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12.08.2018 - 10:24
Mehr Kontrolle

Weniger Google, mehr Android: So geht's

Kontrolle über Google-Dienste erlangen

Google-Dienste können auf Android-Smartphones eingeschränkt werden.

Google-Dienste können auf Android-Smartphones eingeschränkt werden.
picture alliance/Matt Rourke/AP/dpa

Alles oder nichts heißt es für Android-Smartphone-Hersteller beim Einbinden von Google-Diensten. Deshalb findet sich auf den Geräten fast immer Googles ganze App-Palette samt Suchdienst. Dagegen geht die EU-Kommission vor, aber auch Nutzer können Google Grenzen setzen.

Eigentlich ist Android freie Software. In der Praxis spürt man davon aber wenig. Über Apps, Dienste und Prozesse ist Google auf den meisten Android-Mobilgeräten tief im System verankert. "Google ist gut darin, vieles Grundsätzliches anzubieten, was wir machen wollen, und das auch noch sehr komfortabel", sagt Max Mehl von der Free Software Foundation Europe (FSFE). Das Problem sei aber, dass es Google immer auch darum gehe, Daten für Werbung zu sammeln. "Das kann man einfach in den Nutzungsbedingungen nachschauen." Wem das nicht schmeckt, der kann sich jedoch relativ leicht mehr Privatsphäre und Kontrolle verschaffen.

Schrittweise weg von Google-Apps

"Das passiert nicht über Nacht, das ist ein schrittweiser Prozess", sagt Mehl. "Der erste Schritt ist, sich bewusst zu machen, was man bereits nutzt, und was davon unerwünscht ist." Der zweite Schritt sei das Ersetzen nicht gewollter Dienste und Apps. Wer aber Google vollständig vom Android-Smartphone verbannen will, muss noch weiter gehen, weil die Deinstallation vorinstallierter Google-Apps fast nie möglich ist: "Der dritte Schritt wäre deshalb die Installation eines Betriebssystems ganz ohne Google drin."

Am sinnvollsten findet es Mehl aber, sich erst einmal dem App-Austausch zu widmen. "Sonst habe ich nachher das Problem, dass ich ein Betriebssystem ohne Google habe, aber gar nicht weiß, wie ich das Telefon weiter nutzen kann, wie ich es gewöhnt bin", erklärt er. "Eine schrittweise Entwöhnung ist die beste Strategie."

Ähnlich sieht das Alexander Spier vom c't-Fachmagazin: "Android ohne Google geht auch, ist aber deutlich aufwendiger", sagt er. Oft reichten das Einschränken von Google und seiner Datensammelei sowie das Nutzen anderer Apps schon. "Ich nutze selbst häufig auch lieber die Google-Dienste, weil sie da sind und gut funktionieren", so Spier weiter. "Man muss sich schon dazu zwingen, zu sagen: "Ok, jetzt probiere ich mal etwas anderes."

So geht weniger Google

Anschließend Google-Apps deaktivieren

Wem an alternativen Anwendungen nichts mehr fehlt, kann ans Aufräumen gehen. Viele Google-Anwendungen haben aber System-App-Status und lassen sich nicht deinstallieren. Wenn überhaupt lassen sie sich meist nur unter "Einstellungen/Apps" deaktivieren. "Häufig ist es aber so, dass man vorher noch die Updates installieren muss", weiß Alexander Spier. Er rät auch, den Status der Apps im Auge zu behalten, weil Updates oder andere Google-Dienste sie wieder aktivieren könnten.

Ihnen kann man zudem in den Einstellungen unter "Sicher­heit/Nutzungs­daten­zu­griff" selbigen verwehren. Wer nicht möchte, dass Google Standortdaten von Mobilfunkmasten oder WLAN-Hotspots erhebt, muss unter "Standort" den Modus auf "Nur Gerät" einstellen, damit das Smartphone nur das GPS-Signal nutzt. Und unter "Sicherheit/Geräteadministratoren" lässt sich noch die Fernortung und -löschung des Gerätes durch Google ausschalten. Manche Hersteller wie Samsung bieten vergleichbare Dienste (Find my Mobile).

Ohne Google-Konto oder inkognito:

Android-Smartphones lassen sich auch ganz ohne Google-Konto nutzen. Dazu überspringt man bei der Einrichtung einfach die Konto-Aufforderung oder löscht das Konto später in den Einstellungen - in beiden Fällen gibt es keinen Zugriff mehr auf den Play Store und man kann nur die alternativen App-Quellen nutzen. Um im Zweifel etwas anonymer unterwegs zu sein, ohne den Zugriff auf Google-Dienste zu verlieren, kann man auch ein neues Google-Konto unter Pseudonym nur für das Smartphone anlegen.

Android-Alternativen:

"Es gibt auch Android-Versionen, die ohne Google auskommen, zum Beispiel LineageOS oder Replicant", sagt Max Mehl. LineageOS lässt sich ganz ohne Google-Apps und -Konto nutzen. Wer auf Play Store und Play-Dienste nicht verzichten möchte, kann auf freie Nachbildungen namens MicroG zurückgreifen. Replicant besteht dagegen komplett aus freier Software. Da aber gerade viele Treiber nicht frei sind, gibt es Replicant nur für wenige Telefone.

Für die Installation beider Android-Versionen gilt: "Schief gehen kann dabei wenig, wenn man den Anleitungen folgt und vorher seine Daten sichert", meint Mehl. Gerade LineageOS biete sehr gute Anleitungen. "Man muss beileibe kein Informatiker oder Ingenieur sein, um diesen Schritt zu vollziehen."

Mehr Themen zu Datensicherheit auf dem Smartphone finden Sie in einem weiteren Ratgeber.

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dpa /

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