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09.07.2019 - 11:05
Hörfunk

Deutschlandradio-Intendant warnt vor Radiozukunft mit 5G

Auf Sender und Nutzer kämen immense Kosten zu

"Es gibt kein Zurück zur alten eindi­mensio­nalen UKW-Welt". Diesen Tenor vertritt Deutsch­land­radio-Inten­dant Stefan Raue, der in einem Gast­betrag in der Frank­furter Allge­meine Zeitung (F.A.Z.) die Ereig­nisse rund um das terres­trische Digi­talradio in Nieder­sachsen kommen­tierte. Der Nieder­säch­sische Landtag hatte zuvor die Landes­regie­rung in Hannover dazu aufge­fordert, DAB+ zu beenden.

Manöver aus Nieder­sachsen kommt zu spät

DAB+-Radio mit Direktwahltasten zu Deutschlandradio

DAB+-Radio mit Direktwahltasten zu Deutschlandradio
Foto: TechniSat

Für Raue ist es ein Stör- und Verhin­derungs­manöver, das zu spät kommt. "Denn aus meiner Sicht sind die Fort­schritte aus der analogen UKW-Welt durchaus sichtbar. Während der Verkauf von UKW-Radio­geräten deut­lich abnimmt, legen die Verkaufs­zahlen für DAB+-Geräte vor allem im Auto­radio­bereich stark zu", so Raue.

Die Unter­haltungs­elek­tronik­branche sei inzwi­schen voll auf DAB+ einge­stiegen, auch die Premi­ummarken. "Wer das nicht glaubt, sollte mal durch die Fach­märkte, Auto­häuser oder die Inter­natio­nale Funk­ausstel­lung gehen und sich umschauen". Die Bundes­länder und die Landes­medi­enan­stalten förderten zudem in zuneh­mendem Maße die DAB+-Ange­bote.

Radio über Mobil­funk, wie von den Nieder­sachsen präfe­riert, sei keine Alter­native: "Wer bisher jenseits des stabilen häus­lichen W-LAN Inter­netradio nutzt oder besser nutzen will, muss starke Nerven und viel Geduld haben, gerade im mobilen Empfang."

5G liefert keinen frei zugäng­lichen Empfang

Auch der neue Stan­dard 5G könne das nicht gewähr­leisten: "Ange­sichts einer groben Schät­zung von mehreren hundert­tausend neu zu bauenden und zu errich­tenden Funk­masten in Deutsch­land dürfte eine groß­flächige Abde­ckung mit 5G ohnehin ein Projekt von Jahr­zehnten sein, wenn es über­haupt durch­setzbar sein wird. Das führt uns zu einem anderen, bisher nur wenig disku­tierten Problem. Die Unter­nehmen, die bei der Auktion Milli­arden für die Frequenzen bezahlen und weitere zahl­reiche Milli­arden in Entwick­lung, Instal­lation und in den Betrieb inves­tieren müssen, werden diese Summen auch irgend­wann refi­nanzieren müssen", so Raue. Die Erfah­rung mit der Kabel­verbrei­tung von TV und Hörfunk lehre, dass diese Unter­nehmen bei beiden Seiten zugreifen: bei den Programm­anbie­tern und bei den Endkunden. "Das bedeutet, dass sich Höre­rinnen und Hörer auf wesent­lich höhere Kosten für die tech­nische Nutzung der Programme über 5G einstellen müssen. Von direktem und frei zugäng­lichem Radio­angebot, für die öffent­lich-recht­lichen Ange­bote recht­lich geboten, keine Spur."

DAB+ wird in Nieder­sachsen ausge­baut statt einge­stellt

Raue beru­higt die Nieder­sachsen, die sich bereits ein DAB+-Radio gekauft haben und nun befürchten, dass dieses aufgrund des Land­tags-Beschlusses schon bald wieder Elek­troschrott sein könnte: "Die bundes­weit ausge­strahlten DAB+-Programme, ob öffent­lich-recht­lich oder privat, wird es natür­lich auch in Nieder­sachsen weiterhin geben, sturm­fest und erdver­wachsen, wie es im Nieder­sach­senlied so schön heißt."

In der Tat wird im Bundes­land das Digi­talradio ausge­baut statt einge­stellt: Ende Juli nimmt der NDR für seinen Multi­plex die neue Sende­anlage Stade in Betrieb, später 2019 folgt noch der Standort Stad­thagen. Ab 7. August werden auch Hörer im Weser­berg­land um Holz­minden und Bad Pyrmont die Programme des Bundesmux mit vier Programmen von Deutsch­land­radio und acht Privat­sendern hören können.


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