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13.09.2015 - 17:47
Skurril

Editorial: Mit wasserdichten Handys nicht ins Wasser

Werbeversprechen vs. Funktionstüchtigkeit

Smartphone-Hersteller müssen sich dieser Tage für ihre Geräte besondere Features einfallen lassen, um das Interesse potentieller Käufer zu wecken. Ein prominentes Werbeversprechen von Sony sind Outdoor-Eigenschaften wie die Wasser­dichtigkeit der Geräte. Doch was groß angepriesen wird, bedeutet nicht, dass Nutzer die Features auch ausprobieren sollten. Denn Sony verbietet auf seiner Xperia-Webseite nun explizit das Eintauchen der Smartphones und Tablets ins Wasser, obwohl diese wasserdicht sind. Ein Widerspruch, den wir uns genauer angesehen haben.

Sony: Wasserdichte Handys dürfen nicht ins Wasser

Sony: Wasserdichte Handys dürfen nicht ins Wasser
Bild: teltarif.de

Egal, ob wir uns die Produktseite des Xperia Z3, Xperia Z3 Plus oder anderen Modellen ansehen, in der Regel lesen wir bereits in der Gerätebeschreibung das Wort "wasserdicht". Smartphones wie das Sony Xperia M4 Aqua (hier im Test) tragen diese Eigenschaft sogar im Namen. Denken wir ein wenig zurück, gab es Werbespots im Fernsehen, in denen lächelnde Urlauber ihr Smartphone oder Tablet mit unter den Wasserfall oder ins Schwimmbad genommen haben, um dort Fotos zu schießen.

Möglich soll dies - je nach Modell - die Norm IP65, IP67 oder IP68 machen, die angibt, dass Geräte bis zu 30 Minuten in etwa einem Meter tiefen Wasser getaucht werden können, ohne Schaden zu nehmen. Allerdings sollte beachtet werden, dass sich diese Aussage auf Süßwasser ohne irgendwelche Zusätze wie Seife, Chlor etc. bezieht. Gerade diesen wichtigen Hinweis erfahren Nutzer jedoch in der Regel nur im Kleingedruckten. Schlimmer noch: Werbefotos am Strand oder am Pool suggerieren uns als Kunden, dass die wasserdichten Smartphones auch in dieser Umgebung ohne Probleme verwendet werden können.

Wasserdichte Geräte bitte nicht ins Wasser tauchen

Sony preist selbst bei seinen aktuellen Geräten der Xperia-Z5-Reihe das wasser- und staubdichte Design an. In der Fußnote auf der Webseite heißt es: "Das Gerät xy ist wasserdicht und staubgeschützt. Man muss sich also keine Gedanken machen, wenn man in den Regen kommt oder unter dem Wasserhahn Schmutz abspülen möchte, sofern einige einfache Anweisungen befolgt werden: Alle Anschlüsse und Abdeckungen müssen fest verschlossen sein. Man darf das Gerät nicht mit Meerwasser, Salzwasser, gechlortem Wasser oder Getränken und ähnlichen Flüssigkeiten in Kontakt bringen."

Unter Wasser abspülen heißt nicht gleich ins Wasser legen, wie es die Werbung darstellt. Wäre der Einschränkung von Sony zufolge statt der Bezeichnung "wasserdicht" also nicht vielmehr eine Aussage wie beispielsweise "spritz­wasser­geschützt" korrekter? Und was passiert, wenn Wasser trotz verschlossener Abdeckungen der Smartphone-Slots in das Gerät eindringt - wenn beispielsweise die Dichtungen der Kappen nicht mehr richtig schließen? Das kann durchaus passieren, schließlich werden Abdeckungen regelmäßig geöffnet und geschlossen, sodass Dichtungen mit der Zeit ausleiern können.

Doch nicht nur was die Berührung der Smartphones mit Wasser angeht hat Sony so seine eigenen Vorstellungen. Forschen wir weiter, finden wir einen interessanten Text, in dem Sony den Smartphone-Nutzern genaue Anweisungen gibt, wie sie mit ihrem als wasserdicht angepriesenen Xperia-Gerät umzugehen haben (via Xperia-Blog).

Sonys Vorstellung von wasserdicht

Was bedeutet die IP-Norm der Xperia-Modelle für Sony? Sie gibt an, dass die Smartphones und Tablets in einer streng kontrollierten Laborumgebung auch dann noch funktionierten, nachdem sie bestimmten Bedingungen ausgesetzt waren. Wasserdichte Geräte werden beispielsweise vorsichtig in einen Behälter mit Leitungswasser gelegt und bis zu einer Tiefe von 1,5 Meter abgesenkt. Nach 30 Minuten in dem Behälter wird die Vorrichtung vorsichtig wieder herausgenommen und das Gerät auf seine Funktionstüchtigkeit hin getestet.

Auffällig ist, dass Sony mehrmals betont, mit welcher Vorsicht die Wasser­dichtigkeit der Geräte getestet wird. Zudem wird dies nur unter streng kontrollierten Bedingungen im Labor getan - die Handhabung der Smartphones und Tablets ist also keineswegs repräsentativ für den normalen Gebrauch im Alltag. Denn wer hält sein Smartphone schon regelmäßig zum Spaß unter den Wasserhahn? Wahrscheinlicher ist es doch, dass ein Gerät beispielsweise während des Abwaschens in das Seifenwasser oder während eines Ausflugs in eine Pfütze oder einen See etc. fällt. Auch passiert es, dass auf dem Tisch ein Glas mit Saft oder einem anderen Getränk umkippt und die Flüssigkeit über das Smartphone läuft. Doch all diese alltäglichen Szenarien sind genau die, vor denen die "wasserdichten" Smartphones eben nicht geschützt sind.

Spielen Konzerne wie Sony also ganz bewusst mit der Funktionstüchtigkeit unserer Smartphones? Warum sonst wirbt das Unternehmen damit, dass sich seine Geräte auch als Unterwasser-Kameras eignen - die separate Kamera-Taste der Xperia-Geräte soll das Auslösen der Kamera auch im Wasser ermöglichen. Gleichzeitig gibt Sony aber auf der Webseite den Hinweis: "Denken Sie daran, das Gerät nicht unter Wasser zu verwenden." Wie nun? Unterwasser fotografieren, ohne das Smartphone ins Wasser zu tauchen? Wie soll das gehen? Sind die Werbeversprechen nichts als heiße Luft?

Werbevideo im Pool, obwohl gechlortes Wasser schädlich ist

Wasserschaden? Keine Garantieansprüche

Halten sich Nutzer nicht an die Vorgaben und erleiden die Geräte einen Wasserschaden, so erlischt in der Regel auch die Garantie. Für betroffene Besitzer ist es aber oft nicht einfach nachzuweisen, dass sie mit ihrem Smartphone korrekt umgegangen sind und so werden etwaige Schäden nicht über die Garantie abgedeckt. "Bei missbräuchlicher oder unsachgemäßer Verwendung des Geräts erlischt die Garantie", heißt es bei Sony.

Doch die Japaner sind mit ihren Klauseln nicht allein. Auch Hersteller wie beispielsweise Samsung lehnen Reparaturen im Rahmen der Garantie für Wasserschäden ab, auch wenn die Geräte explizit als wasserdicht beworben werden. Vor einiger Zeit hatten wir die Wasserdichtigkeit des Samsung Galaxy S4 Active, das nach IP67 Schutz vor Wasser bieten sollte, auf die Probe gestellt. Allein das Eintauchen in einen etwa 15 Zentimeter großen, mit Leitungswasser gefüllten Krug reichte aus, um das Display des S4 Active zu zerstören. Wir haben unseren Test in einem Video festgehalten.

Auch andere Nutzer bemerkten nach dem Eintauchen ins Wasser einen Schaden am Gerät und posteten dies im Internet. Doch Wasser­schäden werden auch bei Samsung nicht durch die Garantie abgedeckt und so blieben betroffene Nutzer, trotz der Versprechen der Wasser­dichtigkeit, nicht selten auf ihren defekten Geräten sitzen.

Vorsicht vor Hersteller-Versprechen

Was sagt uns das Ganze? Werbeversprechen der Hersteller sollten wir nicht trauen. Smartphones und Tablets sind nicht für das Wasser gedacht, auch wenn uns die Hersteller dies Glauben machen wollen. Soll das Gerät dennoch mit in den Urlaub, so gibt es spezielle Hüllen, die das Smartphone, das Tablet oder die Kamera weit besser schützen. Lifeproof bietet derartige Cases beispielsweise für das iPhone an. In einer weiteren Meldung finden Sie unseren Test. Auch Universalhüllen schützen die Geräte, wie wir während eines Ägypten-Urlaubs testen konnten.


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Rita Deutschbein

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