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10.04.2019 - 17:23
Teurer

BNetzA: Höhere TAL-Mietpreise für Telekom-Konkurrenz

Alternative Anbieter müssen mehr bezahlen

Während in Mainz noch mit Milli­arden um sich geworfen wird, hat der Gast­geber Bundes­netz­agentur neue Entgelte für die Miete der „letzten Meile“ zur Konsul­ta­tion vorge­stellt: Die Preise steigen.

Es ist vorge­sehen, dass die Deut­sche Telekom ab dem 1. Juli von ihren Wett­be­wer­bern für die Miete der Teil­neh­mer­an­schluss­lei­tung (TAL) am Haupt­ver­teiler (HVt-TAL) monat­lich 11,19 Euro verlangen darf. Derzeit werden dafür noch 10,02 Euro im Monat fällig. Der Haupt­ver­teiler (HVt) ist der zentrale Punkt im Netz der Telekom, ab dem die einzelnen Kupfer­lei­tungen zu den Endkunden führen.

Das Entgelt für den Zugang zur TAL an einem Kabel­ver­zweiger (KVz-TAL), also von den Vertei­ler­kästen am Stra­ßen­rand, soll künftig 7,05 Euro betragen, bisher waren es 6,77 Euro monat­lich.

Mit dem monat­li­chen "Über­las­sungs­ent­gelt" werden in erster Linie die erfor­der­li­chen Inves­ti­tionen beispiels­weise für das Mate­rial und die Verle­gung der "letzten Meile" abge­deckt.

Was würde ein Neubau kosten?

Die Bundesnetzagentur hat neue Entgelte für die Teilnehmeranschlussleitung vorgelegt.

Die Bundesnetzagentur hat neue Entgelte für die Teilnehmeranschlussleitung vorgelegt.
Foto: Picture Alliance / dpa

Die Bundes­netz­agentur geht in ihrer Kalku­la­tion davon aus, was es kosten würde, wenn die Deut­sche Telekom zu heute gültigen Preisen ihr Netz komplett frisch aufbauen müsste.

Die "maßgeb­li­chen Kosten der effi­zi­enten Leis­tungs­be­reit­stel­lung für die Anmie­tung der TAL" wurde mit einem Kosten­mo­dell des Wissen­schaft­li­chen Insti­tuts für Infra­struktur und Kommu­ni­ka­ti­ons­dienste (WIK) ermit­telt. Zur Berech­nung verwen­dete die Netz­agentur von der Telekom einge­reichte Kosten­un­ter­lagen.

Weil die Tief­bau­preise, die Kupfer­preise, die Stun­den­sätze für Monta­ge­ar­beiten und die Preise bei Vergabe an Auftrag­nehmer gestiegen sind, schlug sich das auch auf die Preise für die „letzten Meile“ durch.

Kosten­sen­kend hätte die erst­ma­lige Berück­sich­ti­gung einer antei­ligen ober­ir­di­schen Verle­gung der „letzten Meile“ und eine weiter­ge­hende Berück­sich­ti­gung von inzwi­schen voll­ständig abge­schrie­benen Kabel­ka­nal­an­lagen und -schächten, die für den Glas­fa­ser­ausbau wieder­ver­wendet werden können, sein können. Doch diese kompen­sieren nach Ansicht der Regu­lierer die Kosten­stei­ge­rungen dieses Mal nicht.

Der Preis­an­stieg bei der Leitung zum KVz (KVz-TAL) fällt geringer aus als bei der HVt-TAL. Dies rühre daher, weil die ober­ir­di­sche Verle­gung im Verzwei­ger­ka­bel­be­reich einen erheb­lich höheren Anteil hat und die betref­fende Redu­zie­rung des Inves­ti­ti­ons­wertes den KVz-TAL-Preis deshalb in stär­kerem Maße beein­flusst.

Weitere Entgelte vorge­schlagen

Neben den Entgelten für den Zugang zur „letzten Meile“ hat die Bundes­netz­agentur heute auch neue Entgelte ab dem 1. Juli für den Zugang von Wett­be­wer­bern zur Anschluss­in­fra­struktur der Telekom vorge­schlagen. Sofern Wett­be­werber für die Anbin­dung eines Kabel­ver­zwei­gers auf ein Kabel­le­er­rohr der Telekom zurück­greifen, sollen sie dafür monat­lich 0,06 Euro pro Meter eines Vier­tel­rohres zahlen – statt bislang 0,04 Euro.

Die Anbin­dung eines Kabel­ver­zwei­gers mit unbe­schal­teter Glas­faser soll künftig 13,61 Euro im Monat kosten statt bisher 46,76 Euro kosten.

Das monat­liche Über­las­sungs­ent­gelt für einen Einbau­platz in einem Multi­funk­ti­ons­ge­häuse – das sind spezi­elle Kabel­ver­zweiger, in die auch aktive Technik einge­baut werden kann – soll künftig 86,91 Euro betragen statt bisher 90,14 Euro.

Dieser Preis bildet die Ausgangs­größe für die Auftei­lung unter sämt­li­chen Nutzern eines Multi­funk­ti­ons­ge­häuses einschließ­lich der Telekom, sodass ein Wett­be­werber alleine maximal die Hälfte des Betrags zu entrichten hat; bei der Nutzung eines Multi­funk­ti­ons­ge­häuses durch drei Unter­nehmen muss dann ledig­lich ein Drittel usw. bezahlt werden.

Verfahren der Beschluss­kammer

Die Vorschläge sollen eine Lauf­zeit von drei Jahren haben. Inter­es­sierte Parteien können sich die Details auf der Webseite der Netz­agentur anschauen und bis zum 24. April schrift­lich Stel­lung nehmen.

Anschlie­ßend werden die Entwürfe der Euro­päi­schen Kommis­sion, dem Gremium Euro­päi­scher Regu­lie­rungs­stellen für elek­tro­ni­sche Kommu­ni­ka­tion (GEREK) und den natio­nalen Regu­lie­rungs­be­hörden der übrigen EU-Mitglied­staaten über­mit­telt werden, die dann inner­halb eines weiteren Monats Stel­lung­nahmen abgeben können. Sofern die Euro­päi­sche Kommis­sion keine ernst­haften Bedenken gegen die Entschei­dungen äußert, könnten sie ab dem 1. Juli endgültig in Kraft treten.

VATM lehnt Preis­er­hö­hungen ab

Die erste Stel­lung­nahme liegt uns schon vor vom Verband der Anbieter von Tele­kom­mu­ni­ka­tions- und Mehr­wert­diensten (VATM), worin die wesent­li­chen Wett­be­werber der Deut­schen Telekom im Fest­netz zusam­men­ge­schlossen sind.

Jürgen Grützner, Geschäfts­führer des VATM kann nicht nach­voll­ziehen, warum die Bundes­netz­agentur eine Erhö­hung der monat­li­chen TAL-Entgelte von teil­weise mehr als 10 Prozent im Vergleich zu den bishe­rigen Entgelten in Betracht zieht. Die Entgelte befänden sich damit immer noch auf einem "über­höhtem Niveau". Und weiter: "Für altes Kupfer­kabel zahlen wir unver­än­dert die Kosten für den hypo­the­ti­schen kompletten Neubau der ange­mie­teten soge­nannten letzten Meile bis zum Kunden." Schon in der Vergan­gen­heit hätten die EU-Kommis­sion und verschie­dene Studien für ein anderes Kosten­be­rech­nungs­mo­dell plädiert. Es sei weiterhin eine Neujus­tie­rung des Preis­se­t­zungs­mo­dells drin­gend erfor­der­lich, die deut­lich stärker abge­schrie­bene Netz­teile berück­sich­tigt und auf ein glas­fa­ser­ba­siertes Netz abstellt. Ansonsten würden stei­gende Kosten bei Tiefbau, Kupfer und Personal sowie eine weiter sinkende Anzahl abge­nom­mener Leitungen auch in Zukunft für stei­gende Entgelte sorgen.

Die Preis­er­hö­hung sei "Gift für den von der Politik mit größtem Nach­druck gefor­derten Glas­fa­ser­ausbau mit dem Ziel der Flächen­de­ckung bis zum Jahr 2025", denn die weiterhin die Kupfer-TAL für ihre Bestands­kunden nach­fra­genden Unter­nehmen müssen ihre gesamten Inves­ti­ti­ons­mittel für den Glas­fa­ser­ausbau bündeln können. Notfalls sei der Gesetz­geber gefragt, um Spiel­raum für eine neue Kosten­be­rech­nung zu schaffen. Stei­gende Entgelte dürften nicht aus hypo­the­ti­schen und für die Praxis völlig irrele­vanten Neubau-Daten von veral­teten Kupfer-Infra­struktur herrühren.

Die ange­dachte TAL-Kosten Erhö­hung brächte der Telekom Einnahmen von rund 650 Millionen Euro, alleine die Erhö­hung betrage mehr als 60 Millionen Euro im Jahr. Sie würden dem Gesamt­markt für den Glas­fa­ser­ausbau entzogen werden, ohne dass bei der Telekom reale Mehr­kosten entge­gen­stünden. Durch die Regu­lie­rung erzielte Mehr­ein­nahmen der Telekom sollten daher dem Digi­tal­fonds für den Glas­fa­ser­ausbau in länd­li­chen Gebieten zuge­schlagen werden, schlägt der VATM vor.

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