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29.03.2019 - 18:47
Kreativ finanziert

Bretten: Glasfasernetz kreativ vom Hersteller finanziert

Hersteller ZTE beschreitet kreative Wege beim Glasfasernetzausbau der BBV

Spricht man von Techniklieferanten für 5G, kommt oft die Rede auf China und das Unternehmen Huawei. Neben diesem großen Netzwerkausrüster gibt es noch das Unternehmen ZTE, welches ähnlich wie Huawei nicht nur preiswerte und leistungsfähige Smartphones, sondern auch günstige Netzwerkkomponenten für Mobilfunk- und Festnetz im Programm hat.

In Deutschland ist ZTE beispielsweise schon länger im Festnetz des in und rund um Köln verfügbaren Netzbetreibers Netcologne aktiv. Neben der Herstellung und Lieferung von Netzwerkkomponenten erwarten die Kunden von ZTE heute oft auch die Installation bis hin zum laufenden Betrieb eines Netzes. Oft fehlt das nötige Kleingeld, um die notwendigen Komponenten kaufen zu können. Das brachte ZTE auf den Gedanken, sich mit einer Investment-Gesellschaft zusammen zu tun. Das Problem dabei ist, das viele Kapitalgesellschaften nur in fertige, bereits laufende Netze investieren dürfen, weil ihre internen Regeln das so vorschreiben, denn nur ein funktionierendes Produkt verspricht irgendwann Gewinn.

Kooperationsmodell Bretten

Der chinesische Netzwerkausrüster ZTE liefert nicht nur Einzelkomponenten, sondern auch komplette Netze, betreibt sie und organisiert bei Bedarf noch die Finanzierung.

Der chinesische Netzwerkausrüster ZTE liefert nicht nur Einzelkomponenten, sondern auch komplette Netze, betreibt sie und organisiert bei Bedarf noch die Finanzierung.
Foto: Henning Gajek / teltarif.de

In Deutschland konnte ZTE bereits im Sommer 2017 gemeinsam mit der Primevest CP eine Kooperation mit der regional aktiven "Breitbandversorgung Deutschland (BBV)" für den Ausbau der badischen Kreisstadt Bretten (etwa 30.000 Einwohner) im Landkreis Karlsruhe mit Glasfaser starten.

Fünf Stadtteile wurden nach nur einem Jahr Bauzeit von der regionalen BBV-Tochter Rhein-Neckar in zwei Projektphasen an die Glasfaser angeschlossen. Neben Privathaushalten können seit Spätsommer 2018 Gewerbetreibende, Schulen und öffentliche Einrichtungen den schnellen Zugang zur Datenautobahn nutzen.

Zur Glasfasermesse FIBERDAYS19 des BREKO in Wiesbaden gaben die Unternehmen am Mittwoch nun die "dritte Stufe" bekannt. Bis Ende 2019 soll das Netz in der Kernstadt von Bretten fertig gestellt sein. Im Rahmen dieses Glasfaserprojekts, das ein Volumen von etwa 20 Millionen Euro hat, sollen dann insgesamt über 700 Kilometer Glasfaserkabel verlegt worden und Glasfaseranschlüsse für mehr als 12.000 Haushalte möglich sein.

Wer ist die BBV Deutschland?

Die bundesweit über regionale Gesellschaften tätige Breitbandversorgung Deutschland (BBV) schließt Privat- und Geschäftskunden direkt mit Glasfaser (FTTH) an das Internet an. Eigentümer des Unternehmens ist der RiverRock European Opportunities Fund, ein auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisierter Investor in Deutschland und Westeuropa. Der Schwerpunkt seines Netzwerkausbaus liegt in mit Breitband unterversorgten, ländlichen Gebieten.

„Als regionaler Netzbetreiber und Vermarkter liegen uns die enge Zusammenarbeit mit der Stadt, eine offene Kommunikation mit allen Beteiligten sowie der diskrete Ausbau besonders am Herzen“, erläutert Manfred Maschek, Geschäftsführer der BBV. „So informieren wir die Bürgerinnen und Bürger regelmäßig aktuell über verschiedene Kommunikationskanäle, wann der Ausbau bei Ihnen losgeht. Zudem stellen wir unseren bereits angeschlossenen Brettener Privat- und Geschäftskunden bereits seit Anfang Februar bundesweit als allererster Netzbetreiber symmetrische Dienste von 100 Mbit/s bis 1 Gbit/s bereit.“ Für BBV ist die Stadt Bretten damit ein Vorzeigeprojekt.

Wer ist ZTE ?

ZTE (für Zhong Xing Telecommunication Equipment Company Limited) aus China ist ein Anbieter von Telekommunikationssystemen, mobilen Endgeräten und Netzwerklösungen für Mobilfunkbetreiber, Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und private Anwender. Das Unternehmen ist an den Börsen Hongkong und Shenzhen notiert und liefert Produkte und Services an über 500 Netzbetreiber in mehr als 160 Ländern. ZTE investiert mindestens zehn Prozent seines Jahresumsatzes in Forschung und Entwicklung und wirkt in vielen internationalen Standard-Gremien mit.

„ZTE unterstreicht mit diesem Projekt auch seine führende Rolle in der Entwicklung neuer Kooperationsmodelle“, erläutert Jie Sun, Geschäftsführer der ZTE Deutschland GmbH. „Der Glasfaserausbau in Deutschland schreitet eher schleppend voran. Wir haben hier gezeigt, dass es auch schnell gehen kann – ganz im Sinne unserer Unternehmensphilosophie, die unseren Kunden eine schnelle Projektumsetzung aus vertrauenswürdiger Hand garantiert.“ ZTE ist in dieser Kooperation nicht nur der Techniklieferant, sondern auch der Generalunternehmer – ZTE übernimmt die Finanzierung des Netzbaus, sorgt für den schlüsselfertigen Aufbau und verkauft es nach Fertigstellung phasenweise an Primevest Capital Partners, die das fertige Netz dann an den Betreiber BBV vermietet. „Dieses Geschäftsmodell ist eine Innovation für den deutschen Markt, die das Potential hat, Schule zu machen“, betont der ZTE-Geschäftsführer.

Wer ist Primevest Capital Partners?

„Vertrauenswürdige Partner und hundertprozentige Zuverlässigkeit sind für einen Real Asset Manager wie die Primevest Capital Partners die Grundlage für eine geschäftliche Kooperation“, betont Dr. Peter Selgert, Consultant für die Kommunikationsinfrastruktur bei der Primevest Capital Partners. „Die Zusammenarbeit mit ZTE und der BBV zeigt, dass unsere Kooperation für den privatwirtschaftlich finanzierten Aufbau eines Glasfasernetzes ein Erfolgsmodell ist.“ Zur Finanzierung von flächendeckenden, regionalen Glasfaserkabelnetzen hat Primevest Capital Partners (früher Bouwfonds IM) im Jahre 2017 den „Primevest Communication Infrastructure Fund“ aufgelegt, über den in Deutschland zwischen 500 und 600 Millionen Euro in den Aufbau einer passiven Netzinfrastruktur investiert werden.

Primevest Capital Partners („Primevest CP“) hat sich auf "innovative Strategien für Real Asset Vermögensanlagen" spezialisiert. Das Unternehmen verfügt aktuell über ein verwaltetes Vermögen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro, das auf die verschiedenen institutionellen Fonds und Mandate verteilt ist.

Eine Einschätzung

Die Lage ist verzwickt. Ein Ort möchte schnelles Internet, fragt die Telekom und die winkt erst mal ab, weil es "lohnt sich nicht". Dann kann man den Förderweg beschreiten, der ist kompliziert und langwierig und bei Erfolg kann die Telekom wieder mit im Boot sein. Das muss aber nicht sein, weil es inzwischen einige private Unternehmen gibt, die sich speziell auf "internetschwache" Regionen mit Potenzial konzentrieren. Wenn sich dann ein Netzwerklieferant mit einem Finanzinvestor zusammentut und gemeinsam ein kreatives Finanzierungsmodell entwickelt, klingt das interessant.

Für den Kunden da draußen ist natürlich schwer abzuschätzen, ob die hohen Versprechungen der "neuen unbekannten Anbieter" auch erfüllt werden können. Sei es, dass im Zuge der Vorvermarktung zu wenige unterschreiben, denn diese Investoren bauen nur, wenn sie vom Start weg gleich 40 oder noch mehr Prozent Verträge bekommen. Bis die Netze dann wirklich laufen, kann es zur nervenzereissenden Zitterpartie werden. Denn solche Projekte können auch gewaltig schief gehen, wenn sich die Beteiligten - wie neulich im Landkreis Cham - "verrechnet" haben. Auch die BBV hatte im südpfälzischen Römerberg mit allerlei Problemen zu kämpfen, bis das Netz endlich so lief, wie gedacht.


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