mobil.teltarif.de
Suche Desktop-Version
Menü
04.08.2019 - 16:03
Getestet

Surfroam Pro im Test: LTE für Bastler bei Roaming-SIM

SIM-Toolkit, Manuelle Netzsuche und manueller APN

Im vergan­genen Jahr hatte teltarif.de die Roaming-SIM von Surfroam getestet. Das dama­lige Ergebnis: Einfache Bestel­lung, schnelle Liefe­rung, einfache Einrich­tung und ein trans­parentes Tarif­system, weil ledig­lich pro MB abge­rechnet wird. Daten­pakete oder Flat­rates gibt es nicht.

Die Auslie­ferungs-Vari­ante von Surfroam nimmt in den Reise­ländern aller­dings nur Kontakt mit GSM- und UMTS-Netzen auf. Da UMTS-Netze welt­weit in den kommenden Jahren eine ausster­bende Spezies sein werden, hat Surfroam nun auch einen "Pro-Account" kreiert, mit dem man auch in vorhan­denen LTE-Netzen roamen kann. In Deutsch­land sind mit Surfroam nun beispiels­weise die LTE-Netze aller drei Netz­betreiber zugäng­lich.

Doch bis der Kunde das geschafft hat, ist einiges an Bastel­arbeit notwendig, wie wir in unserem Test fest­stellen mussten.

Surfroam jetzt mit LTE - für Bastelfreunde

Surfroam jetzt mit LTE - für Bastelfreunde
Bild: Surfroam, Screenshot: teltarif.de

Tarif­liche Voraus­setzungen für die LTE-Nutzung

Laut Surfroam bleibt es dabei, dass die SIM-Karte im Auslie­ferungs­zustand nur in GSM- und UMTS-Netzen roamt. Denn für die LTE-Nutzung gelten zum Teil auch andere Preise. In einer aktua­lisierten Preis­liste hat Surfroam alle Part­nernetze welt­weit aufge­listet und den jewei­ligen Preis pro MB aufge­führt. Außerdem ist dort auch vermerkt, welches Netz das LTE-Netz ist. Dabei entdeckt man beispiels­weise für Deutsch­land das Kuriosum, dass 1 MB in den drei LTE-Netzen jeweils 1 Cent kostet, 1 MB in den "alten" Telefónica-Netz­stan­dards aber auch 5 Cent pro MB kosten kann.

Surfroam schreibt, dass die LTE-Nutzungs­möglich­keit für die Karte grund­sätz­lich "kostenlos" frei­geschaltet wird. Das haben wir aber absicht­lich in Anfüh­rungs­zeichen gesetzt. Denn wer bei Surfroam auf der Webseite den Pro-Account bestellt, muss zuvor mindes­tens 100 Euro Guthaben aufladen. Dann erst schaltet Surfroam die bestehende SIM für LTE frei.

Surfroam "kassiert" dieses Guthaben aller­dings nicht, sondern die 100 Euro stehen dem Kunden anschlie­ßend in voller Höhe für den eigenen Verbrauch zur Verfü­gung.

Bastel­arbeit: So wird die SIM für LTE konfi­guriert

Um wirk­lich LTE nutzen zu können, ist für den Surfroam-Nutzer nach der Pro-Account-Frei­schal­tung nun aber einiges an Arbeit notwendig. Der Kunde muss wissen, was ein SIM-Toolkit ist, wie man manuell ein Netz auswählt und wie man manuell einen APN konfi­guriert.

Im Menü des Smart­phones muss der Kunde nach dem Einlegen der SIM als erstes das SIM-Toolkit aufrufen, das auch "Profile" heißen kann. Hier gibt es unter "Select Loca­tion" außer "Auto­matic" die Regi­onsein­stel­lungen "Global", "Global+" und "Ultra" zur Auswahl. In der oben verlinkten Preis­liste muss der Kunde nun nach­schauen, welches Profil er für das bevor­zugte LTE-Netz wählen muss. Für Voda­fone Deutsch­land ist das beispiels­weise "Ultra", für Telefónica und Telekom Deutsch­land jedoch "Global". Vorein­gestellt ist in Deutsch­land der Regel aller­dings "Global+" für die UMTS-Netze. Nach der Auswahl des Profils muss in der Regel das Handy neu gestartet werden.

Im nächsten Schritt muss der Kunde - egal für welchen Netz­betreiber - manuell einen APN anlegen und vorher mögli­cher­weise alle anderen APNs im Handy löschen. Bei Name und APN werden jeweils "global­data" einge­tragen, alle anderen Felder bleiben leer. Im letzten Schritt kann der Kunde nun mit der manu­ellen Netz­wahl das entspre­chende Netz auswählen. Ange­zeigt werden alle verfüg­baren Netz­stan­dards. Wie gesagt: Wer das SIM-Profil "Ultra" gewählt hat, kann Voda­fone-LTE wählen, wer "Global" ange­tippt hat, kommt in die LTE-Netze von Telefónica und Telekom.

Einschät­zung: Für Laien zu viel "Bastelei"

In unserem Test war das eine sehr fumme­lige Ange­legen­heit: Trotz der korrekten Konfi­gura­tion fand die SIM oft nicht das rich­tige Netz und wählte dann "sicher­heits­halber" doch wieder ein UMTS-Netz. Nach Profil­wechsel und Neustart verlor unser Handy auch mehr­mals den APN, der dann neu ange­legt werden musste. Auch die SIM-Profil-Einstel­lung setzte sich nach einem Neustart mehr­mals wieder auto­matisch auf "Global+", was die LTE-Nutzung verhin­derte. Manchmal benö­tigten wir drei Versuche, um in das gewünschte LTE-Netz zu kommen - das ist für Laien sicher­lich zu komplex. Auch dass die SIM während der Nutzung ohne Orts­wechsel das Netz komplett verlor, kam vor.

Eine wert­volle Hilfe war das bereits von uns getes­tete Android-Widget Cell Widget, das uns immer korrekt anzeigte, in welchem Netz und in welchem Netz­stan­dard wir uns befanden. Denn Cell Widget zeigt neben dem Netz­namen auch MCC (Mobile Country Code) und MNC (Mobile Network Code) an, was auch in der Preis­liste von Surfroam für jedes Netz zur Kontrolle verzeichnet ist.

Geschwin­digkeiten im Test und Fazit

Nachdem wir es geschafft hatten, uns mit den deut­schen LTE-Netzen zu verbinden, maßen wir folgende Daten­raten: Am schnellsten war das Voda­fone-Netz mit bis zu 60 MBit/s im Down­stream, 12,5 MBit/s Upstream und einem Ping von um die 100 ms. Deut­lich lang­samer war das Telekom-Netz mit rund 6 MBit/s Down­stream, 4 MBit/s Upstream und einem Ping von 120 ms

Auch eher enttäu­schend waren die Werte im Telefónica-Netz mit durch­schnitt­lich 8 MBit/s Down­stream, 5 MBit/s Upstream und einem Ping von rund 100 ms. An unserem Standort haben wir mit deut­schen SIM-Karten im Telekom-Netz stets zwischen 40 und 50 MBit/s Down­stream sowie im Telefónica-Netz sogar 90 bis 100 MBit/s Down­stream.

Die Aufrüs­tung der Surfroam-SIM auf Surfroam Pro mit LTE lohnt sich in Deutsch­land also nur, wenn man dazu bereit ist, in die Konfi­gura­tion Zeit zu inves­tieren und wenn man eben statt 5 Cent pro MB maximal 1 Cent pro MB bezahlen will. In auslän­dischen Netzen kann das aber ganz anders aussehen: Ist im Reise­land nur das LTE-Netz, nicht aber das UMTS-Netz gut ausge­baut, führt an der Buchung des Pro-Accounts kein Weg vorbei.

Surfroam bietet seit neuestem über seine Webseite übri­gens auch eSIM-Profile für Apple-Smart­phones mit eSIM an (für Google-Smart­phones ist dies geplant). Das macht nun auch der Konkur­rent KnowRoaming.

Auf unserer Über­sichts­seite finden Sie alle Test­berichte zu Roaming-SIMs, Roaming-Hotspots und Roaming-eSIM-Lösungen.


Mehr zum Thema Roaming-SIM-Karten

[Newsübersicht] RSS [Newsversand]