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04.02.2019 - 13:15
Alles inklusive

Swisscom: EU-Schweiz-Roamingflatrate zum Hammerpreis

Der Traumtarif für Deutschland?

Ab und zu lohnt es sich einen Blick über die Landes­grenzen in die Schweiz zu werfen. Drei konkur­rie­rende Netz­be­treiber gibt es dort. Der älteste Anbieter und zugleich mit einem Markt­an­teil von knapp 60 Prozent ist die Swisscom (inklu­sive Discount-Marken).

Wer zu Besuch in die Schweiz kommt, stellt fest, dass vieles im Land spürbar teurer als in Deutsch­land ist. Wer sein Mobil­te­lefon auch in der Schweiz intensiv nutzt, stellt eine spürbar bessere Netz­ab­de­ckung als daheim fest, sogar in Eisen­bahn­tun­nels. Schweizer Züge haben kein WLAN einge­baut, der direkte Mobil­funk­emp­fang ist in den Zügen einfach besser als hier­zu­lande.

Schweiz: Mobil­funk muss nicht teuer sein

Swisscom CEO Urs Schaeppi stellte den neuen Roaming-Tarif der Presse persönlich vor.

Swisscom CEO Urs Schaeppi stellte den neuen Roaming-Tarif der Presse persönlich vor.
Foto: Swisscom

Auch tarif­lich galt die Schweiz bisher als teuer, doch auch hier haben sich die Zeiten längst gewan­delt. Die Schweiz ist bekannt­lich kein Mitglied der Euro­päi­schen Union, aber über zahl­reiche bila­te­rale Verträge mit der EU "verbunden". Bei Mobil­funk müssen die deut­schen Anbieter mit der Swisscom und ihren Mitbe­wer­bern direkt verhan­deln, die EU-Roaming-Grenz­werte gelten hier nicht. Nur die Deut­sche Telekom "traut" sich, die Schweiz in ihre "Roam like Home"-Ange­bote, wie sie in der EU verbind­lich gelten, mit einzu­be­ziehen.

Schweizer Europa-Tarif - (fast) alles drin

Swisscom-Marketing-Chef Dirk Wierzbitzki erklärte die Details des neuen Roaming-Tarifes: Europa+Schweiz flat und alle 3 deutschen Netze für unter 70 Euro im Monat. Doch es gibt einen Haken.

Swisscom-Marketing-Chef Dirk Wierzbitzki erklärte die Details des neuen Roaming-Tarifes: Europa+Schweiz flat und alle 3 deutschen Netze für unter 70 Euro im Monat. Doch es gibt einen Haken.
Foto: Swisscom

Und ausge­rechnet der in der Schweiz mitunter als "schwer­fällig" verru­fene Anbieter Swisscom hat sich jetzt von den Roaming­ge­bühren verab­schiedet und den Tarif inOne mobile go vorge­stellt. Das ist ein Lauf­zeit­ver­trag (auf schwei­zer­deutsch "Abon­ne­ment" oder kurz "Abo"), mit dem man in der Schweiz und in Europa (fast) unbe­grenzt tele­fo­nieren und surfen kann. Der neue Tarif startet Ende des Monats.

"inOne mobile go" löst die über 1,8 Millionen bestehenden Lauf­zeit­ver­träge ("Abon­ne­mente") vom Typ "inOne mobile XS-XL" ab. Swisscom-Marke­ting-Manager Dirk Wierz­bitzki (früher bei Mannes­mann/Voda­fone in Deutsch­land tätig), ist sich sicher, dass das neue Abo "die Bedürf­nisse von etwa 80 Prozent der Swisscom Kunden" abdeckt und sie ihr "Smart­phone deut­lich flexi­bler nutzen" lässt.

Im Tarif sind unbe­grenztes Tele­fo­nieren, SMS und MMS (!) in der Schweiz und EU-Europa enthalten, ferner Daten­über­tra­gungen mit bis zu 100 MBit/s Daten­rate (soweit das lokale Netz es zulässt) inner­halb der Schweiz und der EU enthalten. Erst im Klein­ge­druckten erfährt man, dass das Daten­vo­lumen im Ausland auf 40 GB pro Monat begrenzt ist, danach wird auf 128 kBit/s gedros­selt, was im "Normal­fall" trotzdem ausrei­chen sollte.

Damit entfallen erst­mals die schweiz- und euro­pa­weit oft kriti­sierten Gebühren für die Handy­nut­zung im EU-Ausland. "Wir waren schon bisher die attrak­tivste Schweizer Anbie­terin beim Roaming. In unseren Abos war eine bestimmte Anzahl Tage und ein Daten­vo­lumen inbe­griffen. Unsere Kunden empfinden dies teils immer noch als Einschrän­kung. Mit dem neuen Abo können unsere Kunden im EU-Ausland so sorglos surfen wie daheim", erklärt Dirk Wierz­bitzki, Leiter Produkt und Marke­ting bei Swisscom.

Der Preis für diesen Rundrum-Sorglos-Tarif sind 80 Schweizer Franken im Monat, das sind umge­rechnet etwa 68 Euro. Sollte man schon einen Fest­netz­ver­trag bei Swisscom haben, redu­ziert sich der Preis noch­mals um 20 Franken im Monat (etwa 17 Euro). Einen solcher Tarif mit dieser Leis­tung ist in Deutsch­land derzeit nahezu undenkbar, nur der nagel­neue o2-Free XL kommt diesem Angebot relativ nahe, umfasst aber nicht die gesamte EU.

Smart­phone auf Wunsch

Im Gegen­satz zu Deutsch­land läuft ein "inOne mobile go"-Vertrag bei Neuab­schluss nur 12 Monate. Erst­malig trennt Swisscom den Kauf eines Handys (Smart­phones) vom Lauf­zeit­ver­trag. Damit reagiert Swisscom auf verän­derte Kunden­be­dürf­nisse: Während das subven­tio­nierte Gerät früher ein wesent­li­cher Grund für die Anbie­ter­wahl darstellte, verliere es zuneh­mend an Bedeu­tung. Laut einer von Swisscom in Auftrag gege­benen Umfrage möchten 87 Prozent der Kunden ihr Gerät nutzen, "bis es kaputt geht". Nur 10 Prozent wünschen sich heute noch regel­mässig ein neues, vergüns­tigtes Gerät. Die Tren­nung von Vertrag und Handy schlägt sich in einem nied­ri­geren monat­li­chen Vertrags­preis nieder und so betonen die Schweizer Marke­ting­ex­perten, schütze außerdem die Umwelt, wenn die Kunden ihr Smart­phone länger nutzen. Kunden können aber auch getrennt ein neues Smart­phone beziehen – etwa per Raten­zah­lung – und dabei das alte Handy bei Swisscom in Zahlung geben, ähnliche Modelle gibt es bei o2 in Deutsch­land.

Wer noch etwas drauf­legen mag: Für monat­lich weitere 25 Franken (etwa 21 Euro) erhalten Kunden zu "inOne mobile go" noch ein "Rundum-sorglos-Paket", für das Smart­phone, welches unter anderem eine Versi­che­rung gegen Sturz-, Display- und Wasser­schäden sowie bei Geräten von Apple und Samsung eine garan­tierte Express-Repa­ratur inner­halb von drei Stunden (an Arbeits­tagen) beinhaltet.

Pakete und Optionen buchbar - sogar mit 5G!

Durch zusätz­liche Pakete und Optionen lässt sich "inOne mobile go" noch je nach Bedarf anpassen. Alle Optionen können jeder­zeit gebucht und flexibel gekün­digt werden (Kündi­gungs­frist 30 Tage) Das "Connect Pack" für 20 Franken steht drei Geräten zur Verfü­gung und erlaubt mit bis zu 1 GBit/s (sofern man ein super­schnelles 5G-kompa­ti­bles Smart­phone und entspre­chende 4G-LTE-CA oder bald 5G(!)-Versor­gung hat) zu surfen. Das "Inter­con­ti­nental Pack" beinhaltet für monat­lich 70 Franken (60 Euro) "unli­mi­tiertes Roaming" inner­halb Nord­ame­rikas sowie unli­mi­tierte Anrufe in die EU, USA und nach Kanada, nach 40 GB im Monat wird gedros­selt.

Weitere spezi­elle Optionen erlauben das Surfen "über mehrere Geräte" (mit MultiSIM) oder die maxi­male Surf­ge­schwin­dig­keit oder unli­mi­tierte Anrufe ins Ausland, Wer all Optionen habe möchte, bekommt mit "inOne mobile premium" ein Komplett­paket aus Lauf­zeit­ver­trag und allen Optionen zum "Vorzugs­preis" ab 200 Franken im Monat (etwa 170 Euro) an, Fest­netz­kunden bekommen wiederum 20 Franken Rabatt.

Das neue "inOne mobile go"-Angebot startet ab dem 25. Februar. Bestehende Kunden werden nicht auto­ma­tisch umge­stellt, können aber unkom­pli­ziert auf das neue Abo wech­seln, verspricht Swisscom.

Für Kunden, die ihr Smart­phone nur in der Schweiz nutzen oder aber nicht von unli­mi­tierten Daten profi­tieren wollen, führt Swisscom zum glei­chen Zeit­punkt die Tarife "Swiss mobile flat" und "inOne mobile basic" ein. Beim "inOne mobile basic" ist Daten­gut­haben für die Schweiz und das EU-Ausland enthalten. Für Wenig­nutzer wird Swisscom im April ein neues Einstiegs­an­gebot vorstellen. Außerdem sollen für alle Neu- und Bestands­kunden (auch in älteren Tarifen) die Preise für die Daten­pa­kete im Ausland deut­lich gesenkt werden.

InOneGo: Idealer Tarif für Deut­sche Kunden?

Für 68 Euro im Monat eine EU- und Schweiz-weite Quasi-Flat­rate (sogar für MMS!) und die Möglich­keit, wahl­weise in allen drei deut­schen Netzen tele­fo­nieren und surfen zu können: Das wäre doch aufgrund der aktu­ellen Netz­aus­bau­lage in Deutsch­land genau ein Tarif, der inten­siven Nutzern, die auf mobile Erreich­bar­keit ange­wiesen sind, weit entgegen käme. Doch leider steht hier eine hohe büro­kra­ti­sche Hürde im Weg: Wie wir von Swisscom auf Anfrage erfahren haben, benö­tigen beispiel­weise deut­sche Kunden, die diesen Vertrag abschließen wollen, eine "Aufent­halts­be­wil­li­gung" für die Schweiz (sprich einen Schweizer Wohn­sitz). Und damit dürfte dieser Tarif für viele aus dieser Ziel­gruppe eher uner­reichbar bleiben.

In Deutsch­land müsste man dazu den Magenta Mobile Premium XL der Telekom wählen, der aller­dings aktuell 199,95 Euro (inkl. "neuem" Handy alle 12 Monate) kostet, Voda­fone bietet Geschäfts­kunden zum glei­chen Preis einen in etwa vergleich­baren Tarif (Red Bussi­ness Europe) aber mit weniger Daten an. Dabei bliebe man in Deutsch­land dann nur auf jeweils ein Netz beschränkt.


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