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Henning, das trifft das Problem nicht


wolfbln schreibt am 12.11.2018 00:31
einmal geändert am 12.11.2018 00:41
Seit einigen Wochen stellst du dich ziemlich deutlich auf die Seiten der Industrie, indem du die Forderungen der Politik und Wirtschaft und der User als utopisch oder nicht finanzierbar abtust. Sicher sind in der Vergangenheit Fehler gemacht worden, aber die Folge sind Netzqualitäten, die so unterirdisch sind, dass man sich schon international schämen muss.

Beispiele aus der Hauptstadt, wo alle "voll" versorgen: Bei einem Anbieter geht vor dem Flughafen Tegel überhaupt kein Internet (angeblich weil die Flughafengesellschaft keine Umbauten wegen der bevorstehenden Schließung mehr zulässt), in der U-Bahn gehen 2 von 3 Netzen (zufällig die anderen) nicht (im 3G/4G) und obwohl hier in Teltarif der Ausbauer von "Vollversorgung" Ende dieses Jahres gesprochen hat, sind gerade 4 von ca. 150 unterirdischen Bahnhöfen am Netz (angeblich weil die BVG blockiert).

Das katastrophale Netz in der Hauptstadt ist nichts gegen den Flickenteppich auf dem Land. In Dorf A versorgt Betreiber A, in Dorf B ein anderer Betreiber und in C gar keiner. Für diese Gebiete ist Roaming unabdingbar. Du kannst doch nicht erwarten, dass ein User drei Verträge abschließt und zwischen 3 Handys pendelt, wie Du als Teltarif-Redakteur.

Niemand hat gesagt, dass nationales Roaming kostenlos für alle verfügbar gemacht werden muss. Es muss ein Ausgleich gefunden werden, wie der ausbauende Konzern dieser Ausbau honoriert wird. Entweder der Nutzer oder der nutzende Netzbetreiber muss dafür zusätzlich zahlen. Das ist zwar noch nicht festgelegt worden, aber versteht sich von selbst. Von mir aus kann man auch Tarife mit oder ohne Roaming optional anbieten.

Die kurzfristige Buchung einer Roamingoption geht aber an der Realität vorbei. Wie soll das ein Nutzer im Funkloch machen? Das ist anders als Auslandsroaming, wo man meist nicht ungeplant hinfährt. Ihr verunglimpft aber immer bestimmte Seiten des Roamings als wettbewerbsschädigend, sagt aber nicht, dass es durchaus Regelmechanismen dafür gäbe. Das grenzt schon an Denkverbote!

Warum diskutiert ihr denn hier nicht auch mal die interessante Variante RAN-Sharing? National nicht so bekannt, aber momentan läuft in Italien ein nationales Netz darüber. Das geht auch regional, indem man bestimmte Stationen (denkbar wären sogar nur Sektoren) für andere Betreiber zu Mitnutzung freigibt. Warum setzt du im Artikel nationalem mit regionalen Roaming gleich? Es ist durchaus denkbar, dass nicht versorgte Regionen lokal Roaming bekommen und versorgte daneben eben nicht.

Um die Letzteren geht es aber doch nicht. Es ist doch total lächerlich, dass man auf dem Land (oder sogar in Teilen Berlins, wenn man U-Bahn fährt) mitunter ein Dual-SIM-Handy braucht wie in Afrika oder sich eine SIM-Karte aus dem Ausland beschafft, so dass man dann alle 3 Netze bekommt.

Gerade weil man nicht von heute auf morgen Tausende neue Basisstationen bauen kann, 5G teuer wird und die Anforderungen weiter steigen - wie du richtig sagst - kann man doch darüber Nachdenken wie man es anders und besser macht.

Ihr warnt vor Fehlallokationen bei Roaming, weil der ausbauende Betreiber nicht entlohnt wird. Das ist lösbar. Die Gefahr einer Fehlallokation, weil die Netze nur an einigen Stellen gut sind und dann gleich dreimal und an anderer schlecht und keiner versorgt, weil sich das für den nicht rechnet, seht ihr nicht.

Den Vorschlag vom 3-Klassen-Netz kannst du knicken. Den gibts doch schon längst. Die 3 gegenwärtigen Betreiber liegen deutlich in 3 Kategorien, wenn auch regional manchmal unterschiedlich. Es gibt ein besseres, ein weniger gutes und ein schlechtes Netz. Das wird auch in den Preisen abgebildet: der bessere lässt sich das gut bezahlen, während der schlechtere Leistungen nachwirft. Daran wird sich auch kein Roaming ändern.
[1] hrgajek antwortet auf wolfbln
12.11.2018 11:38
Hallo Wolf,

Benutzer wolfbln schrieb:
Sicher sind in der Vergangenheit Fehler gemacht worden, aber die Folge sind Netzqualitäten, die so unterirdisch sind, dass man sich schon international schämen muss.

Volle Zustimmung.
Ich war am Wochenende im Schwarzwald (Großraum Freudenstadt)
- Telekom und Vodafone wechseln sich in der Netzqualität ab, selbst touristische
- Hotspots sind maximal mit EDGE versorgt.
- o2 weite Strecken nicht vorhanden.

Ein Tourismus Spot (Nagold Talsperre) nur mit EDGE von Telekom und Vodafone versorgt, Datenfluss nahe Null. o2 nicht vorhanden.

Ein Tourismus Spot (Kälberbronn) war schwach mit LTE von Vodafone zu verwenden, Telekom ging Telefonie auf EDGE mit Müh und Not.
o2 lieferte 2G, kurzzeitig auch 3G.

Wenn heute von National Roaming die Rede ist, soll es "regulierte" Preise geben und die würden erfahrungsgemäß in den Keller geprügelt werden, sprich, dafür hat kein Netzbetreiber mehr Lust was zu bauen.

Es hat sicher keiner was dagegen, wenn Netzbetreiber X sein Netz für Anbieter Y öffnet und die unter sich den Preis ausmachen. Der Preis wird "extrem" sein. Anbieter Y wird (muss) den Preis so an seine Kunden durchreichen.

Die Kunden müssen irgendwann vorher, die Option "Regionales Roaming" buchen. Vielleicht von einem Festnetztelefon? :-) Wenn "Regionales"/"Nationales" Roaming im Pauschalpreis enthalten ist, saugen die Anbieter nur "Schnäppchenjager" an und das wird ungesund.

Wahrscheinlich brauchen wir einen radikal anderen Ansatz:

Europweite Ausschreibung eines flächendeckenden Netzausbaus.
Da muss klar drinstehen, Orte, Zeiten, Technologien, Versorgungsgrad.

Da können sich Telekom, Vodafone, o2 bewerben, aber auch neue Spieler, indem sie sagen, was sie für den Netzausbau haben wollen. Der Gerechtigkeit halber, könnte man "Parzellen" verteilen, ein paar gute ein paar schlechte (= unrentable), damit es im Mix wieder stimmt. Da kommt eine Summe X aus.

Dann müssen wir uns drüber unterhalten, wer diese Summe aufbringen kann und will.
- Ein Netzbetreiber, der die Hoffnung hat, das irgendwann wieder zurückzuverdienen?
- Der Staat, der seinen Bürgern eine Daseinsvorsorge bieten möchte?

Wenn wir nur neue Spieler hereinholen, die alle kaum eigenes Geld haben und die dann noch vom Staat mit Lizenzkosten "gemolken" werden, wird das nix.
[1.1] wolfbln antwortet auf hrgajek
12.11.2018 14:16

5x geändert, zuletzt am 12.11.2018 14:48
Benutzer hrgajek schrieb:
Hallo Wolf

Ich kann immer noch nicht nachvollziehen, warum du diesen Roaminggedanken von vorneherein so abtust. Sicher ist dein Gedankenexperiment mit der EU interessant, nur wird das bis zu 6G, 7G oder 8G dauern, denn das geht nur europaweit. Roaming in Deutschland könnte der Gesetzgeber durch eine Änderung des TKG durchsetzen.

Wie machst du die Idee kaputt:
- erst wetterst Du gegen staatl. festgesetzte Preise, die den Wettbewerb kaputt machen. Das gab es, aber muss nicht zwangsläufig so sein und der Wettbewerb funktioniert auch so nicht richtig.
- dann sagst Du, es ginge auch zu "Marktpreisen" die "extrem" sein müssten -> also es geht effektiv nicht.
- dann machst Du das System so kompliziert wie möglich. Wie soll man denn eine Roamingoption im Funkloch buchen?

Wir haben doch schon in Deutschland eine gewaltige "Fehlallokation": die schlechtesten Netze bei den höchsten Preisen (was 3G/4G mobiles Internet in Europa) betrifft. Das kann viele Gründe haben - aber sollte doch Anlass sein, es anders zu machen.

Staatlich festgesetzte oder geregelte Preise sind problematisch. Da stimme ich dir zu. Nur wir sind in einem Bereich, wo die Marktwirtschaft schon weitgehend ausgeschaltet ist und der Wettbewerb nicht funktioniert.

Wir können hier sogar von der EU lernen. Das EU-Roaming ist nicht 1:1 übertragbar, aber zeigt wie man es auch auf lokaler Ebene machen kann:

1.) festgesetze Preisobergrenzen, die der Betreiber der Infrastruktur von den Roamern bekommt -> das schafft einen Anreiz, dass zumindest einer ausbaut.
2.) es muss eine Roamingverpflichtung geben für Gebiete, wo der eigene Anbieter nicht abdeckt (oder alternativ Billigtarife ohne Roaming).
3.) es muss der roamende Anbieter Aufpreise für Roaming zahlen -> damit er einen Anreiz hat, dort ggf. selbst zu bauen.
4.) diese Aufpreise kann der roamende Anbieter teilweise an den Kunden durchreichen -> damit wird verhindert, dass Kunden dauerhaft bei Billiganbietern roamen.

So ähnlich funktioniert auch die EU-Roam like at home - Regelung. Großhandelspreisgrenzen, Verpflichtung, mit geregelten Aufpreisen und seit 2017 größtenteils ohne, aber mit einer FUP gegen Missbrauch.

Wenn wir das jetzt mal auf deinen Artikel aus Eisenschmitt beziehen:
1.) Die Telekom hat ausgebaut, die anderen beiden nicht und deren Kunden sitzen im Funkloch. Die Telekom muss natürlich dafür etwas bekommen, ausgebaut zu haben.
2.) Die anderen müssten dafür zahlen, es nicht getan zu haben. Die Kunden hätten in Eisenschmitt dann die Wahl entweder zu Magenta zu gehen oder zu einem günstigeren Anbieter.
3.) Dieser muss Roaming bereitstellen möglicherw. bis zu einer Grenze (FUP) aufpreisfrei, darüber gegen Zusatzgebühren. Damit wird verhindert, dass Poweruser bei Billiganbietern dauerroamen. Man könnte auch darüber nachdenken, Aufpreise nur auf Daten zu erheben und Sprache/SMS aufpreisfrei zu halten.

Wenn man das clever macht mit den Preisvorgaben, kann das funktionieren. Sie müssen nur so festgelegt werden:
1.) dass die Telekom dort daran verdient an ihrem Ausbau
2.) die anderen draufzahlen, dass sie es nicht gemacht haben
3.) sie es teilweise an den roamenden Kunden weitergeben können, damit kein "Missbrauch" Dauer-/Power-Roaming über Billiganbieter läuft.

Auch dieses Zubuchen von Roamingoptionen im Funkloch ist doch total blödsinning. Jeder hat einen "Schalter" im Handy. Macht er manuelle Netzwahl, dann geht kein Roaming, bei automatischer Netzwahl kann sich das Handy (sofern freigegeben) in ein anderes Netz einbuchen. Damit kann der Kunde selbst wählen, ob er lokales Roaming will oder nicht - er entweder im Funkloch sitzt oder Aufpreise zahlt.

Ametsreiter (VF) und Haas (TEF) haben sich vehement gegen nationales Roaming ausgesprochen. Dies war vor allem deswegen, einen möglichen 4. Anbieter über Roaming zu verhindern. Man kann die Regelung jetzt so regional auslegen, dass dies nicht möglich wird auf Kosten der nationalen 2G/3G/4G-Infrastruktur der anderen. Eigentlich sollten Vodafone und Telefonica für Roaming sein. Die Telekom hält sie bisher weiter auf Abstand und sie müssen ihr Netz deutlich billiger verkaufen.

Wenn man sich in Deutschland schon so auf die bestehenden drei Anbieter fixiert und einen Markteinstieg eines neuen Players effektiv extrem erschwert, dann kann man von den herrschenden Akteuren auch verlangen, dass sie sich da zusammenraufen und für den Kunden etwas besseres dabei rauskommt.