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15.05.2019 - 18:40
10 Prozent mehr Ebitda?

Hoffen auf Wachstum: 1&1-Drillisch stellt Zahlen vor

1&1-Drilisch will Service-Umsätze und Gewinn steigern

Der Name Dril­lisch ist vielen Lesern inzwi­schen für güns­tige Ange­bote unter (gefühlt) "zigtau­send" Marken­namen ein Begriff. Über das Unter­nehmen ist aber in der Öffent­lich­keit nur wenig bekannt. Dass Dril­lisch jetzt zur 1&1 gehört, wissen Bran­chen­kenner und gut infor­mierte Leser längst. Etwas mehr Infor­mationen gibt bei der Vorlage Geschäfts­zahlen zum Quartal oder auf der Aktio­närs­haupt­versamm­lung.

Erfolg­reicher Jahres­auftakt?

Die 1&1-Drillisch AG legte ihre Zahlen vor.

Die 1&1-Drillisch AG legte ihre Zahlen vor.
Foto: Picture Alliance / dpa

Heute hat die "1&1 Dril­lisch AG" so der offi­zielle Name, einen "erfolg­reichen Jahres­auftakt" bekannt gegeben, die Zahl der Kunden­verträge sei um 180 000 auf 13,72 Millionen ange­wachsen, wobei hier Mobil­funk und Fest­netz­verträge zusammen gezählt wurden. Der Service-Umsatz sei um 3,5 Prozent auf 730,4 Millionen Euro gestiegen, das sei ein "adjus­tierter" Anstieg von 4,8 Prozent. Teilen wir die 730,4 Millionen durch 13,72 Millionen kommen wir auf 53,23 Euro im Jahr oder 4,43 Euro pro Kunde und Monat. Viel ist das nicht.

Das Ergebnis nach Abschrei­bungen und Steuern (EBITDA) stieg um 1,8 Prozent auf 168,5 Millionen Euro, ein "adjus­tierter" Anstieg von 9,7 Prozent. Die Prognose für Prognose 2019 sei bestä­tigt worden.

9,37 Millionen Mobil­funk Kunden

Mobile Kunden der 1&1-Dril­lisch tele­fonieren in den Netzen von Voda­fone (ohne LTE) und Telefónica o2 (mit LTE). Im Fest­netz verfügt die 1&1 seit einiger Zeit punk­tuell über eigene Leitungen (z.B. über 1&1 Versatel), mietet aber auch Leitungen für seine Kunden zu, beispiels­weise von der Deut­schen Telekom.

Beim "mobilen Internet-Geschäft" konnten 170 000 Kunden­verträge dazu­gewonnen und die Vertrags­zahl auf 9,3 Millionen Kunden erhöht werden. Bei den Breit­band-Anschlüssen (im Fest­netz) waren es 10 000 Verträge mehr, macht jetzt 4,35 Millionen Kunden.

Der Gesamt­umsatz des Unter­nehmens ist im ersten Quartal 2019 im Vergleich zum ersten Quartal 2018 von 904,3 Millionen Euro um 0,9 Prozent auf 912,1 Millionen Euro gestiegen. Die "margen­starken" Service-Umsätze erhöhten sich dabei plan­mäßig um 3,5 Prozent auf 730,4 Millionen Euro. "Diese Erlöse sind der Fokus von 1&1 Dril­lisch", erklärte das Unter­nehmen, "da sie nach­haltig sind und das Ergebnis bestimmen" oder auf gut deutsch: "Damit verdienen wir am meisten".

Wenig Marge bei Handy-Hard­ware

Margen­schwache "sons­tige Umsatz­erlöse" kommen aus dem Verkauf von Hard­ware (die insbe­sondere bei Koppel­verträgen von Handy und SIM-Karte von den Kunden über die vertrag­liche Mindest­lauf­zeit in Form von höheren Paket­preisen zurück­bezahlt werden). Sie haben sich inter­essan­terweise um 16,9 Millionen Euro auf 181,7 Millionen redu­ziert. Die Hard­ware-Umsätze lagen damit unter den Erwar­tungen der Gesell­schaft, jedoch ist dieses Geschäft saisonal schwan­kend und von der Attrak­tivität neuer Geräte und den Modell­zyklen der Hard­ware-Hersteller abhängig. Von daher kann sich dieser Effekt in den kommenden Quar­talen wieder umkehren.

Selbst wenn das nicht der Fall wäre, hätte es keine nennens­werten Auswir­kungen auf die EBITDA-Entwick­lung, findet Dril­lisch.

Licht und Schatten

Schaut man genauer hin, dann hat 1&1-Dril­lisch die "zähe" Frequenz-Auktion und seine Abschrei­bungen zu spüren bekommen. Bei Umsatz und Ergebnis enttäuschte das MDax-Unter­nehmen die Analysten mit seinen Zahlen. Konzern­chef Ralph Dommer­muth sieht sich trotzdem auf gutem Kurs in Rich­tung Jahres­prognose.

Weil derzeit stockende Preis­verhand­lungen für die Netz­miete erst nach der laufenden Auktion von Mobil­funk­lizenzen weiter­gehen können, werden erwar­tete Kosten­senkungen erst in einigen Monaten - nach Ende des Bieter­kampfes - wirksam werden. Die Börse ist da humorlos: Die Aktien der 1&1-Dril­lisch AG rutschten auf ein Mehr­jahres­tief.

Seit Monaten geht Dommer­muth fest von rück­wirkenden Preis­nach­lässen durch eine Neuver­hand­lung der Netz­miete aus. Doch solange in Mainz die Frequenzen erkämpft werden, dürfen die Teil­nehmer keine geschäft­lichen Verhand­lungen mitein­ander führen, daher ruht das schieds­gutach­terliche Verfahren in diesem Fall.

Mehr­kosten von 17,5 Millionen

Das hängende Verfahren habe Mehr­kosten in Höhe von rund 17,5 Millionen Euro entstehen lassen. Die Konzern­mutter United Internet betreibt bisher in ihrer für Privat­kunden zustän­digen Tele­kommu­nika­tions­sparte 1&1-Dril­lisch kein eigenes Netz, sondern mietet Kapa­zitäten vor allem bei der o2-Mutter Telefónica Deutsch­land und teil­weise auch bei Voda­fone (D2). Derzeit lockt das Unter­nehmen neue Mobil­funk­kunden mit Rabatten verstärkt in Tarife im o2-Netz, weil die Einkaufs­kondi­tionen hier profi­tabler sind. Bei o2 kann 1&1 LTE anbieten, bei Voda­fone geht das bislang nicht.

Umsatz gestiegen

Der Umsatz von United Internet stieg im ersten Quartal um 1,2 Prozent auf 1,29 Milli­arden Euro. Der Konzern nahm deut­lich weniger aus dem Verkauf von Handys (Smart­phones) und aus Online­werbe­flächen ein. Die Zahl der Vertrags­kunden in Mobil­funk und DSL konnte 1&1 Dril­lisch hingegen im Quartal um 180 000 stei­gern. Das Konzern­ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschrei­bungen klet­terte bei United Internet allein wegen posi­tiver Bilan­zierungs­effekte um 7,7 Prozent auf 299,7 Millionen Euro.

Analysten hatten mehr erwartet

Bei Umsatz und Ergebnis hatten Analysten mehr erwartet. Die United-Internet-Aktie sank nach dem Mittags­handel um neun Prozent auf 30,65 Euro. Das Papier der eben­falls börsen­notierten Tochter 1&1-Dril­lisch AG fiel mit einem zwischen­zeit­lichen Abschlag von neun Prozent auf unter 28 Euro auf den tiefsten Stand seit Ende 2014. Diese Aktien leiden seit einiger Zeit unter den Unsi­cher­heiten der Frequenz­auktion. Zu Jahres­beginn kostete die Dril­lisch-Aktie noch 70 Euro, die von United-Internet noch 60 Euro.

Für United Internet ist der zähe Frequenz-Bieter­kampf nicht nur eine Frage des Geldes für Frequenzen: Der Aufbau eines eigenen Mobil­funk­netzes würde das Geschäfts­modell völlig auf den Kopf stellen. Dommer­muth glaubt, mit weiter wach­senden Kunden­zahlen ein eigenes Netz profi­tabel betreiben und die eigenen Geschäfte deut­lich ausbauen zu können.

Zuerst müssen die Aktio­näre dran glauben: Sowohl United Internet als auch 1&1-Dril­lisch werden nur eine Mini-Divi­dende von 5 Cent je Aktie zahlen, falls das Unter­nehmen am 20. Mai noch im Rennen um die Frequenzen sein sollte. Ralph Dommer­muth ist mit 40 Prozent der größte Aktionär von United Internet. An 1&1-Dril­lisch hält der Mutter­konzern knapp drei Viertel der Anteile.

Der auf die Aktio­näre entfal­lende Konzern­gewinn ging von 83,5 Millionen Euro ein Jahr zuvor auf 49 Millionen Euro zurück, vor allem weil eine Wert­minde­rung auf den 28,5-Prozent-Anteil am Kabel­netz­betreiber Tele Columbus mit 43 Millionen Euro zu Buche schlug. Im laufenden Jahr hat der Akti­enkurs von Tele Columbus fast die Hälfte verloren, über zwölf Monate gesehen sogar fast 80 Prozent.

Umsatz­wachstum um 4 Prozent, Ebitda um 10 Prozent?

Für 2019 plant 1&1 Dril­lisch, seine Service-Umsätze unver­ändert um etwa 4 Prozent zu erhöhen (2018 waren das 2,8823 Milli­arden Euro) während bei den Hard­ware-Umsätzen (womit wenig zu verdienen sei) die weitere Entwick­lung abzu­warten wäre. Das EBITDA soll um ca. 10 Prozent wachsen.

Eine Einschät­zung

Je mehr man sich die Sache anschaut, desto rätsel­hafter werden die Ambi­tionen von United-Internet, als echter Netz­betreiber ins Mobil­funk­geschäft einzu­steigen. Neue Kunden sind nur durch das Abwerben von bestehenden Kunden bei anderen Netz­betrei­bern zu bekommen. Und deren einziges wirk­sames Argu­ment wird der Preis sein, denn die Netz­abde­ckung von 1&1-Dril­lisch wird sich zum Start auf wenige Ballungs­zentren konzen­trieren (müssen). Im Klar­text: United-Internet/1&1-Dril­lisch müsste 4G und 5G-Dienste zu abso­luten Kampf­preisen anbieten, die so niedrig sind, dass die Kunden über klei­nere Schwä­chen bei Netz­abde­ckung oder Netz­qualität gerne hinweg­sehen.

Nur wie soll sich das rechnen? Die Frequenzen werden teurer als gehofft, der Netz­aufbau wird teurer, weil sich "gegen 5G" bei empfind­lichen Mitmen­schen Bedenken regen. Der Netz­ausbau kommt wegen büro­krati­scher Hürden, Streit um Stand­orte und Subven­tionen nicht in Fahrt. Sicher, die Idee, ein "schlüs­selfer­tiges Netz" beim Netz­werk-Hersteller zu mieten, ist kreativ. Aber bleibt da am Ende des Tages noch über­haupt Geld übrig, um Zinsen, Tilgungen und vor allen Dingen Divi­dende zahlen zu können? Oder wird Dril­lisch vor dem 20. Mai doch noch die Auktion verlassen, um ihren Aktio­nären die erhofften Renditen zu ermög­lichen?


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mit Material von dpa

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