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10.12.2018 - 13:24
Bahnfunk

Funkloch Eisenbahn - Besserung in Sicht?

ICE-WLAN oft überlastet

Wer in diesen Tagen mit der Bahn unterwegs ist, hat es schwer. Heute Morgen wurde zwischen 5 und 9 Uhr bundesweit gestreikt. Seitdem ist die Bahn dabei, den Verkehr wieder zu normalisieren.

Information ist alles

Eisenbahn fahren ist nicht einfach. Volle Züge, schlechtes Netz. Man braucht viel Geduld und gute Ausrüstung.

Eisenbahn fahren ist nicht einfach. Volle Züge, schlechtes Netz. Man braucht viel Geduld und gute Ausrüstung.
Foto: Picture Alliance / dpa

Wer im Zug auf der Strecke oder im Bahnhof per Handy Freunde oder Bekannte über den aktuellen Status informieren möchte, wer einfach nur bei www.bahn.de oder in der Bahn-App oder bei einer privaten Bahn-Konkurrenz nachschauen will, wann was fährt, braucht Netz. Das ist in den Zügen oder auf den Bahnsteigen nicht immer so der Knüller. In-Zug-Versorgung gibt es beispielsweise über Repeater in den ICE-Zügen, welche die Mobilfunksignale von Außen nach Innen spiegeln, und über das WLAN in den ICE-Zügen, sofern dieses nicht gerade ausgefallen oder überlastet ist. In IC-Zügen kommt wenig an, weil die Scheiben "verspiegelt" sind, um Energie zu sparen, und Funkwellen bleiben dabei außen vor.

Bahn-WLAN nicht überlastet?

Das Portal golem.de hat sich bei der Deutschen Bahn informiert.

Die Mobilfunknetzbetreiber sind für die Funkversorgung entlang der Eisenbahnstrecken zuständig. Laut der neuen Auktionsregeln sollen die Hauptverkehrsstrecken, wo die "wichtigen" ICE- und IC-Züge fahren, bis Ende 2019 mit 50 MBit/s versorgt werden, „allerdings gibt es noch eine Vielzahl an Versorgungslücken“, so ein Bahn-Sprecher gegenüber dem Magazin.

Bahn nutzt öffentliche Netze und ihr eigenes Netz - nur für sich selbst

Die Bahn verwendet für ihre Kunden die gleichen Mobilfunknetze wie alle anderen Kunden, also Telekom, Vodafone oder Telefónica-o2, wo schon vorhanden. Das speziell für Bahnen europaweit installierte "GSM-Rail" (GSM-R) Mobilfunknetz steht nur dem Bahnpersonal zur Verfügung. Damit nehmen Lokführer mit den Stellwerken Kontakt auf oder es werden Rangierfahrten gesteuert. Für Bahnpassagiere ist GSM-R tabu. Die allermeisten Privatkunden-Handys kennen auch den Frequenzbereich (GSM 800-R) dafür gar nicht und selbst wenn: Zum Einbuchen bräuchte man eine GSM-R-SIM-Karte, die man als Fahrgast auch nicht bekommt.

Mobilfunk in Zügen, weiter schwierig

Wie gut die Mobilfunkqualität in Zügen ist, haben die Tests von Chip und Connect noch einmal gezeigt: In Schulnoten zutiefst "unbefriedigend". Im Vergleich zu den Vorjahren sei kein Fortschritt zu erkennen, ermittelten die Tester. "Dürftige Leistungen sowohl beim Telefonieren als auch in der Datenkommunikation adressieren alle drei deutschen Netzbetreiber mit der klaren Aufgabe, hier endlich für Verbesserungen zu sorgen".

WLAN im Zug - kann Icomera Abhilfe schaffen?

"Die Ergebnisse entsprechen noch nicht unserem Anspruch. Deshalb schauen wir sehr gespannt auf die kommende Frequenzvergabe in der Hoffnung, damit Eisenbahnstrecken denselben Stellenwert bekommen wie Autobahnen und Städte", sagte der Bahn-Sprecher.

Das Multi-Provider-System des schwedischen Ausrüsters Icomera nutzt alle drei öffentlichen Mobilfunknetze von Telekom, Vodafone und o2. In das Projekt werden über drei Jahre 120 Millionen Euro investiert. Jeder einzelne ICE-Waggon soll eigenes WLAN bekommen. Pro Zug ist ein Server verbaut, der als Zentralrouter für die Verbindung zu den Mobilfunknetzen sorgt: Dazu ist er mit bis zu sechs SIM-Karten bestückt und mit mehreren Außenantennen auf den Wagen verbunden.

In Nahverkehrszügen gibt es derzeit noch kaum WLAN. Das wird nur eingebaut, wenn der Verkehrsträger, der die "Leistung bestellt", das so wünscht (und bezahlt). Züge mit WLAN fahren beispielsweise in Frankfurt/Main (S-Bahn) oder im Großraum Rhein-Main-Neckar ("Süwex"). Ob das Netz in diesen Zügen wirklich funktioniert und welche Ergebnisse es erzielen kann, steht auf einem anderen Blatt. Golem hat - wen wundert es - herausgefunden, dass Freitags das Netz am "schlechtesten" verfügbar ist. Kein Wunder, dann sind die Züge voll und das Wochenende wird via Internet geplant.

Netzausbau hängt überall

Der Netzausbau geht aus verschiedenen Gründen nicht richtig voran. Viele - insbesondere die stark befahrenen - Strecken gehen durch einsame dünn besiedelte Regionen. Da "lohnt" sich ein Sender nur für die Bahn und über den Tag gesehen nicht so richtig. Nach einem Zug gibt es immer wieder Pausen, wo gar kein Zug fährt, der Sender also wenig zu tun hat. Das macht die Kalkulation schwierig.

Um optimal versorgen zu können, müssten die Sendemasten nahe an die Gleise, dort hat die Deutsche Bahn die Hoheit. Mobilfunkbetreiber klagen immer wieder darüber, wie schwierig es sei, beispielsweise in den ICE-Tunnels etwas aufbauen zu dürfen, weil dazu eine "verkehrsfreie Zeit" benötigt wird. Solange Züge durch die Tunnels rauschen, kann nicht gearbeitet werden. Die Sogwirkung eines mit 200 oder 300 km/h vorbeizischenden ICE ist so extrem, das Personen entweder gar nicht an die Gleise dürfen oder stark gesichert sein müssten. Großbauprojekte wie die geplante Revision der Schnellfahrstrecke Mannheim-Stuttgart werden dafür genutzt werden, möglichst allerneueste Technik an die Strecke zu bringen.

Was kann der Kunde tun?

Wer viel Bahn fährt, sollte sich unbedingt ein LTE-fähiges Handy zulegen, das auch VoLTE (Sprache über LTE) und VoWiFi (Sprache über WLAN, WLAN-Call) beherrscht. Dann muss der Vertrag des eigenen Anbieters das auch erlauben. Das wäre beispielsweise bei allen Anbietern im o2-Netz der Fall, auch Discounter und Prepaid. Bei Telekom (D1) und Vodafone (D2) muss es derzeit aber ein Laufzeitvertrag des Original-Anbieters mit freigeschalteter VoLTE- und WLAN-Call-(VoWiFi)-Option sein. "Hauseigene" Discounter wie congstar oder otelo bieten wenigstens LTE für Daten, aber nicht zum Telefonieren. Bei Service-Providern wie mobilcom-debitel gibt es die "Original-Netzbetreiber"-Tarife (mit vollem LTE und VoWiFi) ebenfalls, wenn man ganz explizit danach fragt. Diese Rundumtarife sind aber durch die Bank teurer als die gerne genommenen Discounter-Angebote die schon unter 10 Euro im Monat beste Versorgung versprechen, aber nicht halten können.

Richtige Software installieren

Wer mit der Deutschen Bahn unterwegs ist, sollte die Bahn-Navigator-App installieren, die es für Android und iOS gibt. Die App ist kostenlos und deckt auch viele Nahverkehrsanbieter ab. Um Fahrkarten mit der App kaufen zu können, muss auf www.bahn.de ein Nutzer-Konto eingerichtet und eine Zahlungsart hinterlegt werden, beispielsweise mit Kreditkarte, PayPal, PayDirekt, SEPA-Lastschrift oder dem Bezahldienst klarna.de. Fahrkarten für private Bahnen können in der Regel nicht über die Bahn-App gekauft werden, es gibt aber Ausnahmen z.B. in Verkehrsverbünden.


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