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11.06.2019 - 16:46
Hoch hinauf

Glasfaser bis in die Berge: Balderschwang kriegt Highspeed

Umweltfreundliches Jahrhundertprojekt

Kennen Sie 87538 Balder­schwang? Das ist eine Gemeinde im schwä­bischen Land­kreis Ober­allgäu in Bayern. Balder­schwang ist, gerechnet auf seine Einwoh­nerzahl, nach dem Ort Chiemsee die zweit­kleinste Gemeinde in Bayern, und die Gemeinde mit dem am höchsten gele­genen Orts­kern inner­halb Deutsch­lands und kurz hinter dem Ort verläuft bei Schlipf­halden die Landes­grenze zur Repu­blik Öster­reich. Von dort oben kann man auch bis in die Schweiz schauen.

Die Telekom verlegt pro Jahr etwa 60000 Kilo­meter Glas­faser. Die 24 Kilo­meter, die nach Balder­schwang verlegt wurden, sind aber etwas ganz Beson­deres, denn der Weg führte mitten durch die Allgäuer Alpen. Das ist - so sagen es Fach­leute - eine der schönsten Land­schaften Deutsch­lands und somit ein schüt­zens­werter Natur-Raum, der nur ausnahms­weise gestört werden darf.

Der Bau einer Glas­faser­leitung dort hinauf ist ein Jahr­hundert-Projekt. Natur- und Land­schafts­schutz spielten bei diesem Projekt eine beson­dere Rolle. Der Eigen­ausbau der Telekom und die staat­liche Förde­rung "haben hier zusam­menge­passt", wie es die Telekom formu­liert.

Wo Glas­faser liegt, kann auch der Mobil­funk profi­tieren, der Standort auf dem Gelb­hanse­kopf wurde an Glas­faser ange­bunden und gleich mit LTE ausge­stattet. Die Balder­schwanger sind hoch­zufrieden, denn sie haben jetzt eine moderne digi­tale Infra­struktur im Fest­netz und Mobil­funk. Down­load-Geschwin­digkeiten von bis zu 100 MBit/s sind ab sofort möglich.

Der Ort lebt vom Tourismus. Jetzt können Besu­cher ihre Fotos und Videos auch über die Luft­schnitt-Stelle per LTE oder WLAN schnell verteilen.

WLAN wich­tiger als Fern­sehpro­gramm

Der Ausbau mit Glas­faser stellt für die Gemeinde einen wich­tigen Standort-Vorteil dar. „Ein funk­tionie­rendes WLAN ist für Hotel­gäste heute oft noch wich­tiger als der Fern­seher“, sagt Konrad Kienle, erster Bürger­meister von Balder­schwang. „Urlaubs­gäste möchten mit Familie und Freunden in Kontakt bleiben. Sie wollen ihre Erleb­nisse teilen.

Alois Ried (Bürgermeister Ofterschwang und Stellvertretender Landrat), Walter Goldenits (Geschäftsführer Technik Telekom), Albert Füracker (Bayr. Staatsminister Finanzen und Heimat), Eric Beißwenger (Bayr. Landtag), Konrad Kienle (Bürgermeister Balderschwang) (v.l.)

Alois Ried (Bürgermeister Ofterschwang und Stellvertretender Landrat), Walter Goldenits (Geschäftsführer Technik Telekom), Albert Füracker (Bayr. Staatsminister Finanzen und Heimat), Eric Beißwenger (Bayr. Landtag), Konrad Kienle (Bürgermeister Balderschwang) (v.l.)
Foto: Deutsche Telekom

Da reicht heute ein Telefon-Anruf allein nicht mehr aus. Wir sind sehr froh, dass durch eine Kombi­nation aus staat­licher Förde­rung und Eigen­ausbau der Telekom unsere Gemeinde jetzt digital auf dem neuesten Stand ist.“

Natur weit­gehend geschont

Der Geschäfts­führer Tech­nologie Golde­nits kann stolz sein: „Wir sind als einziger Anbieter überall in Deutsch­land unter­wegs. Von den Nordsee-Inseln bis in die Alpen. Der Schutz der Natur und die Versor­gung mit Breit­band haben etwas gemeinsam: Beide gewinnen bei den Menschen immer mehr an Bedeu­tung. Bei diesem Projekt ist es uns gelungen, Natur­schutz und Breit­band-Versor­gung in Einklang zu bringen. Ich danke deshalb allen, die an diesem Projekt betei­ligt waren: den Gemeinden, Behörden, Anrai­nern und meinen Mitar­beitern von der Telekom.“

Kein alltäg­liches Projekt

Für ein solches Projekt sind umfang­reiche Planungen notwendig. Erste Gespräche fanden bereits Anfang 2018 statt. Neben den Gemeinden mussten die Eigen­tümer entlang der Trasse einge­bunden werden. Die zustän­digen Ämter wie Wasser­wirt­schaft, Natur­schutz, Forst­wirt­schaft mussten dem Vorhaben zustimmen. Im Mai 2018 wurden dann der genaue Tras­senver­lauf fest­gelegt und die notwen­digen Bauge­nehmi­gungen einge­holt. Gemeinsam mit der unteren Natur­schutz-Behörde wurde ein land­schafts­pfle­geri­scher Begleit­plan erstellt. Baube­ginn war im Juli 2018, denn für den Ausbau gab es nur ein schmales Zeit­fenster. In dem Ausbau-Gebiet herr­schen immer wieder extreme Witte­rungs­bedin­gungen. Jeder­zeit hätten Gewitter oder Schnee­fall den Ausbau stoppen können. Wegen des trockenen Sommers 2018 kamen die Ausbau-Arbeiter dann aber gut voran.

Glas­faser-Dream-Team

Vier Arbeiter, drei Bagger, ein Mulden­kipper und ein Vier­achs-LKW bildeten das Ausbau­team. Einer der Bagger wurde als Kabel­pflug genutzt. Im Schritt-Tempo bewegten sie sich durch die Land­schaft. Es ging 600 Höhen­meter bergauf und wieder 500 Höhen­meter hinunter. Manchmal standen die Maschinen in einem Gefälle von 40 Prozent, genau beob­achtet von gemüt­lich grasenden Rindern, der Senn-Bauern, die hier oben die berühmte "Alpen­milch" produ­zieren.

1500 Meter hohes Kabel

Den höchsten Punkt (1500 Meter über NN) erreichte das Kabel nahe der Hütte "Obere Wilhel­mine Alpe". Die Natur freut sich, denn über weite Stre­cken konnte das Leer­rohr scho­nend einge­pflügt werden. Die gezo­gene Furche wächst in wenigen Wochen wieder zu. Dem stimmt die Umwelt-Baube­glei­tung zu: Eingriffe in Natur und Land­schaft wurden während der Bauphase mini­miert.“

Zum Schluss noch etwas Tiefbau

In der Telekom-Betriebsstelle: Michael Tröndle (Projektleiter Telekom), Albert Füracker (Minister), Walter Goldenits (Telekom) (v.l.)

In der Telekom-Betriebsstelle: Michael Tröndle (Projektleiter Telekom), Albert Füracker (Minister), Walter Goldenits (Telekom) (v.l.)
Foto: Deutsche Telekom

Ab November fanden dann in Balder­schwang selbst letzte Tief­bauar­beiten statt. Es wurden die notwen­digen Vertei­lerkästen aufge­stellt und Anfang 2019 war das eigent­liche Ausbau-Projekt abge­schlossen.

Die folgenden Wochen waren notwendig, um den IT-Systemen der Telekom beizu­bringen, dass dort oben schnelles Internet gebucht werden kann.

Durch den Ausbau in Balder­schwang wird bald sogar Glas­faser bis ins Haus möglich sein, der Optical Line Terminal (OLT) steht schon. Ein Neubau­gebiet wurde bereits mit einem Glas­faser-Netz­verteiler ausge­stattet.

Der Mobil­funk-Standort der Telekom wird in der zweiten Jahres­hälfte auf Single-RAN umge­stellt. Damit ist sicher­gestellt, dass der Standort in Zukunft bei stei­gendem Bedarf schnell nach den Wünschen der Nutzer (2G, 3G, 4G) ange­passt werden kann. Balder­schwang ist damit also nicht nur „FTTH ready“, sondern auch „5G ready“.

Die Telekom zeigt die Schön­heit der Land­schaft und die tech­nischen Details auf ihrem Youtube-Kanal "Telekom­netz":

Was es mit einer neuen Sorg­losig­keit in den Bergen auf sich hat, lesen Sie in einer weiteren Meldung.


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