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04.02.2019 - 11:48
Autonomes Fahren

Auto-Hersteller gegen Google: Chancenlos in Germany?

Der US-Internetkonzern ist beim Thema autonomes Fahren auf der Überholspur

Den meisten Menschen in Deutsch­land ist die Stadt Wolfs­burg ganz sicher ein Begriff. Schließ­lich ist dort Volks­wagen, einer der welt­weit wich­tigsten Auto­mo­bil­her­steller behei­matet. Weniger bekannt ist wahr­schein­lich Moun­tain View, eine idyl­li­sche Stadt im Herzen Kali­for­niens und des Silicon Valley. Doch ausge­rechnet die Manager der deut­schen Auto­mo­bil­kon­zerne dürften diesen Ort jedoch ganz genau im Auge behalten.

Deren Inter­esse gilt aller­dings vermut­lich weniger lokalen Sehens­wür­dig­keiten als viel­mehr den weißen Chrysler Paci­ficas, welche in regel­mä­ßigen Abständen durch die Stadt fahren. Das Beson­dere: Es sitzt kein Mensch am Steuer. Die Fahr­zeuge gehören nämlich zu Waymo, dem welt­weiten Pionier für auto­nomes Fahren. Waymo ist auch nicht irgend­eine Firma, sondern Teil von Googles Mutter­ge­sell­schaft Alphabet. Und spätes­tens hier wird klar: Wenn ein solches Unter­nehmen in den Bereich auto­nomes Fahren einsteigt, müssen sich andere Auto­her­steller warm anziehen.

Zehn­jäh­riger Test­lauf

Selbstfahrendes Auto der Google-Schwester Waymo.

Selbstfahrendes Auto der Google-Schwester Waymo.
(c) dpa

Bereits 2009 ging das Google Driver­less Car Projekt an den Start. Seiner­zeit unter Führung von Sebas­tian Thrun, einem deut­schen Infor­ma­tiker und ehema­ligen Professor für künst­liche Intel­li­genz der Stan­ford Univer­sität. In den Fahr­zeugen findet eine System­soft­ware namens Google Chauf­feur Anwen­dung. Es gibt genau zwei Gründe, warum die deut­schen Auto­ma­nager mit Sorge auf die Soft­ware aus dem Silicon Valley schauen.

Einer­seits ist sie im Gegen­satz zu Produkten vieler euro­päi­scher und anderen ameri­ka­ni­schen Wett­be­wer­bern bereits extrem ausge­reift. Die Google-Fahr­zeuge sind zwar ähnlich wie der (nicht voll­au­to­ma­ti­sche) Tesla-Auto­pilot vom Elon Musk noch gele­gent­lich in Unfälle verwi­ckelt, wenn man jedoch etwas genauer hinschaut, ergibt sich ein anderes Bild. So ereig­nete sich beispiels­weise im Oktober vergan­genen Jahres ein Unfall in Moun­tain View, welcher mutmaß­lich durch einen auto­nomen Chrysler Paci­fica verur­sacht wurde. Tatsäch­lich war aber nicht die Google-Soft­ware der Unfall­ver­ur­sa­cher, sondern ein Fahrer, der zur Sicher­heit am Steuer saß. Dem Poli­zei­be­richt nach über­nahm der Mann im Google-Fahr­zeug die Kontrolle, als ein anderer Verkehrs­teil­nehmer auf dessen Spur einscherte. Er lenkte das Fahr­zeug nach rechts und touchierte wiederum einen Motor­rad­fahrer, der das auto­nome Fahr­zeug rechts über­holte. Demnach handelte es sich um mensch­li­ches Versagen und keinen Soft­ware­fehler.

Der zweite Punkt, warum die Google-Soft­ware deut­schen Herstel­lern Angst macht, ist ihre Unab­hän­gig­keit. Das Ziel von Google ist, letzt­end­lich in jedes Fahr­zeug zu kommen. Eigene Soft­ware­ent­wick­lungen wären unglaub­lich teuer und im Wett­be­werb mit dem Internet-Giganten ohnehin chan­cenlos. Eine ähnliche Stra­tegie ließ sich bereits bei anderen Google-Produkten, wie der Such­ma­schine oder dem Smart­phone-Betriebs­system Android beob­achten. Im Endef­fekt bringen sich die deut­schen Auto­kon­zerne in eine Abhän­gig­keit, bei denen Google über die Preise und Entwick­lung entscheidet.

Situa­tion in Deutsch­land

Während Google also schon seit Jahren Praxis­er­fah­rungen auf den Straßen sammelt, gibt es hierfür in Deutsch­land noch nicht einmal präzise recht­liche Bestim­mungen. Erst 2017 wurde mit dem geän­derten Stra­ßen­ver­kehrs­ge­setz das Thema auto­nomes Fahren über­haupt auf die Agenda gesetzt. Recht­liche Fragen zur Haftung bei Unfällen sind bis heute weitest­ge­hend unge­klärt. Auch in den Entwick­lungs­ab­tei­lungen der deut­schen Auto­mo­bil­kon­zerne scheint man den Fokus aktuell eher auf die Auswir­kungen der Diesel­krise zu legen. Das ist ein beson­ders harter Schlag, denn während Tesla und chine­si­sche Hersteller beim Thema Elek­tro­mo­bi­lität und Batte­rien den Ton angeben, sind es Google, Apple und andere ameri­ka­ni­sche IT-Konzerne bei der Soft­ware. Die klas­si­sche deut­sche Inge­nieurs­kunst wirkt im globalen Auto­mo­bil­kon­zert der Zukunft schon fast wie ein anti­quiertes Auslauf­mo­dell aus dem vorhe­rigen Jahr­hun­dert.

Zwang zur Koope­ra­tion

Realis­tisch betrachtet haben weder VW, BMW noch Mercedes das Poten­zial, Google beim Zukunfts­thema auto­nomes Fahren die Butter vom Brot zu nehmen. Letzt­end­lich läuft es darauf hinaus, dass in Deutsch­land nur noch das Fahr­zeug­de­sign entwi­ckelt wird, während die Soft­ware aus dem Silicon Valley und der Antrieb bzw. Kompo­nenten für die Elek­tro­mo­bi­lität aus China kommt. Eine Entwick­lung, die leider auch schon in vielen anderen Tech­no­lo­gie­bran­chen bekannt ist. Egal ob Apple, Huawei oder Amazon: Inno­va­tionen in den Berei­chen Soft­ware und Netz­werke kommen aus den USA und China, während die Euro­päer mehr oder weniger teil­nahmslos am Rande stehen und sich immer weiter ökono­misch abhängig machen. Um in der Tech­no­lo­gie­zu­kunft den Anschluss zu behalten, braucht es weit mehr als nur den Slogan Made in Germany.


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Björn König

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