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20.08.2018 - 12:00
Partner gesucht

Deutsche Bahn sucht Passagiere für ihre Glasfaser

Bahn über Arcor mit Vodafone verbunden

Die Deutsche Bahn befördert Güter und Passagiere, aber auch Daten - und zwar neben den Gleisen. Das gesamte deutsche Bahn-Netz hat etwa 33 500 Kilometer Länge. Über weite Teile liegen neben der Strecke Kabelkanäle, in denen bereits viel Glasfaser und noch mehr Kupferkabel verlegt ist. Diese Leitungen nutzt die Bahn, um ihre Züge zu steuern: Um zu wissen, wo wann welcher Zug steht oder fährt, und den Lokführern, wenn möglich, die Signale von rot auf grün zu stellen. Wo keine Kabel (mehr) liegen, setzt die Bahn auf GSM-R, ein Mobilfunknetz nach GSM-Standard, das nur von Eisenbahn-Unternehmen, aber nicht von Zivilpersonen (z.B. Fahrgästen) genutzt werden darf. Darüber wird nicht nur telefoniert, sondern auch gesteuert.

Bahn plus Mannesmann = Arcor

Neben den Bahngleisen liegen helle Platten. Darunter befinden sich oft Rohre für Kabel, viel Glasfaser, noch mehr Kupfer. Die Bahn sucht neue Kunden für diese Leitungen.

Neben den Bahngleisen liegen helle Platten. Darunter befinden sich oft Rohre für Kabel, viel Glasfaser, noch mehr Kupfer. Die Bahn sucht neue Kunden für diese Leitungen.
Foto: Picture Alliance / dpa

Für ihren Kommunikationsbedarf hatte die Deutsche Bahn die DBKom ins Leben gerufen, die zusammen mit der Communications Network International (CNI), einer damaligen Mannesmann-Tochter den Festnetzanbieter Arcor gründete. Als Mannesmann zu Vodafone wechselte, "erbte" der britische Mobilfunkkonzern auch die Firma Arcor. Juristisch ging das schnell über die Bühne, aber intern war man sich viel zu lange gar nicht einig, was man damit eigentlich machen wollte. Diese historischen Bahn-Verbindungen führten übrigens dazu, dass bei Vodafone bis heute noch ehemalige Beamte der Deutschen Bundesbahn arbeiten und Tarifverträge auch mit verschiedenen Eisenbahngewerkschaften verhandelt werden müssen.

Bei Vodafone galt Festnetz lange als "antik" oder "überflüssig", die Zukunft war mobil. Doch irgendwann dämmerte es den Verantwortlichen, dass Mobilfunk ohne ein festes Netzwerk gar nicht funktionieren kann. Später kauften sie sich sogar noch einen Kabel-TV-Anbieter, die Kabel Deutschland (KDG), dazu. Einen weiteren Kabelnetzbetreiber, die Unitymedia möchte Vodafone auch noch gerne dazukaufen, falls Regulierer und die Kartellwächter mitspielen.

Will die Bahn anderen Unternehmen ihre Glasfasern anbieten?

Von daher verwundert die Meldung des Magazins DER SPIEGEL, der am Freitag berichtete, dass Sabina Jeschke, seit einem Jahr Digital-Vorstand der Bahn, dieses Bahn-Netz für den Breitbandausbau in Deutschland anbieten möchte. Derzeit, so das Magazin, suche die Bahn offenbar nach einem Partner in der Telekommunikationsbranche.

Die große Frage ist, inwieweit die Bahn noch Kapazitäten übrig hat, die sie nicht im Rahmen ihrer gemeinsamen Aktivitäten mit Arcor/Vodafone zur Verfügung stellen muss oder will.

Bedarf an bundesweiten Leitungen hätten viele Mitbewerber der Telekom, neben Vodafone auch Telefónica oder der United-Internet/1&1 Konzern. Bei Fernleitungen ist schon einiges an Glasfaser verlegt, oft aber nur zwischen den Vermittlungszentren in den großen Metropolen. Die Mobilfunkbetreiber suchen aber dringend nach Glasfaserverbindungen im ganzen Land, um das neue 5G-Mobilfunknetz aufzubauen. Spannend wären dazu schnelle Leitungen in die tiefe Provinz, aber dort gibt's oft keine Bahngleise (mehr) oder (noch) keine Glasfaser. Und durch schlecht erschlossene Wohngebiete in der Stadt oder im Grünen verläuft noch seltener ein Bahngleis.

Nun könnte die Deutsche Bahn Licht ins Dunkel bringen, aber dort wollte man sich auf Anfrage nicht äußern. Vielleicht geht es eher um die Suche nach privaten Geldgebern. Und damit, so weiß der Spiegel, soll die Investmentbank Morgan Stanley beauftragt worden sein. Auch von Vodafone liegt dazu noch keine Stellungnahme vor.

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