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Layer-2-Bitstrom: QoS und Preise


talk schreibt am 04.12.2015 16:21
Hallo zusammen,

In den Preislisten und Vertragsbedingungen gibt es aber einige Überraschungen. Die Wettbewerber hatten zu hohe Entgelte befürchtet. Doch nun muss man eher fragen: Wird die Datendrossel zurückkehren und die Netzneutralität endgültig abgeschafft?

Beide Befürchtungen würde ich verneinen. Mehr dazu weiter unten.

Die entscheidende Frage dürfte die des Preisniveaus insgesamt sein. Diese wird dafür von Bedeutung sein, ob Konkurrenten der Telekom attraktive Produkte auf Basis von Layer-2-Bitstrom anbieten können.

In dem Entgelt-Antrag der Telekom würden für die kundennahe Übergabe des Datenverkehrs eines VDSL-50-Anschlusses netto 19,20 Euro pro Monat berechnet gegenüber bislang 10,19 Euro für die TAL-Miete. Laut easybell bedeutet dieses Preismodell für die Wettbewerber in der Regel "eine erhebliche Kostensteigerung, ohne dass dem Kunden ein Mehrwert geboten werden kann."

Natürlich ist Layer-2-Bitstrom teurer als die TAL-Vorleistung. Der Konkurrenz-Carrier (im Fall von Easybell-VDSL wäre das Telefonica) spart sich ja auch den eigenen DSLAM und den Backhaul desselbigen. Klar, auch die Layer-2-Übergabepunkte müssen erschlossen werden, dies werden aber deutlich weniger sein, als es bislang HVt-Standorte gibt. Mit Telekom-Bitstrom könnte Easybell auch mehr Nutzer mit VDSL versorgen, als über die Telefonica-TAL-Plattform (einerseits weil Telefonica nie alle HVts mit eigener Technik ausgestattet hatte, andererseits weil man aus dem HVt nicht den ganzen Anschlußbereich mit VDSL erreichen kann).

Easybell wird die Telefonica-VDSL-Anschlüsse bislang sicher auch nicht nur zum TAL-Einkaufspreis bekommen...

Meines Wissens ist der bisherige Layer-3-Bitstrom, bei dem die Übergabe an weniger (und dadurch etwas zentraleren) Standorten erfolgt, auch teurer als das neue Layer-2-Produkt.

Entscheidend ist, daß die Bitstrom-Angebote preislich zum bisherigen TAL-Produkt und auch zum DSL-Wholesale-Komplettangebot der Telekom passen müssen. Es darf auch keine Mißbrauchsmöglichkeiten durch die Regionalisierung bei Layer-3-Bitstrom geben.

Bei einem VDSL-Anschluss mit 50 MBit/s sollen für den Wiederverkäufer lediglich 88 GB Datenverkehr pro Monat inklusive sein. Jedes zusätzliche Gigabyte müsste der Anbieter extra an die Deutsche Telekom zahlen

Es ist einleuchtend, daß es irgendeine nutzungsabhängige Komponente bei Bitstrom geben muß (wobei hier eher irgendeine Bandbreitenberechnung erfolgt statt einer Abrechnung pro GB). Das war bei den bisherigen Bitstrom-(ähnlichen)-Vorleistungsprodukten auch so - man erinnere sich nur mal an die legendäre "ZISP-Formel".

88 GB/Monat könnte für einen durchschnittlichen Telekom VDSL-Kunden evtl. hinkommen. Easybell dürfte durch den Verzicht auf klassische Werbemaßnahmen für sein VDSL-Produkt hingegen möglicherweise mehr Poweruser haben, als die Telekom. Die Frage ist, wie sich dieses Nutzungsverhalten dann konkret in den Vorleistungskosten niederschlägt und ob die evtl. Mehrkosten angemessen sind. Deshalb ist aber nicht gleich das ganze Abrechnungsmodell schlecht.

Die vorliegenden Dokumente zum Layer-2-Bitstrom lassen aber eher darauf schließen, dass die Telekom die Netzneutralität endgültig abschaffen möchte. In der Anlage 3 zum Entgeltgenehmigungsantrag L2-BSA vom 20. November macht die Telekom unter Punkt 3 eine klare Unterscheidung zwischen Best-Effort-, Realtime-, Streaming- und Critical-Application-Klassen.

Ja - und das halte ich auch für sinnvoll. Mit Layer-2-Bitstrom soll es ja auch möglich werden, eigene IPTV-Dienste als Konkurrenz zu Telekom-Entertain anzubieten. Für sowas sind bessere QoS-Klassen als Best-Effort sinnvoll. Auch für die Telefonie dürfte es hilfreich sein, für VoIP eine höhere QoS-Stufe zu verwenden. Die flexiblere QoS-Möglichkeit ist also eher ein Vorteil gegenüber Layer-3-Bitstrom.

Alternative DSL-Anbieter trennen VoIP + Internet-Traffic schon seit Jahren nicht nur mit getrennten ATM-PVCs oder Ethernet-VLANs, sondern geben dem VoIP-Verkehr oft auch einen höheren QoS-Rang. Die Telekom tut dies bei ihren neuen IP-Anschlüssen ebenfalls. Und das bislang eigene VLAN für Entertain-Traffic ist doch auch bekannt.

Es wird aber auch für Best-Effort eine Mindestqualität geben müssen, meines Wissens gibt es beim bisherigen Layer-3-Bitstrom auch eine solche Definition.

Das Thema mit den überlasteten Peerings zu anderen Tier-1-Carriern ist übrigens eine ganz andere Geschichte. Die Bitstrom-Carrier (egal ob Layer-2 oder Layer-3) bekommen den DSL-Traffic ja in ihre eigenen Backbones übergeben und nutzen die überlasteten Telekom-Peerings gar nicht.

cu talk