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11.07.2018 - 14:52
Media Analyse

Media-Analyse: Wenige Radiosender über DAB+ erfolgreich

Starke Marken, aber viele Sender mit roten Zahlen

Immer mehr Digitalradios mit dem terrestrischen Digitalradio DAB+ stehen in deutschen Haushalten. Aber werden diese auch für den digitalen Radioempfang genutzt oder schalten die Deutschen doch noch vorrangig UKW darüber ein? Indizien liefert unter anderem die Media Analyse Audio (MA). Soeben ist die MA 2018 Audio II erschienen.

Immer stärkere nationale Marken

Nur wenige Radiowellen etablieren sich auf DAB+

Nur wenige Radiowellen etablieren sich auf DAB+
Foto: D&L

Dabei zeigt sich ein Trend: DAB+ bringt vor allem auf nationaler Ebene immer stärkere Marken hervor. Freuen kann sich zum Beispiel Absolut Relax, das inzwischen in der für die werbetreibende Wirtschaft wichtigsten Messgröße "Hörer pro Durchschnittsstunde" respektable 44 000 Hörer erreicht und dabei um 33,3 Prozent im Vergleich zum Frühjahr zugelegt hat.

Erfolgreichstes digitales Radioprogramm auf Bundesebene ist Schlagerparadies, das mit 70 000 Hörern pro Stunde dennoch leichte Verluste verkraften muss. Nicht national ausgewiesen, sondern nur in den UKW-Gebieten, wird der im DAB+-"Bundesmux" verbreitete Rocksender Radio Bob. Dieser konnte sowohl in Schleswig-Holstein als auch im Stammland Hessen kräftig zulegen und hier sogar die populäre öffentlich-rechtliche Welle hr1 überholen. Da Radio Bob nur ein löchriges UKW-Netz besitzt, für viele ein eindeutiges Indiz, dass der Sender auch häufig über DAB+ gehört wird.

Sender ohne Hörer

Andere exklusiv verbreitete Digitalwellen haben es jedoch schwer: Zwar verzeichnet die DAB+ Radiokombi Deutschland, in der sich sechs Digitalsender zusammengefunden haben, inzwischen über 122 000 Hörer pro Stunde und damit 8000 mehr als im Frühjahr, hierbei entfallen jedoch alleine schon 114 000 Hörer auf die Programme Absolut Relax und Schlagerparadies. Die anderen vier Programme der Kombi, Schwarzwaldradio, Absolut Hot, lulu.fm und Kultradio, haben demnach zusammen nur 8000 Hörer pro Stunde. Damit erreichen sie aufgrund der zu geringen Fallzahlen auch keine Einzelausweisung und werden bei der künftigen MA-Erhebung nicht "gestützt", also mit Namensnennung abgefragt. Ein deutlicher Nachteil gegenüber den etablierten Wellen.

Wie schwach die neuen Digitalsender insgesamt noch gegenüber den etablierten UKW-Marken sind, zeigt sich an einem Beispiel: Der Berliner Privatradio-Marktführer 104,6 RTL erreicht alleine in Berlin und Brandenburg 144 000 Hörer pro Stunde.

MA-Zahlen entscheiden übers Überleben

Die Hörerzahlen der MA entscheiden darüber, wie viel Einnahmen Radiosender aus bundesweiter Werbung generieren können. Davon ist maßgeblich abhängig, ob ein längerfristiges Überleben auch ohne UKW-Frequenzen möglich ist. Seit dem Start von DAB+ im Jahr 2011 sind schon viele Programme gekommen und gegangen, die meisten Veranstalter schreiben trotz gegenüber UKW weit günstigeren Verbreitungskosten noch rote Zahlen und können sich bei weiter schleppender Marktdurchdringung des Digitalradios mit nur marginalen Zuwächsen pro Jahr möglicherweise nicht mehr lange am Leben halten.

Ohne politischen Markteingriff bleibt noch jahrelang alles beim Alten

Immerhin: Wenige Anbieter haben sich im Digitalradio bereits etabliert und werden von den Besitzern digitaler Empfangsgeräte auch gehört. Ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Zukunft. Trotz allem gilt: Ohne politischen Markteingriff etwa durch die Verkündung eines UKW-Abschalttermins wird die Dominanz der großen UKW-Marken noch lange bestehen bleiben. Genau das stärkt viele Anbieter jedoch auch bei ihrer Zurückhaltung beim Digitalradio: Stimmen die Zahlen weiter, gibt es keine Notwendigkeit das Programm auch digital-terrestrisch zur Verfügung zu stellen.

Auch die Hörer scheinen mit ihren Lieblingswellen weiter zufrieden zu sein und gelten als wenig experimentierfreudig. Große Hörerbewegungen hat das Digitalradio DAB+ in Deutschland trotz einem deutlich höheren Programmangebot auch sieben Jahren nach dem Start nicht ausgelöst. Für die Zukunft entscheidet immer mehr die Stärke der Marke über Erfolg und Misserfolg. Dabei spielt der technische Verbreitungsweg eine immer geringere Rolle.


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