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23.09.2019 - 12:46
Wettbewerb verbindet

Einigkeit: Frist für finale ISDN-Abschaltung wird verlängert

ISDN-Versorgung für private Telefonanbieter endet

Immer wieder hat der VATM, der Verband der Anbieter von Tele­kommu­nika­tions- und Mehr­wert­dienst­leis­tungen, heftige Kritik an der Deut­schen Telekom geübt. Das liegt in der Natur der Sache, denn der VATM vertritt die Unter­nehmen, die im Wett­bewerb zur Telekom stehen. Aber es gibt auch die (seltenen) Fälle, wo von VATM und der Telekom gemeinsam an einem Strang gezogen wird, etwa in Form einer gemein­samen Pres­seer­klärung. Es geht um die seit Jahren vorbe­reitete und noch laufende Umstel­lung aller Tele­fonan­schlüsse auf das Internet-Proto­koll (IP). Konkret: Die Deut­sche Telekom bietet Tele­kommu­nika­tions­unter­nehmen und deren Endkunden eine Frist­verlän­gerung bei der Umstel­lung ihrer Sprach­telefon- und ISDN-Mehr­gerä­tean­schlüsse auf die IP-Tech­nologie an.

IDSN-Abschal­tung erst später

Bei der Migration von ISDN auf IP haben sich VATM und Telekom auf einen späteren Termin verständigt.

Bei der Migration von ISDN auf IP haben sich VATM und Telekom auf einen späteren Termin verständigt.
Foto: Picture Alliance / dpa

„Auf expli­ziten Kunden­wunsch werden wir die konkret benannten Alt-Anschlüsse, die noch nicht migriert wurden, erst acht Wochen später zum 30.11.2019 abschalten und nicht, wie bislang kommu­niziert, zum 30.09.2019“, sagt Dr. Kerstin Baum­gart, Leiterin des Geschäfts­berei­ches Whole­sale von der Telekom Deutsch­land GmbH und fügt hinzu: „So schaffen wir die Möglich­keit, dass alle Tele­kommu­nika­tions­unter­nehmen ihre Kunden doch noch recht­zeitig auf die zukunfts­sichere Platt­form migrieren können.“ Demge­genüber erfolgt die Migra­tion bzw. Abschal­tung der DSL-Daten-Anschlüsse auf den Alt-Platt­formen (als Tele­fonlei­tung und DSL-Versor­gung noch getrennt vermarktet wurden) weiterhin wie kommu­niziert und geplant.

Jürgen Grützner, Geschäfts­führer des VATM, hat Grund zur Freude: „Eine große Zahl der Tele­kommu­nika­tions­unter­nehmen hat die Migra­tion bisher sehr gewis­senhaft und in guter Koope­ration mit ihren Endkunden und der Telekom durch­geführt. Das ist ein gemein­schaft­liches und gutes Ergebnis!“ so Grützner: „Einige Kunden sind die Migra­tion noch nicht konse­quent genug ange­gangen, was nun trotz des langen Vorlaufs in einigen Fällen zu Problemen führt.“

Umrüs­tung läuft seit 2015

Bereits 2015 hatte die Deut­sche Telekom damit begonnen, parallel zum Breit­band­ausbau, alle Sprach- und Daten­anschlüsse auf das Internet-Proto­koll (IP) umzu­stellen. In verschie­denen Wellen wurden die Kunden ange­schrieben und die Anschlüsse migriert bzw. in Ausnah­mefällen auch gekün­digt, was insbe­sondere bei Kunden, die jedem Werbe­schreiben skep­tisch gegen­über­stehen und die Zusam­menhänge nicht kennen oder verstehen, zu Irri­tationen geführt hatte.

Umrüs­tung bis Jahres­ende fast komplett

„Zum Jahres­ende wird der aller­größte Teil der Migra­tion abge­schlossen sein“, sagt Klaus Müller, bei der Telekom unter anderem verant­wort­lich für die IP-Migra­tion der Geschäfts­kunden, „einzig die Migra­tion weniger reiner Sprach­anschlüsse im Geschäfts­kunden­bereich wird noch in 2020 erfolgen und abge­schlossen“. „Zusammen mit den Carriern inten­sivieren wir alle Anstren­gungen, damit kein Kunde bei der Migra­tion verloren geht."

Müller betont: "Dieje­nigen Kunden, die bislang nicht reagiert haben, sind nun drin­gend aufge­fordert, sich mit ihrem Anbieter umge­hend in Verbin­dung zu setzen und die notwen­digen Schritte abzu­stimmen“, appel­liert Baum­gart. „Alle Kunden wurden in der Vergan­genheit mit großem Vorlauf von ihren Anbie­tern über den Wechsel in die All-IP-Welt infor­miert“, bestä­tigt Grützner.

Die Prozesse (Abläufe) sollen so gestaltet werden, dass für alle Kunden – egal bei welchem Anbieter sie sind – eine störungs­freie Migra­tion sicher­gestellt ist. Um Problem­fälle recht­zeitig zu erkennen, wurde eine gemein­same Daten­basis mit der Telekom geschaffen. Die Telekom sieht sich dabei – wie auch der VATM – in einer Gesamt­verant­wortung für die Tele­kommu­nika­tions­branche. Die Migra­tion auf IP wird für die Kunden hinsicht­lich der Leis­tungs­fähig­keit der Produkte mit spür­baren Verbes­serungen und neuen Möglich­keiten einher­gehen. Dem VATM ist es daher wichtig, dass die Abschal­tung der alten Tech­nolo­gien konse­quent erfolgt: „Nur so wird die Umstel­lung auf die neue Tech­nologie erfolg­reich sein. Digi­tali­sierung und Gigabit-Gesell­schaft benö­tigen eine voll­stän­dige IP-Umge­bung“, sagt Grützner: „Telekom und VATM werden zusammen Sorge dafür tragen, dass es bei ausrei­chender Koope­ration von Kunden und Tele­kommu­nika­tions­unter­nehmen nicht zu unge­wollten Abschal­tungen kommt.“

ISDN: Stabi­lität in abge­legenen Regionen

Gerade in abge­legenen Regionen bot ISDN die einzige stabile Tele­fonie-Daten­versor­gung, um wenigs­tens mit heute unvor­stellbar lang­samen 64 kBit/s oder 128 kBit/s (Kanal­bünde­lung) ins Internet zu kommen. Nach dem Wegfall von ISDN bietet die Telekom dort teil­weise nur noch MSAN-POTS (einfa­cher "analoger" Tele­fonan­schluss) an. Gerade in den abge­legenen Regionen kommt der Netz­ausbau nicht vom Fleck, weil erst zeit­raubende Ausschrei­bungen und Anträge auf Förder­mittel gestellt werden müssen und die Kunden vor Ort den "Ernst" der Lage nicht verstehen oder die in Frage kommenden Baufirmen auf Jahre ausge­bucht sind.

Kunde muss aktiv werden

Gleich­wohl muss jeder Kunde, der von der Telekom oder seinem privaten Telefon-Unter­nehmen ein Schreiben zur Umstel­lung bekommen hat, unbe­dingt selbst aktiv werden. Ganz glas­klar: Es besteht keine Möglich­keit, den (meist hoch stabilen und zuver­lässigen) ISDN-Anschluss auf Dauer zu behalten, weder bei der Telekom noch bei alter­nativen Anbie­tern. Ist die Leitung zum Kunden stabil, kann der Kunde mit einem ISDN-Router-Modem seine ISDN-Anlage und Geräte weiter betreiben und in aller Ruhe entscheiden, wie er künftig "intern" tele­fonieren will.

Bei extrem langen Kabel­verbin­dungen zwischen Kunden und der nächsten aktiven Vermitt­lung oder dem aktiven Schalt­kasten (MFG oder KVz) und seit Jahren nicht mehr aufge­rüsteten Orts­netzen, müssen die örtliche Politik in Verbin­dung mit Land­kreisen und Bundes­ländern das Verfahren zur mögli­chen Förde­rung anschieben.

Liegen die Anschlüsse zu weit "abseits", haben sich schon erfolg­reiche "Bürger­initia­tiven" gebildet, welche die Netze in Eigen­regie gegraben und dann eine Tele­kommu­nika­tions­firma beauf­tragt haben, das Netz zu betreiben oder für den über­geord­neten Anschluss zu sorgen.

Ganz wichtig: Von selbst passiert aber nichts. Die Kunden müssen aktiv werden.


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