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13.02.2018 - 10:14
Hörfunk

UNESCO World Radio Day: Hörfunk muss digitalen Aufsprung schaffen

Konkurrenz durch Musikstreaming und Bewegtbild

Heute ist der World Radio Day

Heute ist der World Radio Day
Screenshot: Michael Fuhr/teltarif.de

Am heutigen 13. Februar 2018 wird weltweit zum siebten Mal in Folge der World Radio Day, der Welttag des Radios der Vereinten Nationen und der UNESCO begangen. Dieser soll den Beitrag des Radios zur demokratischen Debatte durch Information, Unterhaltung und Interaktion der Hörer herausstellen. In diesem Jahr steht der Welttag unter dem Motto „Radio & Sports“ und unterstreicht die Bedeutung der Übertragung und Berichterstattung von Sportereignissen im Radio weltweit.

Sport wandert aufs Smartphone ab

Doch genau am Thema Sport zeigt sich auch, dass die Medienlandschaft im Wandel ist, und das Radio dabei Gefahr läuft unter die Räder zu kommen. So leistete sich die ARD früher den Luxus einer eigenen Olympia-Welle, die immer pünktlich zu den Olympischen Spielen auf Sendung ging. Heute hört man Berichte von den aktuell laufenden Winterspielen in Südkorea nur noch in kleinen Blöcken, zumeist in den Nachrichtenradios. Wer sich heute unterwegs über die Wettkämpfe informieren will, nutzt die Bewegtbildangebote auf dem Smartphone. Die Fußball-Bundesliga hat sich aus dem privaten Hörfunk komplett verabschiedet. Erstmals überträgt seit dieser Saison mit Amazon Prime Music ein Musikstreamingdienst die Einzelspiele und die Konferenz live.

Generell ist die Konkurrenz zu Musikstreamingdiensten eine der großen Herausforderungen für das Radio in der Zukunft, vielleicht aber auch eine Chance. Schon heute arbeiten öffentlich-rechtliche und private Hörfunksender mit Branchenprimus Spotify zusammen. Vielleicht schon bald könnte es personalisierte Radioangebote geben, die dem Hörer maßgeschneiderte Inhalte präsentieren: Seine eigene Musik eingebettet in aktuelle Nachrichten, Wetter, Verkehr, ja, vielleicht sogar Moderationen. Vor allem im Fahrzeug könnte das Radio schon bald durch personalisierte und sprachgesteuerte Dienste ersetzt werden. Radiosender wären in diesem Fall nicht mehr Lieferanten eines linearen Programms, sondern mehr Audio-Zulieferer - wenn man sie überhaupt noch benötigt.

Radio muss "zurück in die Zukunft" gehen

Auch das lineare Radio hat in der digitalen Welt weiter seine Chance. Doch dafür müsste es ein "Zurück in die Zukunft" geben: Es braucht wieder interessante Inhalte, abwechslungsreiche Musik oder Moderatoren, die wirklich etwas zu sagen haben. So schrieb die Welt am Sonntag: "Deutschlands Radio zeichnet sich durch ausgeklügelte, perfekt durchgetestete und in ihrer Wirkung absolut austauschbare Musikprogramme aus. Die meisten...Sender sind bei ihren Klangteppichen nurmehr durch die spätestens im Viertelstundentakt wiederholten und zumeist nervtötenden Jingles mit der Stationskennung unterscheidbar".

Doch besonders die Konkurrenz durch Streaming-Dienste hat auch zu einer kleinen Gegenbewegung geführt: Plötzlich sind alte Radiohasen wie Thomas Gottschalk, Werner Reinke, Volker Rebell oder Walter Fuchs wieder am Mikrofon zu hören - auch abseits des Internets. Doch diese Radio-Personalities stehen allesamt kurz vor der Rente und Nachwuchs ist kaum in Sicht. Zu sehr wurden Moderatoren zuletzt als "Phrasendrescher" ausgebildet. Sie mussten ihre Ansagen in ein vorgegebenes Korsett hinein pressen und konnten kaum Kreativität entfalten. Anders bei der Konkurrenz durch Streaming-Dienste: In Podcasts und Streams gibt es auf Spotify bereits die ein oder andere Radio-Show. Spektakulär war beispielsweise der Wechsel des Duos Olli Schulz und Jan Böhmermann von der ARD zum Streaming-Marktführer. Ähnlich wie es Youtube-Stars beim Bewegtbild gibt, könnten Audio-Stars künftig das Angebot bei Spotify, Amazon und Co. beglücken. Talente, die potenziell auch das Radio bereichern könnten.

Auch das Potenzial des terrestrischen Digitalradios DAB+ verkennen viele Radiosender. Hierüber wäre es möglich mit gezielten Spartenprogrammen, die in der technischen Verbreitung wesentlich günstiger als die UKW-Verbreitung wären, Zielgruppen zu erreichen, die man gerade an die Musikstreamer verliert. Doch die Angst vor zu viel Konkurrenz lässt vor allem die kommerziellen Radiomacher lieber in ihrer kuscheligen, analogen UKW-Nische verharren. Hier sind sie geschützt durch Frequenzmangel und - bisher zumindest - der Tatsache, dass die meisten Deutschen keine Notwendigkeit sehen ihren alten Radiobestand auszutauschen. Selbst Hörfunkanbieter, die bereits simulcast über DAB+ ausstrahlen, machen in der Regel keine Werbung für den digital-terrestrischen Verbreitungsweg. Das dürfte sich auch nicht ändern, so lange die Hörerzahlen halbwegs stabil bleiben.

Die Branche feiert sich selbst

So feiert sich die Branche zum World Radio Day auch mehr oder weniger selbst: "Radio ist und bleibt das Vertrauensmedium Nr. 1 – und gehört mit seinem Klang, seinen Inhalten und den vertrauten Stimmen der Moderatoren zum Heimatgefühl vieler Menschen einfach dazu", sagt Lutz Kuckuck, Geschäftsführer der Gattungsplattform Radiozentrale. "Diese Nähe zwischen Sendern und Hörern und dieses einzigartige Vertrauensverhältnis wollen wir mit der Aktion am Weltradiotag erlebbar machen: für unsere Sender, für unsere Hörer und am Ende natürlich auch für den Werbemarkt, der von dieser Nähe bei seinen Kampagnen ebenfalls profitiert."

Die Zeichen des digitalen Wandels erkannt hat dagegen Martin Wagner, Vorsitzender der ARD-Hörfunkkommission: “Qualitativ hochwertige Wortbeiträge finden auch auf Smartphones und Tablets ihre Nutzerschaft. Das zeigt unser jüngstes Angebot, die ARD Audiothek, mit erfreulichen 321 000 Downloads seit dem Start Anfang November 2017.”

Der UNESCO Welttag des Radios wird seit 2012 jeweils am 13. Februar gefeiert, am Tag der Gründung des Radios der Vereinigten Nationen im Jahr 1946. In den Vorjahren des UNSECO Welttages stand insbesondere die Bedeutung des Radios als Alltagshelfer, als verlässliches Informationsmedium in Katastrophenfällen oder für die Gleichbehandlung der Geschlechter im Fokus.


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