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Freie Marktpreise oder regulierte Preise


Zuschauer 1 schreibt am 11.11.2018 19:57
Die Preise durch den Markt regeln zu lassen und den einzelnen Nutzern die Wahl zu lassen, ob sie für ein "besseres Netz" einen Roaming-Aufschlag zahlen wollen ist die eine Möglichkeit.

Die andere Möglichkeit wäre es, dass alle Anbieter, nennen wir sie wie im Editorial wieder A mit dem besten Netz, B mit dem mittleren und C mit dem schlechtesten, ihren Kunden regionales Roaming ohne Aufpreis anbieten _müssen_ und dass die Preise für die Abrechnung der Anbieter untereinander reguliert werden. Und zwar nicht auf irgendeinen mickrigen Niveau, sondern richtig teuer. Obszön teuer. So teuer, dass - wäre es nicht der vom Staat vorgegebene Preis - man durchaus von Wucher im Sinne von § 291 StGB sprechen könnte. So teuer, dass sich der Ausbau für den Anbieter mit dem besseren Netz auf jeden Fall lohnt. Sagen wir der Einfachheit halber mal das 30-fache des jeweils aktuellen Großhandelspreises beim EU-Roaming.

In diesem Szenario haben die Anbieter aber sowas von Interesse daran, ihr Netz auszubauen, denn mit jedem Kunden, der regelmäßig in den eigenen Funklöchern unterwegs ist und bei der inländischen Konkurrenz roamt, verlieren sie Geld, da anzunehmen ist, dass die Roamingkosten höher sind an die monatlichen Einnahmen.

Sobald dann alle Anbieter ein ähnlich gutes Netz haben, wird hieraus wieder ein Nullsummenspiel, weil im Saldo genauso oft Kunden von A bei B roamen wie solche von B bei A, und das gleiche natürlich auch für A<->C, B<->C. Dann wäre das Niveau erreicht, auf dem nationales (oder von mir aus auch regionales) Roaming sinnvoll wird, nämlich um lediglich die weißen Flecken auszugleichen, die bei den jeweiligen Anbietern etwas anders verteilt sind, aber im Prinzip alle Anbieter ein sehr gutes Netz haben.

Die Frage ist dann schon eher, ob Telefónica, pardon: Anbieter C, nicht eher pleite geht (wegen zu geringer Einnahmen und gleichzeitig zu hoher Roaming-Ausgaben) bevor er er sein Netz soweit ausgebaut hat, dass er im Saldo kaum noch Roamingkosten an die Mitbewerber zahlt. Und natürlich müsste man auch verbieten, dass Anbieter C wieder mit irgendwelchen bauernschlauen Tricks ankommt (SIM-Karte gehört plötzlich zu Swisscom aus der Schweiz etc.).

Zudem müsste man den Anbietern zugestehen, einen Teil der Leistungen für eigene Kunden reservieren zu dürfen. Also dass etwa Kunden von Anbieter A im Netz von Anbieter A auch die volle Leistung (meinetwegen die werbewirksamen 300 Mbit/s beim Internetzugang) bekommen können, die roamenden Fremdkunden von Anbieter B und C aber nur das, was die gerade aktiven A-Kunden übriglassen. Ähnliches natürlich auch für Telefoniedienste - auch da müsste es den jeweiligen Anbietern erlaubt sein, den eigenen Kunden eine höhere Priorität zu geben, denn ansonsten würde das passieren, was Kunden von Billiganbietern kennen: Wenn das Netz des eigenen Anbieters bei einer größeren Menschenansammlung (z.B. Stadtfest) platt ist, sollen diese Massen an Fremdkunden natürlich nicht auch noch das Netz der anderen Anbieter platt machen dürfen. Ansonsten wären nämlich wieder die Kunden von Anbieter A, die bereit sind für ein besseres Netz etwas mehr zu zahlen, gekniffen, weil die Fremdkunden von C einfallen wie die Heuschrecken und das Netz von Anbieter A und B platt machen.

Die Frage ist letztlich, was man erreichen will. Wenn man anstrebt, dass alle Anbieter ein vergleichbar gutes Mobilfunknetz aufbauen müssen, dann können abschreckend hohe vorgegebene Preise für nationales/regionales Roaming auf längere Sicht zielführend sein. Wenn man hingegen Anbieter mit unterschiedlich guter Netzqualität erhalten will, so dass die Kunden sich den zu ihrem angestrebten Qualitäts- und Preis-Niveau passenden Anbieter aussuchen können, dann führt ein nationales oder regionales Roaming nicht zum Ziel.

Ein Problem bei dem Ganzen wäre natürlich noch die Markteintrittsbarriere für neue Anbieter. Neue Anbieter müssten eine Zeit lang von dieser Regulierung ausgenommen sein, weil sie ansonsten nie Fuß fassen könnten. Aber da könnte man sicherlich auch eine Lösung finden. Beispielsweise dass ein Anbieter, der noch keine 5 Jahre eine landesweit gültige Frequenzzuteilung hat, hiervon ausgenommen ist, und die an die anderen Anbieter zu zahlenden Roaminggebühren ab Jahr 5 bis Jahr 10 allmählich von 3 % des o.g. Preises bis auf 100 % steigen oder so etwas.
[1] Jede Regulierung wird ausgenutzt
Peterdoo antwortet auf Zuschauer 1
11.11.2018 21:38
Benutzer Zuschauer 1 schrieb:
Die andere Möglichkeit wäre es, dass alle Anbieter, nennen wir sie wie im Editorial wieder A mit dem besten Netz, B mit dem mittleren und C mit dem schlechtesten, ihren Kunden regionales Roaming ohne Aufpreis anbieten _müssen_ und dass die Preise für die Abrechnung der Anbieter untereinander reguliert werden. Und zwar nicht auf irgendeinen mickrigen Niveau, sondern richtig teuer. Obszön teuer.
Die Kunden sind nicht dumm und wissen es, die Regulierung für sich auszunutzen. Das Telefon wird fest auf das Netz des Anbieters fixiert, bei dem die Abdeckung am besten ist in der Region. Dann ist es egal, ob der Anbieter C dort selbst ausbaut oder nicht, alles läuft nur über das vom Kunden gewähltes Netz. Der Anbieter C hätte hohe Kosten und trotzdem keinen Grund, besser auszubauen, denn die Kunden würden erst umschalten wenn das Netz C das beste wäre.

In der ganzen Geschichte wird immer vergessen, dass es noch einen Anbieter D ohne Netz gibt und einige, die nur die Leistungen der Netzbetreiber als eigene Tarife an die Kunden verkaufen. Was passiert denn mit diesen Anbietern?
[1.1] Zuschauer 1 antwortet auf Peterdoo
12.11.2018 00:44
Benutzer Peterdoo schrieb:
Die Kunden sind nicht dumm

Kommt darauf an, was man unter "dumm" versteht. Jedenfalls bewegen sich die wenigsten Kunden auf dem Niveau, in den Tiefen der Handy-Menüs anstelle der automatischen Netzauswahl einen anderen Anbieter fest auszuwählen. Erst einmal muss man diese Einstellung finden, sie verstehen, und den Aufwand für das Hin- und Herschalten bedenken.

und wissen es, die Regulierung für sich auszunutzen. Das Telefon wird fest auf das Netz des Anbieters fixiert, bei dem die Abdeckung am besten ist in der Region. Dann ist es egal, ob der Anbieter C dort selbst ausbaut oder nicht, alles läuft nur über das vom Kunden gewähltes Netz.

Die wenigen, die das machen, dürften im Rauschen untergehen.

Der Anbieter C hätte hohe Kosten und trotzdem keinen Grund, besser auszubauen,

Doch, den hätte er. Der Anteil an solchen Kunden ist minimal und man könnte - analog zu den Überlegungen bei Einführung der EU-Roaming-Verordnung - auch eine Fair-Use-Regel einführen, dass sich das Handy regelmäßig auch in das Netz des eigentlichen Anbieters einwählen muss. Dann bleiben wirklich nur noch einige wenige Hardcore-Sparbrötchen-User übrig, die allen Ernstes täglich ihr Handy von fester Providerauswahl A auf automatische Providerauswahl umschalten und zurück.

denn die Kunden würden erst umschalten wenn das Netz C das beste wäre.

Sofern es ein regionales Roaming ist, wäre es zudem auf bestimmte Regionen begrenzt. Dann würden die Dauer-Umschalter schon beim Verlassen der Region, in der das Roaming freigeschaltet ist, mit ihrer manuellen Netzwahl für den fremden Anbieter auf dem trockenen sitzen.

In der ganzen Geschichte wird immer vergessen, dass es noch einen Anbieter D ohne Netz gibt und einige, die nur die Leistungen der Netzbetreiber als eigene Tarife an die Kunden verkaufen. Was passiert denn mit diesen Anbietern?

MVNOs? Oder wer ist damit gemeint? Drillisch?
[1.1.1] Peterdoo antwortet auf Zuschauer 1
12.11.2018 12:11
Benutzer Zuschauer 1 schrieb:
Die wenigen, die das machen, dürften im Rauschen untergehen.
Von wo kommen diese Zahlen?
Vor vielen Jahren hatte Viag nationales Roaming im Netz der Telekom. Schon damals gab es offensichtlich genug von solchen Fällen, bei denen das Roaming "missbraucht" wurde. Heute spricht sich sowas noch viel schneller rum. Es entstehen sogar die Apps, die solche Vorgänge von selbst erledigen, ohne dass der Benutzer was machen müsste.

Doch, den hätte er. Der Anteil an solchen Kunden ist minimal und man könnte - analog zu den Überlegungen bei Einführung der EU-Roaming-Verordnung - auch eine Fair-Use-Regel einführen, dass sich das Handy regelmäßig auch in das Netz des eigentlichen Anbieters einwählen muss. Dann bleiben wirklich nur noch einige wenige Hardcore-Sparbrötchen-User übrig, die allen Ernstes täglich ihr Handy von fester Providerauswahl A auf automatische Providerauswahl umschalten und zurück.
Eine Fair-Use-Regel wie in der EU geht hier nicht. Man kann doch nicht einfach sagen, dass gerade die, die in einem Funkloch leben und auf das Roaming angewiesen wären, kein Recht auf das Roaming hätten. Starke Bindungen zu einem Land kann man ziemlich einfach beweisen. Wie soll man eine Bindung zu einem Anbieter beweisen wenn in jeder Ecke der Wohnung die Signalqualität anders ist?

Beim Preis gibt es drei mögliche Szenarien:
1. Der Vorleistungspreis wird so niedrig reguliert, dass der Anbieter ohne Netz den schmerzlos bezahlen kann und somit kein Anreiz zum Ausbau des Netzes besteht.
2. Die Mehrkosten werden an die Endkunden umgelegt. Das wäre ähnlich wie heute, nur dass man heute eine zweite SIM benötigt. Auch hier besteht genauso wie heute nur wenig Anreiz zum Ausbau des Netzes.
3. Die Mehrkosten werden vom Anbieter getragen. Nur hier besteht wirklich ein Anreiz zum Ausbau. Gleichzeitig werden dem Netzbetreiber aber durch die Kosten des Roamings eine Menge Mittel entnommen, die dann beim Netzausbau fehlen.

Sofern es ein regionales Roaming ist, wäre es zudem auf bestimmte Regionen begrenzt. Dann würden die Dauer-Umschalter schon beim Verlassen der Region, in der das Roaming freigeschaltet ist, mit ihrer manuellen Netzwahl für den fremden Anbieter auf dem trockenen sitzen.
Bei einem konventionellem Roaming mit unterschiedlichen Netzkennungen geht das nicht so einfach. Man kann nicht beliebig hin und her schalten. Es gibt viele Beispiele davon in anderen Ländern. Die meisten Kunden sind verärgert, weil beim Umschalten das Telefon längere Zeit ohne Netz da steht und es oft Verbindungsabbrüche gibt. Nur mit RAN-Sharing geht das kundenfreundlich.

MVNOs? Oder wer ist damit gemeint? Drillisch?
1&1-Drillisch, Sipgate, Lycamobile und viele anderen.

Ich bin nicht generell gegen das Roaming, nur finde ich es nicht gut, alles so einfach darzustellen. Macht man bei der Regelung einen kleinen Fehler, werden die Anreize zum Weiterausbau noch kleiner oder ein Anbieter geht pleite, was den Kunden auch nichts bringt. Beim EU-Roaming sind die Mehrkosten für den Anbieter auf 3% des Gewinns begrenzt. Würde man es innerhalb von Deutschland ähnlich machen, hätte die Telekom durch das Funkloch-Roaming noch mehr Netzabdeckung und O2 würde kein Funkloch-Roaming anbieten oder den Kunden teuer berechnen. Auf jeden Fall keine einfache Aufgabe.
[1.1.1.1] Zuschauer 1 antwortet auf Peterdoo
12.11.2018 14:15
Benutzer Peterdoo schrieb:
Benutzer Zuschauer 1 schrieb:
Die wenigen, die das machen, dürften im Rauschen untergehen.
Von wo kommen diese Zahlen?

Von mir.

Doch, den hätte er. Der Anteil an solchen Kunden ist minimal und man könnte - analog zu den Überlegungen bei Einführung der EU-Roaming-Verordnung - auch eine Fair-Use-Regel einführen, dass sich das Handy regelmäßig auch in das Netz des eigentlichen Anbieters einwählen muss.
Eine Fair-Use-Regel wie in der EU geht hier nicht. Man kann doch nicht einfach sagen, dass gerade die, die in einem Funkloch leben und auf das Roaming angewiesen wären, kein Recht auf das Roaming hätten.

Doch, selbstverständlich kann man das. Wer heute in einem Anbieter-C-Funkloch wohnt und deshalb auf Anbieter A angewiesen ist, der muss sich derzeit eine SIM-Karte von Anbieter A holen. Warum sollte das in Zukunft anders sein? Wenn Anbieter C irgendwann einmal sein Netz soweit ausgebaut hat, dass es dort ebenfalls zur Verfügung steht, kann man ja immernoch zu Anbieter C wechseln.
[1.1.1.2] wolfbln antwortet auf Peterdoo
12.11.2018 14:39
Benutzer Peterdoo schrieb:
Beim Preis gibt es drei mögliche Szenarien: 1. Der Vorleistungspreis wird so niedrig reguliert, dass der Anbieter ohne Netz den schmerzlos bezahlen kann und somit kein Anreiz zum Ausbau des Netzes besteht.
2. Die Mehrkosten werden an die Endkunden umgelegt. Das wäre ähnlich wie heute, nur dass man heute eine zweite SIM benötigt. Auch hier besteht genauso wie heute nur wenig Anreiz zum Ausbau des Netzes.
3. Die Mehrkosten werden vom Anbieter getragen. Nur hier besteht wirklich ein Anreiz zum Ausbau. Gleichzeitig werden dem Netzbetreiber aber durch die Kosten des Roamings eine Menge Mittel entnommen, die dann beim Netzausbau fehlen.

Hi Peterdoo.
Hier muss ich dir mal widersprechen.
Du zeigst jeweils die Worst Case Szenarios auf, die passieren könnten, wenn man die Preise falsch reguliert.
Man muss schon an den 3 Schrauben clever drehen:
- maximale Preisobergrenzen für Roaming für den Betreiber, der ausgebaut hat, damit er noch was daran verdient
- Roamingverpflichtung und einen gewissen "Schaden" für die Betreiber, die das nicht getan haben und jetzt fremde Infrastruktur benutzen
- und teilweises Weitergeben dieser Gebühren an den Kunden im Roamingfall

Wie in der EU kann eine solche Belastung für den Kunden durch eine FUP abgedeckt sein. Beispielsweise: eingehende Gespräche und SMS frei, ausgehend und Daten limitiert - sonst Aufpreise. Und der Kunde kann durch die Handyeinstellung (automatische/manuelle Netzwahl) selbst wählen, ob er lieber im Funkloch sitzt oder Aufpreise zahlt, lieber zum Anbieter mit Infrastruktur geht oder zum billigeren ohne, aber dann ggf. Aufpreise zahlt.

Genauer habe ich es hier ausgeführt:
https://www.teltarif.de/forum/s74621/hen...