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23.03.2020 - 14:03
Bericht

Telefonkonferenz: Deutschlands erste Woche im Home Office

talkyoo-Geschäftsführer über ereignisreiche Tage

Aufgrund der Corona-Krise waren zahl­reiche Arbeit­nehmer und Unter­nehmer in Deutsch­land dazu gezwungen, im Home-Office zu arbeiten und mit Kollegen oder Geschäfts­part­nern über Tele­fonkon­ferenzen zu kommu­nizieren. Auch für die Anbieter von Tele­fonkon­ferenz-Diensten war dies eine große Heraus­forde­rung. Wir haben René Bormann, den Gründer und Geschäfts­führer von talkyoo gebeten, einmal zu erzählen, wie er und seine Kollegen die Woche erlebt haben:

talkyoo-Gründer und -Geschäftsführer Rene Bormann

talkyoo-Gründer und -Geschäftsführer René Bormann
Bild: talkyoo

Vieles ist anders als vor zwei Wochen: keine Bundes­liga, keine Schule, kein Vereins­sport. Auch die Arbeits­welt erfährt einen schlag­artigen Wandel. In vielen Unter­nehmen wird das Home Office einge­führt.

Mit der Einfüh­rung von dezen­tral arbei­tenden Teams müssen häufig neue Form der Kommu­nika­tion einge­führt werden. Das Gespräch oder das Tele­fonat hat einige Vorteile gegen­über der E-Mail und die Tele­fonkon­ferenz ist ein gutes Medium für den münd­lichen synchronen Austausch. Tele­fonkon­ferenzen sind für Kunden, die für Daten­schutz sensi­bili­siert sind, nahezu ohne Alter­native. Sie werden auch häufig als Ergän­zung zu Video­konfe­renzen oder Desk­topsha­ring Appli­kationen genutzt, da hier die Sprach­über­tragung besser ist. Beson­ders in Gebieten mit Poten­zial beim Netz­ausbau.

Für talkyoo, einem Hamburger Anbieter von Tele­fonkon­ferenzen, war die erste Woche mit bundes­weit geschlos­senen Schulen mit zahl­reichen Heraus­forde­rungen verbunden. Einer­seits bereitet die Auslas­tung des Tele­fonnetzes zu uns Tele­konfe­renz­anbie­tern Heraus­forde­rungen. Die Netz­über­gänge der Tele­fonge­sell­schaften zur Telekom sind über­lastet. Viele Anrufer bleiben bereits im Telekom-Netz "stecken" – die Anrufe errei­chen die Partner-Tele­fonge­sell­schaften der Konfe­renz-Anbieter nicht.

Zusätz­liche Einwahl­nummern bereit­gestellt

talkyoo stellt den Kunden per News­letter und Webseite www.talkyoo.net/corona alter­native Einwahl­nummern zur Verfü­gung. Gleich­falls portiert talkyoo volu­menstarke Einwahl­nummern zu einer Partner-Tele­fonge­sell­schaft, um die Auslas­tung an den Netz­über­gängen zu senken.

Die Sprach­qualität der Tele­fonaten ist seit Montag im deut­schen Tele­fonnetz stark einge­brochen. Aus gut infor­mierten Kreisen des Telekom-Maschi­nenraums wird bekannt, dass die VoIP-Stre­cken der Telekom massiv über­bucht sind. Beispiels­weise werden 1-GBit-VoIP-Leitungen, die normal mit 6000 bis 7000 Gesprä­chen gefahren werden, derzeit mit 8000 bis 10 000 gleich­zeitigen Anrufen belegt.

Diesen Einbruch der Sprach­qualität stellt man schon bei Eins-zu-Eins-Gesprä­chen fest. Gleich­falls ist der Über­gang aus dem Mobil­funk ins Fest­netz in mehreren Bundes­ländern über­lastet.

Gegen diese subop­timalen Sprach­qualität sind alle Tele­fonkon­ferenz­anbieter machtlos. Oder, wie man unter Foto­grafen sagt: "Du kannst aus einem Arsch, kein Gesicht machen!"

Mehr Konfe­renzen mit weniger Teil­nehmern

talkyoo infor­miert Kunden, im Home Office ein Fest­netz­telefon zu nutzen. Die Tele­fonkon­ferenz-Platt­form in Hamburg wird in dieser Woche stärker denn je genutzt. Nach Stunden des Grübelns werden in der Nacht zum Dienstag im Rechen­zentrum Tatsa­chen geschaffen. Als Maßnahme wurden die DSP (Digi­tale Signal­prozes­soren) zum Mixen der Audio-Ströme in der Platt­form verdop­pelt. Am Mitt­woch kamen immer noch viele Anrufe nicht in Hamburg an. Aller­dings arbeiten natür­lich auch die Telekom und die anderen Tele­fonge­sell­schaften am Ausbau der Kapa­zitäten. Am Donnerstag griffen eben­falls die Portie­rungs­maßnahmen – die Anzahl der gleich­zeitigen Anrufe erhöhte sich.

Die Platt­form stürzte ab, obwohl ausrei­chend DSP Ressourcen zur Verfü­gung standen. Das Nutzungs­verhalten hat sich geän­dert. Vor der Corona-Situa­tion wurden größere Konfe­renzen geführt, dafür hält die Platt­form extra Verschal­tungs-Kapa­zitäten für die DSPs pro Konfe­renz vor. Denn zu Beginn einer Konfe­renz ist nicht klar, wie viele Anrufer teil­nehmen. Daher wird für jede Konfe­renz extra Verschal­tungs-Kapa­zität reser­viert, um große Konfe­renzen jeder­zeit zu ermög­lichen. Durch deutsch­land­weites Home-Office hat sich der Bedarf für Konfe­renzen mit wenigen Teil­nehmer drama­tisch erhöht.

Die für große Konfe­renzen extra reser­vierte Verschal­tungs-Kapa­zität (H110 TimeSlots) wird von kleinen Konfe­renzen nicht benö­tigt, aber trotzdem blockiert. Für die Anzahl der Anrufer in mehreren großen Konfe­renzen hätte die Platt­form locker gereicht – doch durch die vielen kleinen Konfe­renzen führte es zum Knall. Nach fünf Minuten war talkyoo wieder live und schlauer.

Zweite Platt­form: Jetzt 2400 Leitungen

In der Nacht zum Freitag wurde eine zweite Platt­form aufge­baut und die Rufnum­mern über beide Platt­formen verteilt. Seit Freitag früh stehen den Kunden 2400 (zweimal 1200) Leitungen zur Verfü­gung. Eine Woche zuvor waren es 960.

"Ich finde es geil, wenn viele Menschen auf der Platt­form schnacken. Ich gebe alles, um jedem, der unsere Dienst­leis­tung nutzen möchte dies zu ermög­lichen", sagt René Bormann, Gründer und Geschäfts­führer von talkyoo. Dieser inten­sive Ausbau ermög­licht talkyoo auch weiterhin Kunden aus einer längst vergan­genen Ära zu pflegen. Wie teltarif.de berich­tete, wurden die talkyoo Räume vor 10 Jahren kosten­pflichtig. Bestands­kunden aus der Zeit davor konnten auch in dieser ereig­nisrei­chen Woche ihre kosten­losen Räume nutzen.

Neben dem tech­nischen Ausbau der Platt­form und der Kommu­nika­tion mit den Partner-Tele­fonge­sell­schaften hatte talkyoo auch mit einer deut­lich inten­siveren Kunden­kommu­nika­tion zu tun. Bestehenden Kunden mussten Schwie­rigkeiten bei der Erreich­barkeit und Schwan­kung bei der Sprach­qualität erklärt und Lösungs­wege aufge­zeigt werden. Zudem wurden die Fragen der zahl­reichen Neukunden beant­wortet. talkyoo stellt Antworten per Hotline, E-Mail und im Chat zur Verfü­gung und ist gespannt auf die nächste Woche.

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