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13.01.2020 - 09:15
Streaming

Netflix & Co.: Steigende Abo-Preise durch mehr Konkurrenz?

Anbieter reagieren unterschiedlich auf Disney & Co.

Es ist ein markt­wirt­schaft­liches Grund­prinzip: Konkur­rieren mehrere Unter­nehmen in der glei­chen Branche, sinken für gewöhn­lich die Preise. Das ist leicht nach­voll­ziehbar, denn es gibt in diesem Falle schließ­lich kein Monopol, bei dem ein einzelner Anbieter den Preis für sein Produkt einfach nach Gutdünken fest­legen kann. Setzt er diesen aus Kunden­perspek­tive zu hoch an, wech­selt dieser zum Wett­bewerber und der Anbieter bleibt schlicht auf seiner Ware sitzen. Merk­würdi­gerweise funk­tioniert aber genau dieses markt­wirt­schaft­liche Prinzip im Bereich Strea­ming nicht. In den vergan­genen Jahren passierte sogar das genaue Gegen­teil: Trotz zuneh­mendem Wett­bewerb wurden Strea­ming-Ange­bote teils sogar teurer.

Beispiel Netflix

Robin Wright als US-Präsidentin Claire Underwood in "House of Cards"

Robin Wright als US-Präsidentin Claire Underwood in "House of Cards"
Foto: David Giesbrecht/Netflix

Als Netflix 2014 in Deutsch­land an den Start ging, war die Konkur­renz insge­samt noch sehr über­schaubar. Amazon, Maxdome und die Vivendi-Tochter Watchever standen sich gegen­über. Vor Gegen­wind im Stil von Disney, Warner oder NBCUniversal musste sich der Streamer aus Los Gatos eben­falls nicht fürchten. Maxdome war ohnehin nie ein wirk­lich starker Wett­bewerber und Watchever musste später mangels Erfolg seinen Geschäfts­betrieb in Deutsch­land sogar komplett einstellen.

Auch der Katalog von Amazon hielt damals noch nicht mit. Im Grunde hätte Netflix seiner­zeit also ohne Probleme einen Preis­punkt über zehn Euro für sein HD-Abo ansetzen können. Tatsäch­lich verlangte man aber nur 8,99 Euro im Monat und lang damit preis­lich sogar auf dem Niveau des nicht unbe­dingt attrak­tiveren Ange­bots von Watchever. Im Jahr 2020 kostet das entspre­chende HD-Abo knapp 12 Euro und wurde damit satte drei Euro teurer.

Kost­spie­lige Origi­nals

Der Grund für diese Entwick­lung lässt sich aber leicht erklären. Insbe­sondere große Studios, wie WarnerMedia mit ihrer Tochter HBO und Disney haben Netflix in den USA mit quali­tativ hoch­wertigem Content unter Druck gesetzt. Um weiterhin im Wett­bewerb erfolg­reich bestehen zu können, war Netflix also gezwungen, mehr Geld für eigene Origi­nals in die Hand zu nehmen. Zu den teuren Produk­tionen gehörte von Beginn an das Polit-Drama "House of Cards", welches bereits ohne Haupt­darsteller Kevin Spacey in die sechste und damit finale Staffel ging.

Auch andere Block­buster, wie "Stranger Things" oder "Orange Is The New Black" gehörten mit ihren Budgets nicht gerade zu den güns­tigsten Produk­tionen für den Bran­chen-Primus. Im März dürfte der Druck auf Netflix auch in Deutsch­land noch einmal deut­lich zunehmen, dann geht hier­zulande Disney+ mit einem voraus­sicht­lichen Kampf­preis von unter sieben Euro im Monat an den Start.

Womög­lich wird es noch teurer

Das Ende der Fahnen­stange ist in Sachen Preis­gestal­tung wohl noch nicht erreicht. Es ist gut vorstellbar, dass Netflix für sein HD-Abo auf zwei Geräten durchaus in naher Zukunft um 15 Euro pro Monat abruft. Origi­nals sind für alle Strea­ming-Dienste das neue Gold und die Schlag­zahl an eigenen Produk­tionen wird sich wohl noch weiter erhöhen, zumal auch Amazon mitt­lerweile verstärkt auf hoch­karä­tigere Origi­nals setzt.

Man muss aller­dings auch fairer­weise sagen, dass insbe­sondere US-Streamer das Quali­täts­niveau im Seri­enbe­reich erheb­lich ange­hoben haben. Zuschauer müssen einer­seits mehr Geld für Serien und Filme ausgeben, bekommen dafür jedoch auch Inhalte geboten, die vor einigen Jahren selbst im linearen Pay-TV kaum vorstellbar gewesen wären. Selbst wenn es einigen Nutzern sauer aufstößt - ein Preis von 15 Euro ist gemessen am Katalog von Netflix immer noch sehr günstig. Schließ­lich gibt es dafür sonst besten­falls eine Kino­karte samt kleiner Portion Popcorn on top.

Ein guter SVoD-Service sollte nicht nur mit der Qualität von Inhalten glänzen. Auch eine intui­tive Navi­gation inner­halb von Apps und genaue Content-Empfeh­lungen sind wichtig. Welcher Strea­ming-Dienst in Sachen Nutzer­freund­lich­keit über­zeugen kann, lesen Sie in einer weiteren News.

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Björn König

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