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08.09.2019 - 17:55
Mobilfunkversorgung

Editorial: Back to 2G

Sisyphus-Arbeit Netzausbau: Die Problemregion meldet sich zurück

Es ist IFA, alle Welt kommt nach Berlin, um am Messe­gelände "unter dem Funk­turm" die neueste Elek­tronik zu bestaunen. Beide Keynote-Vorträge des ersten Messe­tages drehen sich um das neue Handy­netz 5G. Aner­kennend regis­trieren die Besu­cher, dass die Deut­sche Telekom bereits den kommer­ziellen 5G-Betrieb gestartet hat: Im Berliner Zentrum und auf dem Messe­gelände werden Down­load-Geschwin­digkeiten von bis zu 1 GBit/s auch in der Praxis erreicht.

Von einem anderen Drama, das gleich­zeitig in Berlin statt­findet, bekommen die auslän­dischen Besu­cher hingegen wenig mit: Da sich deren Smart­phone beim Roaming in der Regel in das Netz einbucht, das am schnellsten antwortet, erleben sie nur selten das Netz von Telefónica/o2. Würden sie es doch tun, würden sie im Berliner Innen­stadt­bereich ihre Erfah­rungen wohl mit "back to the roots" oder "zurück nach 2G" beschreiben.

Speedtest im o2-Netz am Berliner Hauptbahnhof

Speedtest im o2-Netz am Berliner Hauptbahnhof: Schnell geht anders, aber immerhin ist das Netz noch nutzbar.
Screenshot: teltarif.de

Da passiert es bei der Einfahrt mit der S-Bahn in den Berliner Haupt­bahnhof schonmal, dass die Geschwin­digkeit auf 1 bis 2 MBit/s zurück­fällt. Anschlie­ßend wech­selt das Smart­phone ange­sichts des über­lasteten 4G-Netzes nach 3G, was der Daten­rate frei­lich nicht hilft: Mit der Weiter­fahrt zur Fried­rich­straße und zum Hacke­schen Markt sinkt die Daten­rate weiter. Selbst WhatsApp-Chats werden zur Qual. Worst Case hat der Autor dieser Zeilen am IFA-Abend im o2-Netz im Ostber­liner Zentrum gerade mal noch 0,07 MBit/s im Down­stream gemessen. Die Upstream-Messung brach gar ganz ab. Derselbe Netz­betreiber schafft in der Berliner Peri­pherie mit demselben Smart­phone locker 50 MBit/s down und 20 MBit/s up. Es liegt also weder am Netz­betreiber an sich noch am verwen­deten Smart­phone, dass die Ergeb­nisse im Zentrum so schwach sind.

Bereits vor zwei Jahren iden­tifi­zierte Telefónica das Gebiet rund um die Berliner Fried­rich­straße bereits als Problem­region. Das zuvor jahre­lang kriti­sierte Funk­loch am Berliner Haupt­bahnhof war damals gerade besei­tigt worden. Viel getan wurde anschei­nend nicht seitdem: Inzwi­schen meldet sich das Haupt­bahnhof-Funk­loch zurück. Und auch Fried­rich­straße, Hacke­scher Markt und Alex­ander­platz werden zur Problem­region, wenn sich Freitag Abend das Party­volk über die ange­sagtesten Loca­tions austauscht oder Samstag nach­mittags die Touristen ihre Schnapp­schüsse nach Hause senden.

Hinter dem Hauptbahnhof bricht die Datenrate endgültig ein

Hinter dem Hauptbahnhof wechselt das Smartphone auf 3G: Die Datenrate bricht endgültig ein
Screenshot: teltarif.de

Der Mobil­funk-Netz­ausbau bleibt eine Sisy­phus-Arbeit: Kaum glaubt man, es geschafft zu haben, kommen die Kunden und entde­cken neue Möglich­keiten der Smart­phone-Nutzung. Nur ein Beispiel: Auf den genannten IFA-Keynotes erläu­terte BMW, dass Karten-Updates derzeit so funk­tionieren, dass die Fahr­zeuge bei Diskre­panzen zwischen dem im Fahr­zeug verfüg­baren Karten­mate­rial und der tatsäch­lich gefah­renen Strecke entspre­chende Infor­mationen an die Server senden. Künftig wolle man wegen der erwei­terten Verar­beitungs­möglich­keiten die zuge­hörige Verar­beitung in die Cloud verla­gern. Entspre­chend leis­tungs­fähig müssten künftig die Netze sein, um laufend einen Live­stream aller fahrenden Autos über­tragen zu können.


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