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06.02.2019 - 10:14
Strategiewechsel

Gigaset-Strategie: Günstige Handys & Smart-Home

Starker Ausbau des Smart-Home-Markts geplant

Nach lang­jäh­riger Krise will der Tele­fon­her­steller Gigaset als Dienst­leister für das smarte Zuhause und Produ­zent güns­tiger Smart­phones "Made in Germany" erfolg­reich werden. Das 2008 aus der ehema­ligen Siemens-Fest­netz­sparte hervor­ge­gan­gene Unter­nehmen will seine starke Markt­stel­lung bei Fest­netz­te­le­fonen in Europa als Grund­lage der Expan­sion in den neuen Geschäfts­fel­dern nutzen.

Dazu gehört der Einstieg in den global heiß umkämpften Handy­markt, bei dem alle paar Jahre die Welt­markt­führer wech­seln. Ein Plus­punkt bei den Verbrau­chern soll das Thema Qualität "Made in Germany" sein: Gigaset bietet seit Ende 2016 Mobil­te­le­fone an, seit vergan­genem Jahr Modelle, die im Bocholter Stamm­werk herge­stellt werden. Doch Herstel­lung in Deutsch­land soll bei Gigaset nicht gleich­be­deu­tend mit teuer sein: "Bei Smart­phones werden wir nie ein Apple oder ein Samsung - dahinter steht eine ganz andere Stra­tegie", sagte Vorstands­chef Klaus Weßing der Deut­schen Presse-Agentur in München.

Smart­phones im güns­tigen Preis­seg­ment

Das vierte Quartal 2018 sei eines der stärksten gewesen, das Gigaset je hatte.

Das vierte Quartal 2018 sei eines der stärksten gewesen, das Gigaset je hatte.
Bild: teltarif.de - Daniel Molenda

Gigaset will nach Angaben des Mana­gers mit Smart­phones im unteren und mitt­leren Preis­seg­ment von 200 bis 400 Euro punkten. "Da sind nach Markt­ana­lysen unge­fähr 1200 Anbieter unter­wegs - aber die haben in Europa alle keine bekannte und wirk­lich starke Marke. Die haben wir", sagte Weßing.

Das Erfolgs­re­zept soll Schnel­lig­keit sein: "Der Lebens­zy­klus eines Smart­phones ist nur etwa neun Monate. Wenn man zu lange Produkt­zy­klen hat, erodieren am Ende die Abver­käufe", sagte der Gigaset-Chef. "Es heißt also schnell sein am Markt. Schnell rein, schnell durch­ver­kaufen, schnell etwas Neues bringen." Nach Weßings Worten verlief der Start erfreu­lich: "Bei Smart­phones hatten wir im ersten Jahr einen Umsatz im zwei­stel­ligen Millio­nen­be­reich, und im zweiten Jahr eine Umsatz­stei­ge­rung um 25 Prozent", sagte der Manager. "Wir wollen aber nicht primärer Smart­phone-Liefe­rant werden, freuen uns aber natür­lich über unseren Markt­an­teil von über einem Prozent in Deutsch­land."

Siemens hatte seine Fest­netz­sparte 2008 verkauft, Gigaset erbte damit eine starke Stel­lung bei der lang­fristig als Auslauf­mo­dell geltenden Fest­netz­te­le­fonie. "Wir sind in Europa Markt­führer für DECT-Schnur­los­te­le­fone und unsere Marke ist in unge­fähr 200 Millionen Haus­halten", sagte Weßing. "DECT-Schnur­los­te­le­fone gehen im Markt­trend runter, das will ich nicht abstreiten. Deswegen setzt Gigaset auch auf neue Felder."

Neue Themen: Smart Home

Die in Deutsch­land herge­stellten Smart­phones sind nur ein Teil des Plans. "Deswegen die Themen Smart Home, Smart Care, Profes­sional - also Tele­fonie für Unter­nehmen. Diese neuen Felder wachsen", sagte Weßing. "Das muss auch sein, sonst hätten wir ein Problem. Das vierte Quartal 2018 war eines der stärksten, das wir je hatten."

Gigaset will kein reiner Indus­trie­her­steller mehr sein. "Wir wollen den Bereich Smart Home sehr stark ausbauen", sagte der Gigaset-Chef. "Wir werden auf Dauer komplette Produkt­lö­sungen - also Hard- und Soft­ware - anbieten und in Zukunft einen großen Teil unseres Umsatzes mit Dienst­leis­tungen erwirt­schaften."

Die Kunden könnten künftig bei Gigaset "Pakete" kaufen: "Wenn Sie gerne die Daten der Über­wa­chungs­ka­mera spei­chern möchten, können Sie das haben, wenn Sie einen zusätz­li­chen Sicher­heits­dienst enga­gieren wollen, können Sie das zukünftig bei uns anfragen."

Das Unter­nehmen hat harte Jahre hinter sich: "Von den vergan­genen 15 Jahren ging 12 Jahre lang jedes Jahr der Umsatz runter", sagte Weßing. "Deswegen mussten wir handeln, als ich Ende 2015 Vorstand wurde. Wir mussten Mitar­beiter entlassen und uns grund­sätz­lich anders aufstellen."

Aber Gigaset habe die Wende hinbe­kommen. "Wir haben Quartal für Quartal gelie­fert. Wir haben jetzt auch erst­mals wieder neue Talente einge­stellt. Jetzt sind wir auf dem Weg, uns zu stabi­li­sieren und zu wachsen, das ist eigent­lich schon ein Riesen­er­folg."


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dpa /

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