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03.11.2019 - 17:59
Finanzierung

Geld von der Masse: Was aus Crowdfunding geworden ist

In erfolgreichen Kampagnen steckt viel Arbeit

Gute Ideen gibt es viele. Was fehlt, ist oft Geld. Vor einigen Jahren kam deshalb eine Finan­zierungs­form in Mode, die das Vermögen der Masse anzapft: Crowd­funding.

Das Prinzip: Wer genug Leute für seine Belange begeis­tern kann, bekommt von seinen Unter­stüt­zern finan­zielle Zuschüsse für sein Projekt, entweder auf Spen­denbasis oder gegen ein Danke­schön. Filme und smarte Uhren, verpa­ckungs­freie Läden und Start-ups haben so ihr Budget aufge­bessert. Funk­tioniert das auch heute noch?

Jein, lautet die Antwort. "Crowd­funding ist es in Deutsch­land nicht wirk­lich gelungen, sich durch­zusetzen", sagt Michael Gebert. Er ist Vorstands­vorsit­zender des Deut­schen Crowd­sour­cing Verbandes.

Vor allem der Ursprungs­gedanke, krea­tive Ideen mit Geld zu unter­stützen, habe sich nur bedingt etabliert, so Gebert. Zwar kannten 2018 laut Crowd­funding-Baro­meter fast zwei Drittel der Befragten das Konzept - deut­lich mehr als noch vier Jahre zuvor. Die inves­tierten Summen wachsen aber nicht.

Crow­din­vesting wächst, vor allem in Immo­bilien

Gemeinsam Projekte finanzieren: Crowdfunding und Crowdinvesting

Gemeinsam Projekte finanzieren: Crowdfunding und Crowdinvesting
Bild: dpa

Was hingegen gewachsen ist, ist eine Form der Geld­anlage über die Crowd: Beim Crow­din­vesting finan­zieren Teil­nehmer ein Projekt und werden an dessen Rendite betei­ligt. Gefragt sind bei dieser Form vor allem Immo­bili­enpro­jekte - die sind greifbar, und man bekommt Zinsen.

Das Risiko sei eher gering, erklärt Oliver Gajda vom European Crowd­funding Network. Die Projekte werden meist von etablierten Bauun­ternehmen betrieben - und auch die Platt­formen, allen voran Exporo oder iFunded, haben ein Inter­esse daran, dass das Geld der Inves­toren nicht im Nirwana verschwindet.

Bei einer Pleite kann man aller­dings das Nach­sehen haben: Sind Geld­geber über ein Nach­rang­darlehen einge­stiegen, bekommen sie als letzte Gläu­biger ihr Geld zurück. Inzwi­schen domi­nieren als Anla­geform aller­dings Bank­darlehen oder Anleihen.

Klas­sisches Crowd­funding eher mit lokalem Bezug

Ist es mit dem Sammeln für krea­tive Ideen abseits des Invest­ment­marktes also vorbei? Das klas­sische Crowd­funding gibt es zwar weiterhin, aller­dings auf weniger Platt­formen und eher mit einem lokalen Bezug. "Viele Spar­kassen haben eine Crowd­funding-Platt­form, die lokale Projekte finan­ziert", erklärt Gajda.

Auch manche Städte haben sich einge­schaltet. In München zum Beispiel gibt es #krea­tivmün­chen, eine Platt­form, die Bera­tung und finan­zielle Unter­stüt­zung anbietet. Betrieben wird sie vom städ­tischen Kompe­tenz­team Kultur- und Krea­tivwirt­schaft.

Der Markt hat sich konso­lidiert

Der Markt für Websites wie Start­next, Kick­starter oder Indiegogo, auf denen man Crowd­funding-Projekte schalten und unter­stützen kann, ist über­sicht­licher geworden. "Das Risiko, eine falsche Platt­form zu finden, ist geringer geworden", sagt Michael Gebert. Viele Platt­formen hätten sich zusam­menge­schlossen, andere sind verschwunden. Über­lebt haben nach Angaben des Experten nur die, die gut genug sind und sich konso­lidiert haben. Einen Über­blick gibt zum Beispiel das Infor­mati­onsportal "Crowdfunding.de".

Die Ausrich­tung der Anbieter ist verschieden: Auf Kick­starter finden sich zum Beispiel haufen­weise krea­tive Projekte, vom Comic­buch über die Mode­kollek­tion bis zum Musik­album. Der über die Platt­form durch Crowd-Gelder mitfi­nanzierte Film "Inocente" hat 2013 den Oscar als bester Doku­mentar-Kurz­film gewonnen.

In erfolg­reichen Kampa­gnen steckt viel Arbeit

Crowd­funding ist insge­samt profes­sioneller geworden, sowohl was die Platt­formen angeht als auch die Projekte. "Es kommen mehr Leute als früher", sagt Anja Thonig, die bei der Gesell­schaft Crowd­funding Campus Kunden beim Sammeln für deren Projekte berät. Thonig führt das auch darauf zurück, dass die Menschen sich inzwi­schen bewusster seien, wie viel Arbeit in erfolg­reichen Kampa­gnen steckt. "Man kann nicht einfach ein Projekt auf eine Platt­form stellen, mit dem Finger schnippen, und dann läuft es."

Das Wich­tigste ist nach Meinung von Anja Thonig eine gute Vorbe­reitung und der Aufbau einer Commu­nity. Die Gefahr, sich zu verkal­kulieren, sei hoch. Es seien schon Projekte geschei­tert, obwohl die anvi­sierte Summe beim Crowd­funding einge­sammelt wurde.

Spende oder Gegen­leis­tung

Beim Sammeln unter­scheidet man unter anderem spen­denba­sierte Kampa­gnen und Projekte, bei denen Unter­stützer nach erfolg­reicher Finan­zierung ein Danke­schön bekommen - etwa eine Tasse, ein T-Shirt, das fertige Produkt oder die Einla­dung für eine Veran­stal­tung.

Dieses Danke­schön ist das einzige Risiko, dass Unter­stützer tragen. Denn bei dieser Form des Crowd­funding, auch vergü­tungs­basiert (reward based) genannt, schließen Unter­stützer eine Art Kauf­vertrag ab - mit der einge­zahlten Summe ermög­lichen sie das Projekt und kaufen sich gleich­zeitig das Danke­schön, wie Thonig erklärt.

Es kommt aber vor, dass Unter­nehmer falsch planen - und die Summe zwar errei­chen, ihre Idee aber trotzdem nicht umsetzen können und so Unter­stützer auch keine Gegen­leis­tung erhalten. Im Zweifel könne man in solchen Fällen klagen, erläu­tert Thonig.

Erreicht das Projekt die gewünschte Ziel­summe nicht, wird das Geld an die Unter­stützer einfach wieder zurück­gezahlt.


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dpa /

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