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14.01.2019 - 15:18
Zahlen

Künftig Telefonieren ohne Rufnummer?

Wie wichtig ist eine Rufnummer?

Die Briten verbringen die Hälfte ihrer Zeit im Festnetz - übertragen jedoch zehnmal mehr mobile Daten als noch vor sechs Jahren. Das hat das Gegenstück zur deutschen BNetzA, die britische Aufsichtsbehörde OFCOM (Office for Communications) in einer Studie herausgefunden. Und viele Antworten dürften in Deutschland ähnlich ausfallen.

Untersucht wurde die Bedeutung der herkömmlichen Telefonnummer. Ist eine bestimmte Nummer heute noch wichtig? Braucht man überhaupt noch Rufnummern?

Mit der zunehmenden Nutzung von Smartphones oder Telefonen mit Nummernspeichern im Festnetz sinkt das Interesse an Nummern. Die Nummern werden einmal gespeichert und danach gleich wieder vergessen.

Schau mal, wer wo spricht?

Wie wichtig sind Rufnummern oder Vorwahlen? Das hat die britische Aufsichtsbehörde OFCOM untersucht.

Wie wichtig sind Rufnummern oder Vorwahlen? Das hat die britische Aufsichtsbehörde OFCOM untersucht.
Logo: Ofcom, Foto/Montage: teltarif.de

In den letzten Jahren hat sich die Zeit, welche die Briten mit Festnetzgesprächen verbringen, fast halbiert, während die Menge der verwendeten mobilen Daten sich fast verzehnfacht hat. Im Jahr 2012 wurden in Großbritannien noch Festnetzgespräche mit einer Gesamtlänge von 103 Milliarden Minuten getätigt, im Jahr 2017 jedoch nur noch 54 Milliarden, also knapp die Hälfte. Im gleichen Zeitraum ist die Dauer der mobilen Anrufe gleichmäßig von 132,1 Milliarden auf 148,6 Milliarden Minuten gestiegen. Die durchschnittliche monatliche mobile Datennutzung ist dabei in Großbritannien von 0,2 Gigabyte auf 1,9 Gigabyte angestiegen.

Um diesen Trends Rechnung zu tragen, bestätigt eine neue Studie der britischen OFCOM, dass jüngere Menschen lieber Messaging-Dienste wie WhatsApp verwenden, als ihre Telefone klassisch zu nutzen, also um mit dem Gegenüber direkt zu sprechen. Ein 18-jähriger aus Aberdeen sagte der Behörde: "Jemanden anzurufen, macht mir ein bisschen Angst. Da ist WhatsApp viel einfacher und schneller, um meine Freunde zu erreichen. Wenn ich ein Unternehmen anrufen muss, werde ich immer versuchen, den Webchat zu verwenden, sofern es einen gibt."

Im Gegensatz dazu bevorzugen ältere Menschen nach wie vor das echte Gespräch. Ein 68-jähriger Umfrage-Teilnehmer spricht lieber mit einer echten Person. "Ich verstehe anhand seiner Stimme besser, wie sich mein Gesprächspartner fühlt."

Wenn sich Freunde und Familienmitglieder gegenseitig anrufen wollen, verlassen sich die Menschen auf die in ihren Telefonen gespeicherten Nummern. Ein 22-Jähriger aus Belfast gab zu: "Ich muss mich nicht an Zahlen erinnern". Es sei jetzt üblich, auf dem Handy auf einen Namen oder einen Web-Link zu klicken, um eine Nummer anzurufen, anstatt sie manuell zu wählen.

Regionale Anrufe?

Die Studie zeigt einen großen Unterschied zwischen älteren und jüngeren Generationen beim "Verstehen" von Vorwahlen. Wenn man beispielsweise in Deutschland von einer Nummer angerufen wird, die mit „0711“ (oder +49 711) beginnt, wird der Anrufer in Stuttgart vermutet.

Jüngere Menschen haben in der Regel keine großen Vorstellungen mehr davon, welche Vorwahlen zu einem bestimmten Ort gehören. Tatsächlich wissen viele nicht einmal, dass Vorwahlen eine geografische Bedeutung haben, sie verwechseln sie häufig mit anderen Nummern oder verbinden sie mit "lästigen" Anrufern oder Call-Centern.

Die meisten älteren Menschen erkennen noch die Vorwahlen und vertrauen ihnen. Sie gelten als "hilfreich und beruhigend", wenn Sie nach einem örtlichen oder regionalen Unternehmen suchen und Anrufe tätigen oder entgegennehmen. Ein 67-Jähriger sieht das so: "Es ist hilfreich zu wissen, wo die Firmen oder Gesprächspartner sind."

Wie geht es weiter mit dem Telefonieren?

Neue Technologien könnten die Verwendung von Telefonnummern revolutionieren. In den kommenden Jahren werden Anrufe häufiger über (mobiles oder feste) Breitbandnetze als über "herkömmliche Telefonanschlüsse" getätigt werden. Die breitbandbasierte Anruftechnologie (VoIP) benötigt vom Prinzip her keine Ortsvorwahlen, um den Standort eines Anrufs auf gleiche Art mitzuteilen, wie dies beim herkömmlichen (meist analogen) Telefonnetz der Fall ist.

Im Rahmen der Untersuchung wurden die Menschen gefragt, wie sie sich fühlen würden, wenn Vorwahlen ihre geografische Bedeutung verlieren würden. Einige jüngere Menschen mochten die Idee, eine "eigene" Telefonnummer lebenslang zu besitzen, egal ob fest oder mobil. Diese Nummer wäre dann Teil der Identität dieser Person. Ältere Menschen sind jedoch stark dagegen, die geografische Bedeutung der Vorwahlen zu verlieren. Persönliche Rufnummern gibt es schon. Sie haben in Deutschland wie in England die Vorwahl 0700. Während sie sich in England einer gewissen Beliebtheit erfreuen, sind sie in Deutschland aufgrund unklarer und unregulierter Kostenlage nach wie vor ziemlich exotisch und werden nur von einer Handvoll Telefongesellschaften angeboten (sind aber aus allen Netzen erreichbar).

Liz Greenberg, Chef der Nummerierung bei Ofcom, zieht Bilanz: „Einige von uns können sich an eine Zeit erinnern, als wir Telefonnummern in unserem Kopf und nicht in unserem Mobiltelefon gespeichert haben. Aber die Art und Weise, wie wir Telefonnummern nutzen und fühlen, verändert sich.“ Und weiter: „Da in Zukunft mehr Anrufe über Breitband getätigt werden, müssen die Vorwahlen nicht auf einen bestimmten Teil des Landes festgelegt werden. Die Frage ist also - könnten Ortsnetzkennzahlen eines Tages der Vergangenheit angehören?“

Ofcom hat bereits begonnen zu prüfen, wie die Festnetznummern in Großbritannien künftig effektiver verwaltet werden können, einschließlich der Möglichkeit, dafür die sogenannte Blockchain-Technologie einzusetzen. Das könnte es für Festnetzkunden einfacher und schneller machen, den eigenen Telefon-Anbieter unter Beibehaltung der Nummer zu wechseln, auch beim Umzug im Festnetz. So ganz nebenbei könnte die Anzahl störender Anrufe reduziert werden.

Deutsche BNetzA achtet auf regionalen Bezug

Bei der Bundesnetzagentur sind Rufnummern mit regionalem Bezug weiter wichtig. Firmen, wie zum Beispiel Schlüsseldienste, die mit umgeleiteten lokalen Rufnummern eine regionale Anwesenheit "vortäuschen" wollen, werden regelmäßig von der Netzagentur ermahnt oder bekommen Rufnummern entzogen.

Wie kam es zu Vorwahlen?

In Großbritannien gibt es (theoretisch) 1,3 Milliarden Festnetznummern, von denen derzeit 400 Millionen an Telekommunikationsbetreiber vergeben werden. Ofcom weist diese Telefonnummern zu und überwacht, wie sie verwendet werden. Ähnliches tut die BNetzA in Deutschland.

Als in Großbritannien in den 1950er Jahren erstmals Ortskennzahlen erstellt wurden, hatten sie eine besondere Bedeutung. Dazu muss man wissen, dass auf der Telefontastatur oder Wählscheibe schon früh Buchstaben aufgedruckt waren, die bei der Wahl hilfreich sein können. In Deutschland sind diese Buchstaben hingegen in der Bevölkerung noch weitgehend unbekannt, da sie in großem Stil erst seit dem Aufkommen der Handys (ab den 1990er Jahren) für SMS-Nachrichten gebraucht wurden.

In Großbritannien entsprachen die Vorwahlen lange den aus zwei Buchstaben bestehenden Kennungen, z. B. AB (22) für Aberdeen. Im Rahmen einer großen "Umnummerierung" wurde die Gasse 01 für Festnetzvorwahlen geöffnet. Deswegen lautet die Vorwahl von Aberdeen (in Schottland) heute „01-22-4“ (01-AB-4).

In Großbritannien gibt es aktuell 610 verschiedene Vorwahlen. Aufgrund des erhöhten Bedarfs an Nummern hat sich das Nummerierungssystem im Laufe der Jahre mehrmals geändert. Durch "Buchstaben-Vorwahlen" können Anrufer in England bei bestimmten Vorwahlen noch den Ort "erkennen", z.B. 01348 = 01FI8 für "FIshguard" oder 01792 für "SWansea".

Vorwahlen in Deutschland

In Deutschland sind die Ortsnetz-Vorwahlen grob geografisch sortiert.

Buchstaben helfen in Deutschland nicht weiter. 4 (GHI) für Hamburg würde funktionieren, aber 5 (JKL) für Hannover oder 6 (MNO) für Frankfurt nicht. Die 7 (PQRS) würde für Stuttgart gut passen, aber 8 (TUVW) für München absolut nicht und auch 9 (XYZ) für Nürnberg wäre ziemlich unpassend.

Vorwahlen, die in Deutschland mit 01 beginnen, sind in der Regel Mobilfunkdienste (015, 016, 017), Sonderrufnummern wie 0137, 0180 oder 0191... (Modemzugänge für Onlinedienste).

Daneben gibt es noch Sonderrufnummern wie 0700 (persönliche Nummern), 0800 (kostenlose Rufnummern) und 0900 (kostenpflichtige "Premium"-Nummern. Mehr Informationen dazu auf unseren Ratgeberseiten.

Von 012x bis 0190: Diese Vorwahlen gibt es nicht mehr.


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