korri­gieren - manche Banken bieten sogar an, dass sie eigene Kate­gorien anlegen können. Aber sobald man Bargeld nutzt, gibt es keine Daten. Was man mit Scheinen und Münzen zahlt, erscheint in der Analyse nur als Bargeld­abhe­bung. Eine händi­sche Möglich­keit zum Nach­tragen gibt es noch nicht. Wer also den kompletten Über­blick will, muss weiter Kassen­bons sammeln - und die Summen zum Beispiel in einer Haus­halts­buch-App eintragen.

Feste Budget­grenzen setzen

Neben dem reinen Über­blick bieten manche Banken auch die Möglich­keit, sich feste Budget­grenzen zu setzen. Zum Beispiel 200 Euro im Monat für Restau­rant­besuche oder 75 Euro für Unter­haltung. Bei Über­schrei­tung gibt es dann eine Warnung - und man kann sehen, wo zum Beispiel gespart werden muss.

Oder man spart Kleinst­beträge an, um sich davon später etwas zu leisten. Solch einen Service gibt es etwa bei Revolut oder der ING. Bei jeder Trans­aktion wird dann zum Beispiel auf den nächsten Euro aufge­rundet, bei Revolut landet die Diffe­renz in einem Vault genannten Sonder­konto, bei der ING auf dem Tages­geld­konto.

Viele Funk­tionen also, die zu mehr Über­sicht und solider Finanz­planung verhelfen sollen. Aber könnte man aus den Daten nicht eigent­lich mehr machen? "Richtig nütz­lich würde es erst werden, wenn aus den gewon­nenen Daten kluge Empfeh­lungen im Sinne des Verbrau­chers würden", sagt Verbrau­cher­schüt­zerin Annabel Oelmann. Denn bislang gebe es außer Spar­tipps wenig.

Nütz­lich wären laut Oelmann etwa Hinweise auf mark­tunüb­liche hohe Kredit­raten, vergleichs­weise hohe Ausgaben für Strom oder Mobil­funk verbunden mit Wech­selvor­schlägen. Nicht nütz­lich wäre: Wenn etwa aufgrund der Konto­bewe­gungen perso­nali­sierte Werbung entstünde oder Verbrau­chern Kredite ange­boten würden.

Genau diese beiden Fälle soll es bei der ING nicht geben, sagt Jürgen von der Lehr. "Ganz wichtig ist, dass da keine Daten das Haus verlassen und Analysen nur auf Wunsch des Kunden geschehen." Nur so könnten künftig weiter­gehende Empfeh­lungen aufgrund der Analysen folgen. Von der Lehr denkt etwa an Hinweise, dass man gewisse Dienst­leis­tungen woan­ders güns­tiger bekommt. Oder dass die Bank - ähnlich wie es spezia­lisierte Dienste bereits tun - für Kunden Versor­gerver­träge verwalten kann.

Bitkom: Banken können mehr als nur Geld­dienst­leister sein

Julian Grigo vom Bitkom sieht solche daten­basierten Services noch am Anfang. Er erhofft sich künftig noch bessere Produkte - nicht nur von Banken, sondern auch von Dritt­anbie­tern.

Dazu zwei Ideen: So könnten etwa Vergleichs­portale mit Erlaubnis der Konto­inhaber über diese Schnitt­stelle zu den Daten­systemen der Bank einen Blick auf die Zahlen werfen und etwa einen Strom­anbie­terwechsel einleiten. Oder unab­hängige Kredit­berater schauen im Auftrag der Kunden nach besseren Kondi­tionen. "Es ist der Einstieg für Banken, mehr als nur ein reiner Geld­dienst­leister zu sein", sagt Grigo.

Wichtig dabei: Vor lauter schöner Finanz­daten und -möglich­keiten nicht den Daten­schutz vergessen. Beson­ders bei Nicht-Banken, rät Verbrau­cher­schüt­zerin Annabel Oelmann.

Bei der eigenen Bank sei der Daten­schutz soweit gesi­chert und die Bank kenne eh die Umsätze. Bei Dritt­anbie­tern rät sie, ganz genau zu lesen, was mit den erho­benen Daten noch so passiert. "Die bei solchen Analy­tics erho­benen Daten sind höchst sensibel und sehr wert­voll. Etwa für die Werbe­indus­trie oder Kredit­bewer­tungen", sagt Oelmann.

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dpa /

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