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03.06.2019 - 10:16
Studie

Smartphones werden als Radiogeräte maßlos überschätzt

Benutzererfahrung ist alles andere als optimal

Viele Hörfunk­unter­nehmen sehen Smart­phones als Radio­geräte der Zukunft und wünschen sich die Mobil­tele­fone als wich­tigen Bestand­teil bei Migra­tions­szena­rien vom analogen zum digi­talen Hörfunk. Eine aktu­elle Unter­suchung aus Groß­britan­nien (RAJAR Midas Audio Survey) zeigt: Auf Smart­phones spielt Radio­hören zwar eine Rolle, zumeist über Streams, seltener auch, falls über­haupt noch einge­baut, über UKW. Aller­dings machen Live-Radio gerade einmal 20 Prozent aller Audio-Inhalte aus, die über Mobil­tele­fone konsu­miert werden.

In den USA wird nach Erhe­bungen des Markt­forschungs­insti­tuts Edison Rese­arch, die auf den Münchner Medi­entagen 2018 vorge­stellt wurden, über digi­tale Endge­räte wie Smart­phones oder Tablets sogar nur in 8 Prozent der Audio-Nutzungs­zeit Live-Radio gehört.

Benut­zerer­fahrung subop­timal

Nur 20 Prozent der Audioanwendungen auf Smartphones entfallen auf Live-Radio

Nur 20 Prozent der Audioanwendungen auf Smartphones entfallen auf Live-Radio
Bild: teltarif.de / Michael Fuhr

Der Radio-Futu­rologe James Crid­land hat hierfür eine einfache Erklä­rung: Die Benut­zerer­fahrung sei alles andere als optimal, sagt er in einem Beitrag des Maga­zins "Radio­szene". In der Tat muss man beim Radio­konsum per Smart­phone immer erst eine App starten und den gewünschten Sender suchen, statt einfach den Einschalt­knopf zu betä­tigen. Will der Nutzer nicht quäkenden Sound von den zumeist schlechten Laut­spre­chern des Smart­phones, müsste er das Mobil­telefon per Blue­tooth oder per Kabel mit der HiFi-Anlage oder drahtlos mit Blue­tooth- oder Multi­room-Laut­spre­chern verbinden. Vielen ist das zu aufwendig. Wenn man einen UKW-Sender hört, würden zudem keine Logos ange­zeigt und es gebe nahezu keine Meta­daten, betont Crib­land.

App-Nach­richten via Katwarn und Co., seien zudem wesent­lich effek­tiver, wenn es darum geht, eine unmit­telbar bevor­stehende Gefahr (wie Stürme oder Feuer) bekannt zu geben. "Radio mag hier einmal wichtig gewesen sein, aber inzwi­schen hat sich das Blatt gewendet", sagt Crib­land.

Musik­strea­ming schlägt Live-Radio

Was beim Smart­phone jedoch im Bereich Audio funk­tioniert, sind non-lineare Dienste wie Musik­strea­ming, Podcasts oder Audio­theken - also alles, wozu inter­aktives Handeln durch die Nutzer gefor­dert ist. Musik­strea­ming-Dienste wie Spotify oder Amazon Music gelten hierbei aber eher als Konkur­rent des klas­sischen Radios.

Crib­land spricht sich in seinem Plädoyer an die Indus­trie daher weiter für externe Hard­ware wie Koffer­radios, Boom­boxen, Kompakt­anlagen oder HiFi-Tuner aus: "Wir sollten unsere Energie lieber darauf verwenden, unsere Hörer zu unter­halten, statt magi­sche Einhörner zu jagen, deren Nutzen eher zwei­felhaft ist."


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