mobil.teltarif.de
Suche Desktop-Version
Menü
Diskussionsforum
Forum zu
Threads:
1 2 3 4 5 6 Thread-Index

Radio: ...und tschüss!!!


klaus1970 schreibt am 09.11.2018 18:01
2x geändert, zuletzt am 09.11.2018 18:03
Die Branche ist selbst verantwortlich für das Dilemma. Vor allem die großen Sender fuhren zuletzt Schmalspur-Programme ohne Spannung und Innovationen. Gleichzeitig hatte man DAB+, was mehr Vielfalt hätte bieten können, mit allen Mitteln blockiert. Jetzt kommt die Quittung. Streaming und Smart Speaker fressen das Radio auf. Da kann man nur "Viel Spaß beim Verrecken" wünschen!
[1] industrieclub antwortet auf klaus1970
09.11.2018 20:00
Benutzer klaus1970 schrieb:
Die Branche ist selbst verantwortlich für das Dilemma...... Streaming und Smart Speaker fressen das Radio auf. Da kann man nur "Viel Spaß beim Verrecken" wünschen!

Genau ! Die Leute weichen ins Internet aus, weil sie dort sowohl die Dummheit der
Branche als auch die Dummheit der politischen Regulierer (Gipfel: NRW !) umschiffen
können. Weil DORT der unregulierteste, freiste Radiomarkt ist, ist dort auch der (inhalt-
lich) beste...
Die großen Medienhäuser und mehr noch die POLITIK haben das Radio in Deutschland
kaputt gemacht...Berlin und München sind so kleine "Alibi-Leuchttürme", in
denen es halt ein bisschen weniger schlecht ist. Ganz und gar "Klartext" ist dagegen die Lage in NRW. Die Botschaft ist: Deutschland (und vor allem NRW) ist weder Spaß-
noch Kulturmeile, sondern schlicht und einfach Arbeitshaus !
[1.1] Peterdoo antwortet auf industrieclub
09.11.2018 21:01
Benutzer industrieclub schrieb:
Genau ! Die Leute weichen ins Internet aus, weil sie dort sowohl die Dummheit der Branche als auch die Dummheit der politischen Regulierer (Gipfel: NRW !) umschiffen
können. Weil DORT der unregulierteste, freiste Radiomarkt ist, ist dort auch der (inhalt-
lich) beste...
Die großen Medienhäuser und mehr noch die POLITIK haben das Radio in Deutschland kaputt gemacht...Berlin und München sind so kleine "Alibi-Leuchttürme", in
denen es halt ein bisschen weniger schlecht ist. Ganz und gar "Klartext" ist dagegen die Lage in NRW. Die Botschaft ist: Deutschland (und vor allem NRW) ist weder Spaß- noch Kulturmeile, sondern schlicht und einfach Arbeitshaus !
Und in welchem Land ist es besser, bitte? Wäre DAB eine insgesamt betrachtet gute Technologie (technisch ist die ja nicht schlecht, jedoch nicht den Anforderungen der heutigen Gesellschaft gerecht) mit vielen Vorteilen aus denen man was Vernünftiges machen kann, könnte man sicherlich eine Menge Länder vorzeigen, in denen DAB erfolgreich läuft. Die gibt es aber auf der ganzen Welt auch nach 30 Jahren nicht, wobei ich die Verordneten und subventionierten Umstiege nicht als Erfolg bezeichnen würde. Deswegen würde ich die Schuld nicht nur den Medienhäusern und der Politik in Deutschland zuschieben. Wenn eine Technologie nach 30 Jahren noch immer nicht von selbst läuft, dann ist die an den Anforderungen der Gesellschaft vorbei entwickelt worden, oder war zu früh oder zu spät da.

Mit der DAB Abdeckung ist es ja genauso wie bei dem Mobilfunk. Mit der Zeit wird es immer teurer, die Abdeckung zu steigern. Irgendwann muss mal Klartext reden. Entweder man lässt die DAB Abdeckung so, wie die jetzt ist, wobei viele Gebiete, die heute UKW haben, dann ohne DAB-Signal bleiben. Oder man investiert noch enorme Summen, um auf eine ähnliche Abdeckung wie bei UKW zu kommen, wobei dann die Argumente über die Kosteneffizienz nicht mehr so greifen und wahrscheinlich einige Sender wegen der Zusatzkosten aussteigen würden. Sieht man schon in einigen Ländern, wo es Sender gibt, die im DAB nur noch mit 16 kbit/s senden.

Die Lage in NRW ist natürlich was spezielles, ist aber nicht durch DAB verursacht worden.
[1.1.1] industrieclub antwortet auf Peterdoo
11.11.2018 21:04
Benutzer Peterdoo schrieb:
Die Lage in NRW ist natürlich was spezielles, ist aber nicht durch DAB verursacht worden.

Genau! (nämlich durch die NRW-Rundfunkpolitik, aber das nur am Rande...).
Auch mir ist natürlich klar, dass auch die nahezu unendliche Vielfalt die Leute ins Internet(-Radio) treibt, ich bin ja nicht blöd, auch ich habe (z.B. musikalische) special
interests, die im Augenblick hier nur im Internet zu holen sind, keine Frage.Aber 30
Jahre ist DAB+ auch noch nicht auf der Piste, da hast du mal eben den Vorgänger DAB mit dazu gerechnet, und DER -- das wissen wir ja nun alle -- wurde absolut
grottenschlecht vermarktet...
Mir geht es im Übrigen vor allem gegen die ganze Aufgeregtheit, Aufgekratztheit und
Überdrehtheit der Diskussion ! Warum kann man das alles nicht in einem ganz natür-
lichen Marktprozess laufen lassen, etwa so wie in der Vergangenheit in einem Zeitraum
von Jahrzehnten UKW ganz allmählich und kontinuierlich die Mittel- und die Langwelle verdrängt hat ?! Warum müssen solche technischen Prozesse heut-
zutage so (künstlich) politisiert werden ?! Niemand hat damals den Übergang von der Mittelwelle zu UKW großartig politisiert ! Der lief einfach (ganz allmählich) ab,
weil sich das (technisch) Bessere halt (auf Dauer) doch meist durchsetzt...
Aber ein bisschen längeren Atem braucht es schon. Denk mal an den Autobereich:
da schwenkt man jetzt nach vielen, vielen Jahrzehnten (!!!) vom Verbrennungs wieder zum Elektromotor, der --ironischerweise -- am Beginn der Automobilent-
wicklung schon einmal da war....
[2] cassiel antwortet auf klaus1970
09.11.2018 23:29
Benutzer klaus1970 schrieb:
Die Branche ist selbst verantwortlich für das Dilemma. Vor allem die großen Sender fuhren zuletzt Schmalspur-Programme ohne Spannung und Innovationen. Gleichzeitig hatte man DAB+, was mehr Vielfalt hätte bieten können, mit allen Mitteln blockiert. Jetzt kommt die Quittung. Streaming und Smart Speaker fressen das Radio auf. Da kann man nur "Viel Spaß beim Verrecken" wünschen!

Ich sehe das ähnlich. Das klassische Radio befindet sich seit Jahren schon auf dem absteigenden Ast. Und DAB+ wird vom Internet und neuen Endgeräten überholt. Der Mehrwert von DAB+ ist bei einem Angebot von vielleicht ein paar Dutzend Sendern in einer Region äußerst gering, wenn man ihn mit dem Radioangebot im Internet vergleicht, ganz zu schweigen, dass ich mit einem Computer bzw. Smartphone noch sehr viel mehr machen kann als nur Radio hören. Die Smartspeaker graben den DAB+-Geräten auch noch das letzte Wasser ab. DAB+ wird es wie Nokia ergehen: in ein, zwei Jahren wird es durch die überschwappenden Verkaufszahlen von Smartspeakern obsolet sein.
Und Nokia war mal Marktführer. DAB+ hat gerade mal 20% und wird die wohl auch noch verlieren. Gesundbeten hilft bei einem toten Pferd nix, nur absteigen.

[3] muffy antwortet auf klaus1970
10.11.2018 16:23
Benutzer klaus1970 schrieb:
Die Branche ist selbst verantwortlich für das Dilemma. Vor allem die großen Sender fuhren zuletzt Schmalspur-Programme ohne Spannung und Innovationen. Gleichzeitig hatte man DAB+, was mehr Vielfalt hätte bieten können, mit allen Mitteln blockiert. Jetzt kommt die Quittung. Streaming und Smart Speaker fressen das Radio auf. Da kann man nur "Viel Spaß beim Verrecken" wünschen!

Ja und nein...
Das Radio als dezidierte Geräteklasse und seine dezidierten Übertragungsstandards (Analog oder eben DAB+) sind auf dem absteigenden Ast und sehr wahrscheinlich bald mausetot. Das muss die Branche einsehen. Gleiches steht auch dem Fernsehen bevor. Auch hier stirbt mittelfristig die Geräteklasse und der dezidierte Übertragungsstandard über DVB (-T2, -S2 oder C).
In wenigen Jahren ist auch aus meiner Ansicht nur noch das Internet übrig. Zu den heutigen Übertragungswegen über EDGE/UMTS/LTE, Telefon-/Antennenkabel und Satellit gesellen sich noch die beiden neuen Übertragungswege 5G und Glasfaser dazu. Und die Geräte, welche das Radio und den Fernseher beerben, heißen Smart-Speaker und Smart-Display.

Aber...
Das klassische Sendeformat des linearen Radios und linearen Fernsehens wird nicht so schnell sterben. Es wird sich nach dem Tod seiner dezidierten Geräte und Übertragungswege genauso exklusiv ins Internet zurückziehen wie die neue Konkurrenz der Musik- und Videostreaming-Dienste. Der Trend hat ja schon begonnen. De facto gibt es heute kaum noch einen Radiosender oder Fernsehsender, der nicht über das Internet zu empfangen ist. Und das die Radio- und Fernsehbranche die Chance für eigene Plattformen und Aggregatoren nicht bzw. nur zögerlich wahrgenommen hat, ist ganz allein ihr Problem.
Mit dem Konzept bzw. App-Angebot Radioplayer hat die Radio-Branche theoretisch noch die Chance eine eigene europäische Plattform bzw. einen Aggregator aufzubauen, wenn mehr Geld bzw. Entwicklungsarbeit und Marketinganstrengungen in das Konzept gesteckt würden. Der Radioplayer müsste eigentlich auf allen Werbekanälen offline und online massiv beworben werden. Und der Radioplayer müsste auf allen technischen Plattformen laufen. Nicht nur auf dem Smartphone oder im Browser. Hier müsste genauso aggressiv vorgegangen werden wie es Spotify, Netflix, Amazon (und teilweise auch Google und Apple) tun. Auch, wenn das viel Aufwand mit sich bringt und es manchmal auch bedeutet, dass manche Mühe mal umsonst sein kann. Jeder klassische Radiohörer sollte ganz selbstverständlich wissen, dass der Deutschlandfunk jetzt über "Hey Alexa, schalte den Deutschlandfunk ein" sendet und nicht mehr über das verstaubte Küchenradio. Dafür bedarf es aber natürlich der Anstrengung der Radiosender. Ohne diese Anstrengung, wird vor allem die Junge Generation sich lieber den neuen Musik-Streaming-Diensten zuwenden.
Auch die TV-Branche hat noch die Chance sich mit einem europäischen Hulu, einer deutschen Super-Mediathek oder deutlich flexibleren linearen TV-Streaming-Diensten in Stellung zu bringen. Mit ZattooTV, WaipuTV, MagineTV, MagentaTV, GigaTV gibt es ja bereits eine Vielzahl an Angeboten. Allerdings ist auch hier noch viel Arbeit nötig. Der Funktionsumfang muss dringend noch erweitert werden: Alle Sender ohne weitere Kosten in HD (also echtes internetbasiertes, werbe- oder beitragsfinanziertes FreeTV) und kostenpflichtige Komfortfunktionen wie Restart, Recording, Recall für alle Sender (ohne Ausnahme oder Senderalleingänge). Zudem fehlt auch hier häufig noch die plattformunabhängige Verfügbarkeit. Nur die wenigstens Angebote sind bisher auf allen Plattformen verfügbar. Außerdem muss häufig noch am Bedienkonzept gearbeitet werden.
Um sich als Radio- und TV-Branche hier in Europa wirklich über Spotify, Netflix, Amazon, Google und Apple erheben zu können, wäre im letzten Schritt vermutlich die Integration der Radio- und TV-Plattform zu einem einzigen Rundfunk-Angebot am sinnvollsten.
[3.1] boxfrank antwortet auf muffy
10.11.2018 17:14
Benutzer muffy schrieb:
Benutzer klaus1970 schrieb: Um sich als Radio- und TV-Branche hier in Europa wirklich über Spotify, Netflix, Amazon, Google und Apple erheben zu können, wäre im letzten Schritt vermutlich die Integration der Radio- und TV-Plattform zu einem einzigen Rundfunk-Angebot am sinnvollsten.

In Deutschland scheitert das aus dem gleichen Grund, warum auch das Autofahren mit Strom scheitert:

Bei den höchsten Strompreisen der Welt von 30 Cent pro Kilowattstunde (Tendenz weiter steigend) ist ein reines E-Auto schlicht unwirtschaftlich.

Da wir auch im Mobilfunk bei den Datenpreisen Weltspitze sind, wird kaum jemand hochauflösende Videos auf dem Handy streamen, solange er keine WLAN-Anbindung hat.

Und bei den DSL-Geschwindigkeiten sind wir bekannltlich ebenfalls ein Drittweltland.

FAZIT:
Dieses Land geht schon allein aus wirtschftlichen Gründen langsam aber sicher den Bach runter...