mobil.teltarif.de
Suche Desktop-Version
Menü
Diskussionsforum
Forum zu
Threads:
1 2 3 4 Thread-Index

Jeder für Lizenzen ausge­ge­bene Euro fehlt nachher beim Netzausbau


hans91 schreibt am 19.03.2019 15:17
Das ist kompletter Quatsch, er fehlt höchstens in den Taschen der Aktionäre. Die Kosten des Netzausbaus sind quasi Fixkosten, die die Anbieter schon längst kalkuliert haben. Jeder Anbieter muss ein bestimmtes Ausbauniveau erreichen, um den Ansprüchen seiner Kunden gerecht zu werden. Bei Telekom und VF sind diese Ansprüche recht hoch, bei den beiden anderen sehr niedrig. Entsprechend haben alle vier längst ihre Ausbaukosten kalkuliert und die bleiben völlig unverändert, ganz egal wie die Auktion ausgeht. Würde die im Artikel aufgestellte Behauptung stimmen, müssten außerdem die Anbieter das am besten ausgebaute Netz haben, die bei vergangenen Auktionen am wenigsten gezahlt haben. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Die Anbieter, die bei den Auktionen am meisten hinblättern, investieren auch am meisten in den Ausbau, das ist weltweit so. Das liegt simpel daran, dass manche Anbieter eine qualitäts- und andere eine preisorientierte Kundenstrategie fahren. Die behauptete Mischkalkulation aus Auktionskosten und Ausbaukosten existiert nicht und widerspricht auch einer guten Marktstrategie. Sie entstammt einem von den Netzbetreibern erdachten Narrativ, das die Auktionskosten niedrig halten soll (basierend auf der Drohung, dass es andernfalls ein schlechtes Netz gäbe) und sie im öffentlichen Bild in einer Opferrolle positionieren (wir haben ja schon sooo hohe Kosten) und die verhassten Frequenzauktionen allgemein in ein schlechtes Licht rücken soll.

Dass die Auktion bisher eher schleppend verläuft, ist ebenfalls unbedeutend, schließlich hat sie gerade erst angefangen. Auch bei den LTE-Auktionen lief am Anfang alles ganz harmlos. Traditionell läuft es so, dass O2 recht bald aussteigt und dann der einzig erwähnenswerte Kampf zwischen Telekom und VF stattfindet, der meistens in einem Kompromiss endet aber gelegentlich auch mit einer Niederlage von VF enden kann. Genauso wird es diesmal laufen, alles andere wäre eine echte Überraschung. Telekom und VF werden reichlich Cash hinlegen, O2 ein bisschen und Drillisch wird den Boden kehren und die zusammengefegten Reste mitnehmen, wenn sie nicht sogar aussteigen.
[1] martinjohannes93 antwortet auf hans91
19.03.2019 23:32
Benutzer hans91 schrieb:
Das ist kompletter Quatsch, er fehlt höchstens in den Taschen der Aktionäre. Die Kosten des Netzausbaus sind quasi Fixkosten, die die Anbieter schon längst kalkuliert haben. Jeder Anbieter muss ein bestimmtes Ausbauniveau erreichen, um den Ansprüchen seiner Kunden gerecht zu werden. Bei Telekom und VF sind diese Ansprüche recht hoch, bei den beiden anderen sehr niedrig. Entsprechend haben alle vier längst ihre Ausbaukosten kalkuliert und die bleiben völlig unverändert, ganz egal wie die Auktion ausgeht. Würde die im Artikel aufgestellte Behauptung stimmen, müssten außerdem die Anbieter das am besten ausgebaute Netz haben, die bei vergangenen Auktionen am wenigsten gezahlt haben. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Die Anbieter, die bei den Auktionen am meisten hinblättern, investieren auch am meisten in den Ausbau, das ist weltweit so. Das liegt simpel daran, dass manche Anbieter eine qualitäts- und andere eine preisorientierte Kundenstrategie fahren. Die behauptete Mischkalkulation aus Auktionskosten und Ausbaukosten existiert nicht und widerspricht auch einer guten Marktstrategie. Sie entstammt einem von den Netzbetreibern erdachten Narrativ, das die Auktionskosten niedrig halten soll (basierend auf der Drohung, dass es andernfalls ein schlechtes Netz gäbe) und sie im öffentlichen Bild in einer Opferrolle positionieren (wir haben ja schon sooo hohe Kosten) und die verhassten Frequenzauktionen allgemein in ein schlechtes Licht rücken soll.

Dass die Auktion bisher eher schleppend verläuft, ist ebenfalls unbedeutend, schließlich hat sie gerade erst angefangen. Auch bei den LTE-Auktionen lief am Anfang alles ganz harmlos. Traditionell läuft es so, dass O2 recht bald aussteigt und dann der einzig erwähnenswerte Kampf zwischen Telekom und VF stattfindet, der meistens in einem Kompromiss endet aber gelegentlich auch mit einer Niederlage von VF enden kann. Genauso wird es diesmal laufen, alles andere wäre eine echte Überraschung. Telekom und VF werden reichlich Cash hinlegen, O2 ein bisschen und Drillisch wird den Boden kehren und die zusammengefegten Reste mitnehmen, wenn sie nicht sogar aussteigen.

Das stimmt nur teilweise. Die Anbieter in DE beklagen seit Jahren, dass der Ausbau weniger schnell voran ging, weil zunächst einmal hohe Kosten für die Frequenzen anfallen - und das ist Fakt. Natürlich haben Anbieter, die mehr Frequenzen erworben haben, am Ende auch das bessere Netz. Das Ziel wäre nur schneller erreichbar, wären die Kosten nicht so hoch. Einen direkten Zusammenhang der Netzqualität zur Anzahl der Frequenzen ist natürlich fällbar, aber hängt letztendlich auch von der verwendeten Hardware ab. ZTE wurde nicht ohne Grund immer seltener eingesetzt, da Huawei bei gleichniedrigem Preis etwas robuster war. Nokia/Ericsson waren tatsächlich besser im 4G Bereich, aber deutlich teurer, kommen daher vorwiegend in dichtbesiedelten Gegenden vor (zumindest was die Telekom betrifft). Einen Zusammenhang zwischen den Kosten und der Qualität gibt es nicht, da es manchmal aus unerklärlichen Gründen Blöcke gibt, die ein zigfaches von anderen Blöcken gekostet haben.

Zur 5G Versteigerung. Auch hier sieht man derzeit Frequenzblöcke bei rund 6 Mio und welche bei rund 25 Mio. Die Verteilung derzeit zeigt, dass 1&1 Drillisch wenig Frequenzen bekommt, auch Telefonica o2 schneidet eher bescheiden ab. Aber das Endergebnis gilt, da kann noch viel geschehen. Natürlich sollte man von der Telekom und von Vodafone mehr erwarten, diese haben auch einen deutlich höheren Umsatz als Telefonica o2. 1&1 Drillisch könnte tatsächlich im Stande sein, mehr als Telefonica o2 zu blechen, muss aber vermutlich Netze von ZTE anmieten und kommt um Nationales Roaming aufgrund der Versorgungspflicht nicht herum. Hier ist eher nach der Frequenzersteigerung die Frage offen, welche Roaming-Konditionen man mit den anderen Mobilfunkanbietern aushandeln kann. Eine Strategie könnte es daher sein, Telefonica o2 gezielt die Frequenzen abzuluchsen und sich nicht aus der Auktion zurückzuziehen. Auch wenn das teuer werden kann. Aber so kann man ein gegenseitiges Roaming vereinbaren.

Zu den Kosten für 5G. Egal wie viele Frequenzen man hat, man muss einige Basisstationen bauen und anschließen. Diese Kosten sind enorm. Habe ich nur wenige Frequenzen, baue ich weniger Basisstationen. So war bisher zumindest das vorgehen von Telefonica o2. Das ist aber ehrlicherweise eine eigenartige Sichtweise, weil der Bau der Basisstationen auch unabhängig betrachtet werden kann. Denn man braucht dennoch viele Basisstationen. Die Frequenzauktion sollte daher eigentlich nur entscheiden, wie viele Frequenzen ich pro Basisstation tatsächlich aufschalten kann. Je mehr ich habe, desto besser meine Versorgung. D. h., desto mehr Mobilfunkkunden kann ich eine Mindestdatenrate anbieten. Es hängt natürlich immer noch davon ab, wie viele Endgeräte sich in einer Mobilfunkzelle befindet. Habe ich dort halt wenige Frequenzen, dann kann ich nur wenige Endgeräte bedienen bzw. vielen Endgeräten nur wenig Bandbreite zur Verfügung stellen. Daher ist es auch interessant zu sehen, wer Frequenzblöcke im 2 GHz Band und wer Frequenzblöcke im 3,6 GHz Band abgreifen wird. Gerade von Vodafone und Telekom sollte man primär welche im 3,6 GHz Band erhoffen. Diese sind für mehr Anwendungen sinnvoller. Die 2 GHz Frequenzen sind meines Erachtens nur Mogelpackungen wie beim 800 MHz LTE Band auch. Das man schnell irgendwo sagen kann, dass man 5G hätte. Im LTE sieht man aber, dass Zellen mit 800 MHz zwar einen größeren Bereich abdecken, aber leistungsschwächer sind. Das ist quasi 1/x^2. Mit Anzahl der Teilnehmer auf einem Quadratkilometer sinkt die Datenrate quadratisch. Warum? Weil sich in einer größeren Zelle einerseits mehr Endgeräte befinden, anderseits weniger Bandbreite für alle Teilnehmer zur Verfügung steht und somit nicht 100 Mbit/s durch 5 Teilnehmer, sondern bspw. 80 Mbit/s durch 10 Teilnehmer aufteilen (Shared Medium). In großen Ballungszentren setzt man daher meistens auf höhere Frequenzen. Diese haben aber manchmal im Indoor-Bereich nachteile, weshalb man auch begonnen hat, das 800 MHz Band zusätzlich aufzuschalten. In ländlichen Regionen zeigt das Smartphone oft 4G an, aber was letztendlich entscheidend ist, ist wie viel Nettobandbreite der einzelne Kunde am Ende noch hat. Ich habe das Glück, dass in meiner Gegend vorwiegend das LTE Band auf 1800 MHz und 2600 MHz durch die Telekom ausgebaut sind und nur seltener das 800 MHz Band. Während o2 das 800 MHz Band ausgebaut hat. Hier merkt man Welten Unterschiede. Das o2 Netz ist langsamer, als bei mir HSPA :D Und das obwohl bei H+ ein deutlich höherer Ping als bei 4G zu erwarten ist. Warum ist dieser Zusammenhang jetzt wichtig? Weil o2 im Vergleich zu Vodafone und der Telekom ein schlechter ausgebautes 4G Netz hat, aber rund 40% Marktanteile. Die Telekom rund 35% und Vodafone rund 25%. Hier wirkt sich selbst bei gleich gut ausgebauten Netze die Anzahl der Mobilfunkteilnehmer negativ aus. Durch die E+ Übernahme kamen da einiges an Balast mit, davor war das o2 Netz zumindest einigermaßen brauchbar - auch im ländlichen Raum. Dennoch sind 40% Marktanteil 40% Marktanteil. Mit so einem Volumen kann man andere Planungen angehen, als mit 25%. Das Problem hierbei ist aber, dass viele der Mobilfunkteilnehmer bei Marken von 1&1 Drillisch Kunde sind. o2 beklagt ja, dass diese durch genau diese Kunden kaum eine Gewinnmarge haben. Hier hat Vodafone und Telekom eine weit höhere Gewinnmarge. Der Grund für die fehlenden Investitionen sind meiner Meinung nach eher falsche Verträge, weil man nach der E+ Übernahme die Leute alle in sein Netz packen wollte, statt dass die Kosten nach oben gegangen sind und nicht primär die Frequenzgebühren.

Aber was heißt das nun in Zukunft? Ich gehe davon aus, dass 1&1 Drillisch seine Kunden dennoch behalten möchte und in ihr Netz transferieren wird - oder zumindest entsprechende Angebote macht. Dadurch wird das o2 Netz deutlich entlastet und schlanker. Für o2 ist es daher wichtig, dies miteinzukalkulieren, aber dennoch viele 5G Frequenzen zu ergattern, um nachher nicht wieder komische Deals mit 1&1 Drillisch abschließen zu müssen. Für 1&1 Drillisch stellt sich dann aber die Frage, wie kann ich diesen migrierten Kunden außer einem 5G Netz, noch andere Netze bereit stellen. Eine Kooperation mit Telefonica o2 wäre dauerhaft sinnvoll, denn hier zahlt man ja jetzt bereits nicht viel, warum in Zukunft? Dazu sollte 1&1 Drillisch aber o2 ggf. locken, diese in ihr 5G Netz zuzulassen. Gelingt dies nicht, könnte es zu einem Desaster kommen, da dann Vodafone, o2 oder die Telekom regional das Roaming anders festlegen könnten und die Gebühren ggf. steigen und die Kunden das Netz wieder schnell verlassen wollen. Das könnte dann bedeuten, dass 1&1 Drillisch zwar gut mitgeboten hat bei 5G, aber so abgeschlagen ist, wie es E+ einst war und dass das Netz dann schnell wieder von einen der anderen Anbieter geschluckt wird, statt dass man längerfristig einen 4. Netzbetreiber hat. Also trotz ggf. vielen Frequenzen könnte der Ausbau dann problematisch werden. Das alles sind natürlich Spekulationen. Es gibt mehrere Szenarien, die denkbar wären. So könnte 1&1 Drillisch bereits im Vorfeld Verhandlungen im Geheimen geführt haben zum nationalen Roaming - andere Absprachen wären illegal.

Dennoch wird jeder Mobilfunkanbieter immer eine Grenze haben, was man bieten kann/will. o2 sollte hier dennoch in die Offensive. Zu wenig ersteigerte Lizenzen nötigt das Unternehmen entweder, sich komplett aus 5G zurückzuziehen und bedeutet längerfristig den Bankkrott oder ungeliebte Partnerschaften eingehen zu müssen. Für 1&1 Drillisch gibt es derzeit nichts zu verlieren. Sollten die Summen doch noch bis in Rekordhöhe hochgetrieben werden, so ist es vielleicht sinnvoller, am Ende doch keine Frequenzen zu ergattern und das o2-Netz weiter zu verwenden. Sollte man nur wenige Frequenzen ergattern bzw. dies abzeichnen, wird man sich vermutlich komplett zurück ziehen und diese o2 anbieten :D