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22.01.2014 - 10:55
Verdächtig

Piraterie-Verdacht: Heimatschutz holt Google-Glass-Träger aus dem Kino

Risiken und Nebenwirkungen der Google-Datenbrille

Das kommt davon, wenn man selbst im Kino nicht darauf verzichten will, mit den neuesten Gadgets aus dem Google-Universum anzugeben: In den USA wurde ein Mann aus einer laufenden Kinovorstellung geholt, weil er seine Datenbrille während einer Filmvorführung auf der Nase behalten hatte. Das berichtet heute unter anderem die Süddeutsche Zeitung.

Der Google-Glass-Träger war den Mitarbeitern vom Verband der amerikanischen Filmindustrie (MPAA) bei einer Routinekontrolle aufgefallen. MPAA-Leute suchen in amerikanischen Kinos systematisch nach Besuchern, die heimlich Filme mitschneiden. Auf diese Weise will die Filmindustrie verhindern,

Im Kino besser nicht tragen: Die Datenbrille Google Glass.

Im Kino besser nicht tragen: Die Datenbrille Google Glass.
Bild:dpa

dass Raubkopien neuer Kinofilme sofort im Internet landen. Unterstützt wird die Filmindustrie dabei von der beim Heimatschutzministerium angesiedelten Einwanderungs- und Zollbehörde.

Die MPAA-Mitarbeiter verdächtigten den Besucher, mit seiner Datenbrille einen illegalen Mitschnitt des laufenden Filmes aufzunehmen. Deshalb holten sie ihn aus der Vorstellung und übergaben ihn an Beamte vom Heimatschutz. Ein Sprecher des Heimatschutz­ministeriums bestätigte den Vorfall gegenüber der Washington Post. Danach sei es in dem Kino in Columbus, der Hauptstadt des Bundesstaats Ohio, zu einem Vorfall mit einer längeren Befragung gekommen. Der Betroffene habe die Fragen "freiwillig" beantwortet und die Behörden davon überzeugen können, dass die Datenbrille ausgeschaltet gewesen sei, hieß es. Gegen den Betroffenen liefen keine weiteren Ermittlungen.

Der Fall kam nun an die Öffentlichkeit, weil der Mann einen Augenzeugenbericht in einem privaten Blog veröffentlichte. Darin beschreibt der Mann, dass er mit seiner Frau erst vor dem Eingang des Kinos festgehalten worden sei. Daraufhin hätten die Beamten ihn von seiner Frau getrennt und ihn etwa drei Stunden lang befragt. Die Heimatschutz-Mitarbeiter, die der Mann erst fälschlicherweise für FBI-Agenten hielt, hätten ihn mehrfach darauf hingewiesen, dass es sich um eine "freiwillige Befragung" handle und er nicht festgenommen sei. Allerdings setzten sie ihn offenbar schon unter Druck, um ihn zu einer Kooperation zu bewegen.

Viele Möglichkeiten enthalten auch viele Risiken

Der Befragte versicherte, dass die Computer-Brille während des gesamten Films ausgeschaltet gewesen sei, was er während der Befragung mehrfach habe beweisen wollen. Die Beamten hätten ihn aber nicht an seine Brille gelassen, weil sie befürchteten, dass er Dateien löschen könnte. Erst nach nach einer langwierigen Befragung sei dieser Umstand überprüft worden.

Google Glass ist eine mit einem kleinen Computer und einem mobilen Internet-Zugang ausgestattete Datenbrille. Auf dem Brillenglas können Informationen eingeblendet werden, etwa von Suchanfragen über Google, Wetter- oder Standortdaten. Auch soziale Netzwerke können damit stets im Blick des Nutzers bleiben - Apps von Gmail, Facebook und Twitter speziell für die Brille gibt es bereits. Kritiker bemängeln bei dem Konzept aber einen möglichen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, weil mit Google Glass auch Videos und Fotos aufgenommen werden können, ohne dass die fotografierten Personen davon etwas mitbekommen. Genau dieser Umstand führte zu dem oben beschriebenen Piraterie-Verdacht.

Vor wenigen Tagen erst musste sich eine Autofahrerin vor einem kalifornischen Gericht verantworten, weil sie während der Fahrt eine Datenbrille trug. Das Verkehrsgericht konnte allerdings die grundsätzlichen Frage nicht klären, inwieweit das Tragen von Datenbrillen am Steuer überhaupt erlaubt bzw. verboten ist. Daher erfolgte ein Freispruch aus Mangel an Beweisen.

Wie sich die Datenbrille im Vergleich mit der Smartwatch schlägt, lesen Sie in unserem Artikel Tech-Duell: Computer-Brille gegen Daten-Uhr.


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Marie-Anne Winter

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