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05.02.2020 - 15:18
Notruf-Netz

UMTS-Abschaltung: Gefahr für europäischen eCall-Notruf?

Telekom, Vodafone, o2: 3G-Abschaltung bis 2022?

Seit 2018 ist in Europa das auto­mati­sche Notruf­system mit dem Namen eCall für Neufahr­zeuge gesetz­lich vorge­schrieben. Der Auto­mobil­club ADAC kriti­siert, dass die Auto­hersteller diese Verpflich­tung nur mangel­haft umsetzen.

Bei jedem Auto­unfall zählt jede Sekunde. Um schneller Hilfe holen zu können, wurde der auto­mati­sche eCall euro­paweit einge­führt. Drückt man im Auto eine Notruf­taste oder lösen die Airbags aus, wird auto­matisch über Mobil­funk der Rettungs­dienst alar­miert. Auch der Standort des verun­fallten Fahr­zeuges kann so direkt an den Rettungs­wagen über­mittelt werden.

Das eCall-System funk­tioniert über eine spezi­elle SIM-Karte, die fest im Auto in einem Notruf­modul verbaut ist. Den verpflich­tenden Einbau von eCall würden die Auto­bauer laut ADAC dadurch vermeiden, indem sie bereits bestehende Typge­nehmi­gungen von Vorgän­germo­dellen einfach "fort­schreiben". Das sei für acht Jahre noch in Ordnung, finden die ADAC-Experten, danach müsste es aber neue Geneh­migungen geben, worin dann alle dann aktu­ellen Stan­dards zu berück­sich­tigen wären. Der ADAC schlägt vor, alle neuen Autos auf dem Markt seri­enmäßig mit einem eCall-Modul auszu­statten.

Unter­schied­liche Notruf­systeme

Das europäische eCall-Verfahren schlägt nach Unfällen automatisch Alarm, sofern es weiterhin passendes Netz findet.

Das europäische eCall-Verfahren schlägt nach Unfällen automatisch Alarm, sofern es weiterhin passendes Netz findet.
Foto: ADAC e.V.

Außer dem gesetz­lich defi­nierten "eCall" haben verschie­dene Hersteller schon "eigene" Notruf­systeme instal­liert. Der Unter­schied: Ein Notruf geht dann erst einmal an den Fahr­zeug­hersteller oder ein vom ihm beauf­tragtes Call­center, welches im Falle eines Falles den "echten" Rettungs­dienst alar­mieren würde.

Für den ADAC ist klar: Dabei könnte nicht nur wert­volle Zeit, sondern auch lebens­wich­tige Infor­mationen verloren gehen. Beim Roten Kreuz sieht man das anders: Die Rettungs­leit­stellen könnten vom geschulten Call­center umfas­sendere Infor­mationen bekommen. Fehl­anrufe würden "heraus­gefil­tert" und die offi­ziellen Rettungs­leit­stellen entlasten.

Keine Antwort aus dem Fahr­zeug?

Bei der staat­lichen Vari­ante des eCall wird bei einem Unfall auto­matisch eine Sprech­verbin­dung zum Insassen des Fahr­zeuges aufge­baut. Was aber, wenn aus dem Auto niemand mehr antwortet? Liegen Fahrer oder Beifahrer bereits verletzt außer­halb des Fahr­zeuges? Oder geht es ihnen gut und sie tele­fonieren längst mit einem Abschlepp­unter­nehmen oder der Versi­cherung? In solchen Fällen müsste trotzdem mindes­tens ein Rettungs­wagen auf Verdacht zur Unfall­stelle geschickt werden.

Was ist ohne 3G?

Wegen der langen Vorbe­reitungs­zeiten sind die verbauten Tele­fonmo­dule für eCall in den Autos schon älter. Sie beherr­schen daher nur 2G (GSM), oft auch 3G (UMTS). Das für Tele­fonie notwen­dige VoLTE (Sprache über LTE) beherr­schen sie meis­tens noch gar nicht oder die verbauten SIM-Karten sind dafür gar nicht frei­geschaltet. Bei 5G ist die Sprach­über­tragung noch gar nicht endgültig defi­niert.

Was wird passieren, wenn bald - wie geplant - alle 3G-Sender abge­baut und durch 4G oder künftig auch 5G ersetzt werden? Dann könnten die Notruf­module nur noch über 2G Hilfe holen. Einige Länder haben aber bereits die Abschal­tung von 2G vorge­sehen oder sogar schon voll­zogen. Wird dadurch der Notruf bald wesent­lich einge­schränkt?

Die Gefahr ist real: Die Telekom Deutsch­land will bis Ende 2021 ihr komplettes 3G-Netz abschalten, auch bei Voda­fone soll in etwa zwei Jahren Schluss mit UMTS sein, Telefónica peilt den glei­chen Zeit­raum an. Erste vorsich­tige Frequenz-Umstel­lungen werden hier und da schon erprobt.

Die Netz­betreiber fühlen sich durch Vorgaben der Bundes­netz­agentur zum Netz­ausbau unter Druck. Für den paral­lelen Betrieb von vier Mobil­funk­genera­tionen (2G-5G) fehlen ihnen die Möglich­keiten oder es wäre zu teuer.

Nach­rüstungen unwahr­schein­lich

Bereits verbaute Geräte in den Fahr­zeugen lassen sich nicht per einfa­chem Soft­ware­update von 3G auf 4G umstellen. Statt­dessen müsste in alle Autos ein komplett neues Sende­modul einge­baut werden. Nur wer soll diese Umrüs­tung bezahlen? Da diese Module irgendwo tief im Fahr­zeug verbaut sind, wäre das mit großem Aufwand verbunden.

Forde­rung: 3G erst 2035 abschalten?

Damit nicht der Notruf in einigen Regionen bald gar nicht mehr funk­tioniert, fordern der ADAC und der Verband der Auto­mobil­indus­trie (VDA) gemeinsam, von den Mobil­funk­netz­betrei­bern, den Rückbau von 3G bis mindes­tens 2035 komplett zu stoppen. Auf euro­päischer Ebene will man die eCall-Verord­nung bisher noch nicht ändern, teilte die EU-Abge­ordnete Evelyne Gebhardt (SPD) dem Baye­rischen Rund­funk mit. Immerhin versucht die EU-Kommis­sion bereits zu ermit­teln, wie der eCall mit 3G, 4G oder 5G weiter zuver­lässig ermög­licht werden könnte.

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