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18.09.2014 - 14:48
Kapitulation

Ericsson macht keine Handy-Modems mehr und entlässt 246 deutsche Kollegen

Im Netz-Bereich will der Konzern weiter um die Vorherrschaft kämpfen

Ericsson kapituliert in einem weiteren Geschäftsbereich vor der chinesischen Konkurrenz: Heute teilt der traditionelle schwedische Hersteller mit, ab sofort keine Smartphone-Modems mehr zu entwickeln. Die direkte Folge davon: An Standorten in 14 Ländern bekommen 1 582 Mitarbeiter die Kündigung, auch Deutschland ist betroffen. Gleichzeitig macht Ericsson konkrete Angaben zur weiteren Konzernstrategie.

Die China-Konkurrenz wird in der heutigen Pressemitteilung zwar nicht direkt erwähnt, aber die Hinweise sind überdeutlich. Ericsson hatte den Geschäftsbereich für Modems im Zuge der Auflösung des Gemeinschaftsunternehmens mit STMicroelectronics im August 2013 übernommen. "Seit der Integration des Geschäfts im August 2013 hat sich das Marktpotenzial für diese Produkte verringert. Gleichzeitig haben sich die Marktbedingungen durch Preiserosion, durch den harten Wettbewerb und durch beschleunigte Innovationszyklen stark verschlechtert. Um erfolgreich in diesem Marktsegment tätig zu sein, wären erhebliche zusätzliche Investitionen in die Forschung und Entwicklung nötig," schreibt der Hersteller - eine gewisse Frustration ist aus den Formulierungen ableitbar.

Bisher entwickeltes Modem-Modul weiter im Verkauf

Das letzte seiner Art bei Ericsson - LTE-Modem M7450

Das letzte seiner Art bei Ericsson: LTE-Modem M7450
Bild: Ericsson

Seit dem August 2013 hatte Ericsson ein LTE-Mobilfunk-Modem-Modul entwickelt, das seit August 2014 auch kommerziell vermarktet wird. Die Plattform mit der Bezeichnung M7450 ist in vielen Ländern von Netzbetreibern zertifiziert worden, im Mai sogar von China Mobile. In der heutigen Mitteilung stellt Ericsson klar, dass bestehende Kunden mit dieser Plattform weiter beliefert werden.

Die Umstrukturierung sei das Ergebnis einer bereits früher angekündigten Bewertung über die "Zukunftsfähigkeit des Modem-Geschäfts". Bei der Übernahme des Geschäftsbereichs aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit ST-Ericsson hatte das Unternehmen bereits erstmals darüber nachgedacht, "die Zukunftsfähigkeit des Modemgeschäfts nach 18 bis 24 Monaten auf den Prüfstand zu stellen." Für das Jahr 2014 rechnet der Hersteller aber damit, noch 2,6 Milliarden Schwedische Kronen (rund 282,6 Millionen Euro) für Forschung und Entwicklung im Geschäftsbereich Modems investieren zu müssen.

Arbeitsplatzabbau in Skandinavien, Indien, Deutschland und China

Beim Arbeitsplatzabbau, der offenbar durch die Umstrukturierung notwendig wird, redet Ericsson nicht um den heißen Brei herum, sondern nennt klare Zahlen: 1 582 Mitarbeiter müssen gehen, davon 689 in Schweden, 235 in Indien, 216 in Deutschland am Standort Nürnberg, 206 in China und 122 in Finnland. In Deutschland werden zusätzlich noch 30 Berater entlassen. "Ihre Arbeitsplätze fallen weg", schreibt Ericsson. "Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern sollen zügig aufgenommen werden."

Bis zu 500 der gekündigten Mitarbeiter sollen die Möglichkeit erhalten, sich auf offene Stellen am Standort Lund in Schweden zu bewerben. "Die Entscheidung folgt der Wachstumsstrategie des Konzerns", schreibt Ericsson.

Die Zukunft: Harter Kampf um Netzausrüstungs-Markt und Small Cells

In einem weiteren wichtigen Kerngeschäft von Ericsson zeigt sich der Konzern kämpferisch und will weiterhin ganz vorne mitspielen. Ein Teil der frei werdenden Kapazitäten soll laut Ericsson in die Weiterentwicklung von Mobilfunknetzen verlagert werden. Als Netzausrüster gehört Ericsson weiterhin zu den wichtigsten Unternehmen weltweit.

Die momentan aussichtsreichsten Geschäftsmöglichkeiten sieht das Unternehmen bei Mobilfunknetzen, beispielsweise bei Lösungen für Kleinzellen (Small Cells), für Energie-Effizienz und im Machine-to-Machine-Bereich (M2M). Ericsson spricht von einen "unmittelbaren Bedarf" an rund 500 zusätzlichen Experten am Standort Lund in Schweden. Mitarbeiter des bisherigen Geschäftsbereichs Modems würden hierfür die nötigen Kompetenzen mitbringen und könnten sich bewerben.


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