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Die Kritik ist durchaus berechtigt, aber die Adressierung?


DL7FOS schreibt am 10.02.2020 08:08
Ja, es stimmt, Musiker*innen verdienen am einfachen Verkauf eines Albums wenig. Es stimmt auch, dass die Verleger und GEMA sowie auch andere Teile der Branche kräftig mitverdienen. Aber Fakt ist genauso, dass gerade das Klientel der lauten Musiker*innen für ihr Leben bereits ausgesorgt haben. Wem es schlecht geht, sind allerhöchstens hauptberufliche Studiomusiker*innen, kleine Regional-Bands und gute Musiker*innen ohne kommerziellen Erfolg. Hier braucht mal nur mal die Eintrittskarte eines Helene-Fischer-Konzerts im ersten Rang mit der Karte für ein Orchester gegen rechnen, wo nicht nur ein, sondern 60 und mehr Künstler*innen auf der Bühne stehen und verdienen müssen.

Was mich jedesmal bei dieser Diskussion doch sehr wundert ist, warum man sich nicht gegen die großen Labels stellt. Offenbar stört es ja nicht, dass sie den Großteil an Einahmen einbehalten, den Musiker*innen vorschreiben, was sie zu singen, zu sagen oder zu lassen haben und sich regelmäßig selbst feiern - in Worten: Sony, BMG und Warner. Da braucht sich eine Erfolgsikone wie Helene Fischer oder ein Peter Maffay gar nicht aufregen, es sei denn, man spielt Märtyrer für eine Zunft derer, die keinen Vertrag bei den großen haben oder wollen.

Ich erinnere mich da noch sehr gut an die Geschichte eines Bekannten. Er und seine Band wollten bei Sony Anfang der 2000er unter Vertrag kommen und waren auch so weit, dass sie in Gesprächen waren. Dort gab es eine klare Ansage: Ihr spielt nicht eure Hits, die Eure Fans kennen, sondern das, was wir in der Schublade haben. Macht ihr das nicht, suchen wir uns eine andere Band. - Das Musikgeschäft ist ein Moloch an mafiösen Strukturen. Da kann man sicher dem Streaming eine Teilschuld zuschreiben, auch bezogen auf die Einnahmeverteilung. Aber vergisst man dabei einen sehr wichtigen Aspekt: Auf wie viel Musik wurde ich von Spotify schon hingewiesen, auf die ich andererseits nicht aufmerksam wurde? Okay, ich bin auch jemand, der sich eine gute Schallplatte (keine CD) oder hochauflösende Downloads guter Alben kauft. Aber ich bin sicher auch nicht bereit, 400 Euro für das Gesamtwerk der Ärzte oder sonst welcher Musik auszugeben, die bereits über Jahrzehnte den Wohlstand der Künstler gesichert hat.

Vielleicht ist auch das Problem ein Anderes: so müssen Künstler endlich mal umdenken und wieder lernen, gute Musik zu machen und nicht das, was der Mainstream im Radio als Dauerschleife angeblich bevorzugt. So werden die Titel auch deshalb immer kürzer, weil Spotify inzwischen das komplette Abspielen besser vergütet und da sind unter zwei Minuten keine Seltenheit. Aber ist das noch Kunst, wenn ein Dauer-Loop in Ableton und ein einfach gesungener Refrain durch Melodyne einfach 50mal kopiert wird? Mich spricht das auch so nicht an, dass ich diesen Kram nicht mal auf CD kaufen würde. Da können sie froh sein, dass ich durch Spotify sowas wenigstens höre, was mir ansonsten vollkommen egal wäre.

Zum Abschluss, man möge mal die Spotify-Charts durch hören und sich fragen, warum eigentlich regelmäßig Produzenten, wie Mixu und McLoud an der Spitze mit nicht nur einem Hit rangieren. Dann frage man sich, wieso diese seltener in den Top 100 auftauchen und nicht im Radio gespielt werden und wieso junge Leute gerade diese Gassenhauer hören, obwohl es doch so viele gute Musik gibt. Die Antwort ist einfach: Man befasse sich mit Modeerscheinungen, Gruppendynamik und Bots, die heutzutage Trends massiv beeinflussen. Das wäre auch ein Punkt, gegen den sich Musiker*innen wehren könnten, weil es ihnen so verwehrt bleibt, seriös mit guter Musik ihre Zielgruppen zu erreichen.