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Analoger Dinosaurier

UKW: Das Ultrakurzwellen-Radio

UKW-Radios sterben bald aus. Wir wagen den Vergleich zu seinen Nachfolgern.

Das klas­sische Radio, mit dem wir alle aufge­wachsen sind, ist das Ultra­kurzwellen-Radio (kurz: UKW-Radio). Unsere älteren Lese­rinnen und Leser erin­nern sich viel­leicht noch an Zeiten, in denen sie mit dem Kassetten­rekorder vor dem Radio­gerät saßen, um ihre Lieblings­lieder aufzu­nehmen. Diese Zeiten sind vorbei - und auch die Tage des klas­sischen Radios sind ange­zählt. Längst ist es nicht mehr konkur­renzlos. Auf Dauer ist sogar absehbar, dass das analoge UKW-Radio seinen digi­talen Kontra­henten weichen wird. Die größten dieser Kontra­henten sind DAB+ und Inter­netra­dios.

Das Ende des UKW-Radios

Die grafische Darstellung eines Radios, dazu der durchgestrichene Schriftzug: UKW.

Das Ende des UKW-Radios scheint langfristig unabwendbar. Seine Nachfolger sind DAB+ und Internetradio.
teltarif.de - Jacqueline Bopp

Eigent­lich war das Ende des analogen Radios bereits beschlos­sene Sache. Bis 2010 sollte der UKW-Rund­funk zugunsten des alter­nativen Übertragungs­verfahrens DAB abge­stellt werden. DAB konnte sich aller­dings nicht durch­setzen, daher wurden diese Pläne wieder verworfen. Mit DAB+ star­tete 2011 ein Über­tragungs­verfahren, das sich wesent­lich besser zu behaupten scheint als sein Vorgänger.

Lang­fristig ist abzu­sehen, dass UKW zugunsten von DAB+ abtreten wird. Dafür werden schon allein die vielen Interessens­gruppen Sorge tragen, die auf DAB+ setzen. Lang­fristig heißt hier aller­dings nicht inner­halb der nächsten fünf Jahre. Vorsich­tige Schät­zungen gehen davon aus, dass frühes­tens 2025 an eine Ab­schaltung des UKW-Rund­funks in Deutsch­land zu denken sei.

UKW-Radios haben eine lange Tradi­tion. Seit 1949 sind sie in Deutsch­land im Regel­betrieb; 24 Jahre vorher wurde in Jena die welt­weit erste UKW-Über­tragung durch­geführt. Die Tech­nologie hat sich bewährt, viele der Radio­sender sind einem ans Herz gewachsen und manch einer wäre traurig, würde sein Lieblings­sender den Sprung auf DAB+ nicht schaffen. Das UKW-Radio hat jedoch einige Macken. Etwa das Rauschen, das einen opti­malen Klang­genuss verhin­dert. Oder die Tat­sache, dass das Frequenz­band inzwi­schen derart belegt ist, dass kaum neue Radio­sender mehr hinzu­kommen können. Die beiden digi­talen Alter­nativen kommen ohne diese Macken und bieten darüber hinaus sogar noch zusätz­liche Vorteile. Aber sie haben auch ihre ganz eigenen Schwach­stellen. Auf diese Stärken und Schwä­chen von DAB+ und Internet­radios lohnt es sich, einen genaueren Blick zu werfen.

Inter­netra­dios

Internet­radios, auch Web­radios genannt, ermög­lichen es, über das Internet Radio zu empfangen. Die Wege, auf denen man dies tun kann, sind zahl­reich: Internet­radio lässt sich über Smar­tphone, Laptop und PC hören. Darüber hinaus gibt es spezi­elle Radio­geräte für Küche und Bad, Bau­teile für die HiFi-Anlage im Wohn­zimmer und sogar Lösungen für das Radio­hören im Auto.

Der größte Trumpf, mit dem das Internet­radio aufwartet, ist sein Angebot an empfang­baren Sendern. Hier ist es nicht nur UKW, sondern auch DAB+ deut­lich über­legen: Der Empfang ist nicht lokal beschränkt, sondern lässt seine Hörer aus einem welt­weiten Sorti­ment mit tausenden von Sendern frei wählen. Als eine weitere Stärke wird oft die geringe Einstiegs­hürde genannt: WLAN und Smart­phone oder Computer sind ohnehin schon in den meisten Haus­halten vorhanden. Alles, was nun noch fehlt, um Interne­tradio zu hören, ist der Wille dazu.

Die Webradio-Tech­nologie bringt jedoch ihre eigenen Schwä­chen mit sich. Die größte davon hängt mit ihrer mangelnden Mobi­lität zusammen: Außer­halb des WLAN-Empfangs­bereichs wird stets eine mobile Daten­verbindung benö­tigt. Und diese braucht durch den Musik­empfang sehr schnell das monat­liche Daten­volumen auf, sodass sich mobiles Radio­hören immer nur kurz­zeitig empfiehlt. Bei Aufent­halten im Ausland empfiehlt es sich aufgrund der Roaming-Kosten sogar über­haupt nicht.

Selbst mit einer Daten-Flat­rate ist mobiler Web­radio-Genuss nicht überall sorgen­frei möglich. Einer­seits gibt es auch hier oft eine Dros­selung der Band­breite nach einem bestimmten Volumen­verbrauch, die dann möglicher­weise nicht mehr zum Radio­hören ausreicht. Ande­rerseits kann gerade in länd­lichen Gebieten der Radio-Stream trotz ausrei­chenden Daten­volumens abbre­chen, da hier das Mobil­funk­netz noch immer größere Löcher aufweist. Über­haupt ist das Internet - egal ob Breit­band oder Mobil­funk - störungs­anfälliger als der Ultra­kurz­wellen-Rund­funk, der sogar in Notfällen noch betrieben werden kann.

Zu den unan­geneh­meren Eigen­heiten des Internet­radios zählt außerdem, dass das eigene Nutzungs­verhalten durch die Spei­cherung von IP-Adressen prin­zipiell durch Dritte nach­voll­ziehbar ist. Dies ist im herkömm­lichen Rund­funk gänz­lich unmög­lich.

DAB+: Digital Audio Broad­casting Plus

DAB+ ist ein Übertragungs­verfahren für digi­tales Antennen­radio. Seit August 2011 wird auf diesem Weg der Bundes­mux, das erste bundes­weite Programm­paket, über­tragen.

Da bei DAB+ mehrere Sender auf der glei­chen Frequenz senden können, ist das Frequenz­band nicht so schnell belegt wie beim UKW-Rund­funk. Durch eine größere Programm­auswahl könnten wesent­lich mehr Nischen und Sparten abge­deckt werden als bisher. Zusätz­lich zu den Main­stream-Sendern ist hier zum Beispiel Platz für Sender wie lulu.fm, dessen Ziel­gruppe die deutsch­sprachige LGBT-Commu­nity (Lesbian, Gay, Bise­xual, Trans­gender) ist. Die Programm­auswahl wird zwar nie so groß sein wie die des Webra­dios, dafür hat DAB+ jedoch keine Probleme beim mobilen Empfang.

Ein weiterer Trumpf, mit dem DAB+ aufwarten kann, ist der Mit­versand von Zusatz­informationen. Je nach Display kann nicht nur Text ange­zeigt werden, der über Musik­titel infor­miert, Nachrichten­schlag­zeilen oder Programm­übersichten vermit­telt, sondern auch Bilder, sodass beispiels­weise Wetter­karten darge­stellt werden können.

Schwierig zu bewerten ist die Frage nach der Ton­qualität. Diese wird oft als großer Vor­zug aufge­führt - und unstrittig ist auch, dass das Rauschen, das man aus dem UKW-Radio gewöhnt ist, hier nicht auftritt. Aller­dings beschweren sich viele Nutzer - darunter mehrere unserer Lese­rinnen und Leser - über einen blechernen Klang. Wir haben daher Ursachen­forschung betrieben und dabei heraus­gefunden, warum der Klang von Digital­radios manchmal wenig über­zeugend ist.

Drei Schwach­punkte von DAB+

Zur Zeit machen vor allem drei Mängel DAB+ unat­traktiv. Diese haben aller­dings weniger mit der Technik selbst zu tun als viel­mehr mit ihrer jetzigen Umset­zung. Es ist also gut möglich, dass diese Punkte irgend­wann obsolet sein werden.

  1. Zu wenig Sender. Zwar können letzten Endes sehr viel mehr Sender ihr Programm über DAB+ ausstrahlen als über UKW, aber noch tun dies sehr viel weniger. In einigen Gegenden hat man daher nur die Wahl zwischen den öffent­lich-recht­lichen Programmen.
  2. Hoher Aufpreis in Autos. Wer einen Neu­wagen mit vorver­bautem Digital­radio anstelle eines klas­sischen Radios haben möchte, muss oft einen saftigen Auf­preis bezahlen. Je mehr sich DAB+ durch­setzen wird, desto wahr­schein­licher ist es, dass diese Auf­preise verschwinden werden. Außerdem werden aus der Politik immer wieder Stimmen laut, die nach einem DAB+-Pflicht­chip in allen Radios schreien.
  3. Netz­ausbau nicht abge­schlossen. In vielen Gegenden abseits der Groß­städte ist die DAB+-Abde­ckung noch unvoll­ständig. Haben Sie hier nur die DAB+-Tech­nologie zur Verfü­gung, wird Ihr Radio einfach schweigen. Um unan­genehme Über­raschungen zu vermeiden, können Sie sich unter folgendem Link infor­mieren, wohin das Netz bereits reicht und welche Sender dort zu empfangen sind: Empfangsprognose.de.

Viel Lärm um nichts

Die grafische Darstellung eines Radios.

Klare Fakten sind im Streit um die Radiostandards schwer auszumachen.
Bild: teltarif.de - Jacqueline Bopp

In der Debatte um die Zukunft des Radios ist es für den Hörer nicht einfach, sich zu infor­mieren, da die meisten der angeb­lichen Fakten und Argu­mente, die man häufig liest, interessen­gefärbt sind. Hier streiten dieje­nigen, die sich durch die Umstel­lung auf DAB+ Profit verspre­chen gegen dieje­nigen, die durch die UKW-Abschal­tung Verluste fürchten. Zur ersten Riege zählen vor allem die öffent­lich-recht­lichen Sender, zu letz­terer die Privat­radios. Der einfluss­reichste DAB+-Befür­worter ist der Verein Digi­talradio Deutsch­land, wohin­gegen sich die Gegner haupt­säch­lich im Privat­radio­verband VPRT orga­nisieren. Beiden ist gemeinsam, dass sie ihre Argu­mente so darstellen, als wären ihre Inter­essen im Sinne der Hörer - und die des Gegners nicht. So sagt Dr. Wili Steul, Vor­sitzender des Vereins Digi­talradio Deutsch­land und Inten­dant des Deutsch­land­radios, DAB+ sei "moderner, effi­zienter, umfang­reicher und persön­licher als UKW: Es bietet mehr Sender für unter­schiedliche Ziel­gruppen, ist dank digi­taler Empfangs­technik rausch­frei und liefert Zusatz­infos zum laufenden Programm als Text oder Bild. Es bietet mehr Viel­falt auf ausrei­chend freien Kapa­zitäten zu weit güns­tigeren Verbreitungs­kosten als bei der analogen UKW-Tech­nologie".

Zwei Dinge sind hier bemer­kens­wert. Zum einen, dass DAB+ persön­licher sei, weil es mehr unter­schied­liche Ziel­gruppen anspricht. Das ist frei­lich eine etwas eigen­sinnige Verwen­dung des Wortes persön­lich. Niemand würde den großen Super­markt, in dem man von Auto­zubehör bis Zahn­putz­becher alles findet, als persön­licher als den kleinen Tante-Emma-Laden bezeichnen, nur weil es dort eine größere Auswahl gibt und er daher für eine größere Ziel­gruppe inter­essant ist. Eher das Gegen­teil ist der Fall.

Zum anderen ist es inter­essant - wenn auch nicht falsch -, dass Steul hier das Wort Viel­falt benutzt. Mit diesem Wort argu­mentierte nämlich auch der VPRT gegen eine Roadmap der Bundes­länder zum Über­gang von UKW auf DAB+. Der Verband forderte, die Länder mögen "im Sinne der Vielfalts­sicherung im dualen System agieren" und die Roadmap daher ablehnen. Gemeint ist vermut­lich die Viel­falt von Privat­sendern gegen­über öffent­lich-recht­lichen Sendern.

Man sieht: Beide Parteien werfen mit möglichst positiv besetzten Worten um sich, wenn sie ihre eigenen Inter­essen beschreiben. Wie sinn­voll, wie infor­mativ - und wie objektiv dies am Ende für die Verbrau­cher ist, ist eine Frage, um die sich dann andere kümmern müssen.

Wir erle­digen das gerne für Sie. Lesen Sie hier die neuesten Nach­richten und infor­mative Ratgeber zum Thema UKW-Radio.

Als zukünf­tige Über­tragungs­technik für mobile Geräte wird momentan 5G Broad­cast entwi­ckelt.

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