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Reine Meinungssache


martinjohannes93 schreibt am 17.06.2019 15:11
Bei der Frequenzauktion gab es im 3,6 GHz Block aber auch ein hin und her zwischen der Telekom und Vodafone. In den letzten 150 Blöcken ging es daher nicht nur um den Block von Telefonica und Drillisch. Ich glaube, dass die Frequenzauktion auch ohne Drillisch hoch ausgegangen wäre, denn dann hätten die Anbieter zwar weniger pro Block bezahlt, aber unterm Strich mehr Blöcke gekauft. So verteilt es sich halt auf 4 statt auf 3 Anbieter. Für den Start von Drillisch wünsche ich dem Unternehmen alles gute, die Ausgangslage sehe ich allerdings nicht als gut. Man hat keinerlei Sendetürme, wo man bereits Glasfaser liegen hat. Die bereits etablierten Mobilfunkunternehmen können hier relativ schnell ein 5G aufbauen und müssen dann die leere Lücken zwischen Sendestationen aufgrund der kurzeren Reichweite nach und nach aufbauen, während 1&1 von Anfang an den ganzen Prozess mit Genehmigungen, etc. durchgehen muss. So ist zu erwarten, dass die Telekom und Vodafone trotz deutlich höheren Ausgaben schneller ein Netz aufbauen werden als 1&1. Die Frage mit dem nationalen Roaming ist für mich bisher auch unzureichend geklärt, zu welchen Bedingungen muss wer wen zulassen, etc. Ich bin daher nicht nur gespannt, wie 1&1 das angehen wird, auch welches Preismodell man zukünftig fährt, sondern ob der 4. Mobilfunker nicht bald wieder aufgeben muss... So sehr ich mir das Gegenteil natürlich Wünsche, ist die Ausgangslage auch mit den erworbenen Frequenzen schwierig, da man zunächst erst in Ballungsräumen ausbauen kann und quasi erst ab 2026 mit dem Ausbau auf dem Land beginnen kann, man aber dennoch Auflagen zum Ausbau hat. Die für den Neueinsteiger zwar entschärfter sind, aber dennoch nicht leicht zu bewältigen sind. Warum es in den Medien heißt, dass Telefonica o2, Vodafone und Telekom Angst vor dem neuen Mobilfunker haben, weiß ich nicht, denn zumindest 2 der benannten 3 Anbieter sollten da keine Angst haben. Bei Telefonica o2 ist das eher die Frage. Denn schaut man sich den Jahresgewinn der Telekom und von Vodafone an, so schreibt man halt 1 Jahr mal eine schwarze 0, kann aber die Frequenzgebühren damit vollständig deckeln. Dieses "das kostet so viel und sorgt für einen langsamereren Ausbau" halte ich daher für bedingt richtig, man verzögert das max. um 1 Jahr. Aktien-Unternehmen haben aber auch noch andere Tricks wie die Einbehaltung der Dividenden, Quersubventionierungen durch andere Bereiche, etc. Mich würde es nicht wundern, wenn der Festnetzausbau ausgebremst wird, die Preise hier steigen und dafür mehr in 5G investiert wird - auch, weil 5G vermutlich als Letzte-Meile in Betracht gezogen wird und zwar nicht nur von 1&1.

Fakt ist - und das gilt für alle Mobilfunkunternehmen: Auch wenn 5G teuer ist und die Frequenzen hätten günstiger versteigert werden können, ist 5G für das Geschäftsmodell der nächsten Jahre extrem wichtig. Wer hier hinterher hinkt, der verliert. Also haben die Unternehmen keine andere Wahl, als so viel wie möglich Frequenzen zu ergattern und den Ausbau so schnell wie möglich voranzutreiben. Koste es, was es wolle. Und egal, ob man auch mal rote Zahlen schreibt. In Deutschland schreien da alle immer gleich auf, als wäre das ein NoGo. Dabei ist es für eine kurzfristige Zeit total akzeptabel, wenn man dafür am Markt bestehen bleibt und längerfristig sich das doch auszahlt. Und das tut es in diesem Fall definitiv. Denn Fakt ist auch, der Bedarf an hohe Datenraten wächst überproportional, gleiches gilt für die Speicherung von Daten. Wer das Internet der Dinge verstanden hat, der kann da in etwa abschätzen, wie wichtig der digitale Datenaustausch in der Zukunft ist und das auch im täglichen Leben und nicht nur bei der Industrie 4.0. Das heißt auch, dass Kunden und Unternehmen, die einen gewissen Komfort haben wollen und diese Dienste nutzen, auch immer mehr dafür bereit werden, dafür auch zu zahlen. Denn vor allem für Unternehmen, die viel digitalisieren, heißt es: Am Ball bleiben, innovativ bleiben, etc. Lieber mehr fürs Internet bezahlen, als die technologischen Möglichkeiten nicht voll auszuschöpfen. Für mich werden daher die Mobilfunkbetreiber in Deutschland in den nächsten Jahren einen großen Wandel erfahren, weil man nunmal immer abhängiger von diesen wird. Auch wenn ich mich über möglichst günstige Preise freuen würde, ist es fakt, dass sofern man kräftig investiert und ausbaut, man immer Kunden haben wird und Geld wieder zurück holt.

Das gleiche sieht man derzeit auch bei den Autobauern. Man wird immer mehr durch die Elektrifizierung abgehängt. Ich habe erst neulich mit einem Daimler Manager gesprochen, der meinte, dass er für eine radikale Lösung innerhalb des Unternehmens ist. Er meinte, wenn wir nur 12 Mrd statt 14 Mrd Euro erwirtschaften, strafen uns unsere Aktionäre ab. Verdienen wir nur 10 oder 8, ist es das selbe. So lange wir nicht unangekündigt nur 2 Mrd. machen, ist das egal. Der Druck durch Tesla, asiatische Marken, etc. nimmt immer weiter zu, wenn wir am Markt bleiben wollen, dann geht das nur, wenn wir technologisch nicht mehr hinterher hinken, sondern wie früher die Nummer 1 sind. Wir müssen daher mehr investieren, als alle anderen und unseren Aktionären vermitteln, dass 2 Mrd Euro zwar weniger Gewinn ist, als bei anderen Unternehmen, aber konstante 2 Mrd pro Jahr auf die nächsten 15 Jahre mehr Wert haben, als noch 3-4 Jahre mit 14 Mrd weiter zu machen, den Zug zu verpassen und bankrott zu gehen. Er meinte, es sei im Interesse der Aktionäre, lieber geringere Dividenden einzustreichen, als keinen Gegenwert mehr für die Aktien zu haben.

Und genau so sehe ich das derzeit auf dem Mobilfunkmarkt. Den Aktionären muss ein Plan über den Ausbau von 5G und den Kosten vorgelegt werden und ihnen erklärt werden, warum die Dividenden und Gewinne zurück gehen werden, um einen schnelleren Ausbau zu ermöglichen und möglichst die Nase vor der Konkurrenz zu haben. Ich gehe dennoch davon aus, dass es auch zu Jobstreichungen kommen wird. Insbesondere bei der Telekom würde ich mich eher über Sanierungsarbeiten freuen und um eine Umstrukturierung der Abteilungen/Arbeitsbereiche/Aufgaben ...