Digitale Dörfer

Neue Apps für Dorfbewohner

Wie bringt man die Digitalisierung aufs Land? Das Fraunhofer-Institut versucht es im Rahmen eines Testprojektes mit speziellen Apps für Dorfbewohner.
Von dpa / Marie-Anne Winter

Wie bringt man die Digitalisierung aufs Land? Wie bringt man die Digitalisierung aufs Land?
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Mehr als die Hälfte der Menschen in Rheinland-Pfalz lebt laut Statistischem Bundesamt in Gemeinden bis 10 000 Einwohner. Die kleineren Dörfer und Städte auf dem Land gelten aber - was die Digitalisierung betrifft - als Verlierer: eine stotternde Internetverbindung, verebbende Mobilfunkwellen und allmählich abwandernde Einwohner.

Das Projekt "digitale Dörfer" des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering (IESE), des rheinland-pfälzischen Innenministeriums sowie der Entwicklungsagentur des Landes wollen das ändern. Das selbst erklärte Ziel: den Wie bringt man die Digitalisierung aufs Land? Wie bringt man die Digitalisierung aufs Land?
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ländlichen Raum lebenswert zu halten, indem die Gemeinden digital vernetzt und so die Gemeinschaft gestärkt wird.

Nun startet das Projekt in die zweite Runde. Die Testregionen sind die drei Verbandsgemeinden Betzdorf-Gebhardshain im Landkreis Altenkirchen sowie Eisenberg und Göllheim im Donnersbergkreis. Dort werden die Einwohner in den nächsten zwei Jahren neue Apps zu Mobilität und Kommunikation testen.

Apps für Fahrdienste und lokale Nachrichten

Das seien die Themen, die die Bürger umtreiben, sagt der Bürgermeister von Betzdorf-Gebhardshain, Bernd Brato (SPD). Er erhoffe sich, dass die Gemeinde zusammen rückt: "Es soll eine Community entstehen."

Geplant ist etwa eine App mit dem Arbeitstitel "Dorf-News", eine Art regionales Nachrichtenportal. Die Anwendung soll Mitteilungen aus den Gemeinden sammeln, beispielsweise von Vereinen, und sie gebündelt verfügbar machen. Möglich sei auch, "Dorfreporter" einzusetzen, die ihre Nachrichten dann über die App veröffentlichen, meint Projektleiter Steffen Hess vom IESE.

Über eine weitere Anwendung sollen ehrenamtliche Fahrdienste wie "Bürgerbusse" gebucht werden können. Die Route des Fahrzeugs erscheint dann in Echtzeit auf dem Handy-Display der Wartenden. Die können so genau mitverfolgen, wann ihre Mitfahrgelegenheit ankommt.

Bereits während der ersten Projektphase im vergangenen Jahr hatten die Einwohner der drei Verbandsgemeinden in einmonatigen Probeläufen verschiedene Apps getestet. Diese kombinierten eine Art digitalen Marktplatz mit Nachbarschaftshilfe.

So konnten Einwohner übers Internet Waren des lokalen Einzelhandels bestellen; andere Einwohner lieferten die wiederum ehrenamtlich aus und wurden dafür mit einer digitalen Währung belohnt. Mit einer weiteren App konnten Einwohner Gegenstände oder Leistungen tauschen, von Holzpalletten über Käsekuchenrezepte bis zu Einkaufsfahrten zum Supermarkt.

Derzeit noch wenig aktive Nutzer

Von den rund 35 000 potenziellen Probanden in den Gemeinden hätten sich rund 700 Menschen für die Apps registriert, 150 davon hätten diese aktiv genutzt. Auch wenn das nicht viele sind, gibt sich Hess zufrieden mit der Stichprobe - das sei eine ähnliche Quote wie bei Car-Sharing-Anwendungen in Großstädten. Außerdem habe man gelernt: Gerade zum Start solcher Projekte braucht es "Kümmerer", also Menschen, die bei den Bürgern vor Ort für die neuen Angebote werben.

Von den Händlern sei das Feedback positiv gewesen. "Für viele ging es einfach um die digitale Präsenz", sagt Hess - auch wenn die Leute dann lieber direkt im Laden gekauft, statt über eine App bestellt hätten.

Zuerst soll nun die "Dorfnews"-App an den Start gehen, nach und nach kommen neue Anwendungen dazu. Auch die Apps der ersten Projektphase sollen wieder verfügbar sein und weiterentwickelt werden. Bis Ende 2019 dauert die zweite Testphase; eine vierstellige Zahl an Nutzern wollen die Forscher bis dahin erreichen.

Auch Bürgermeister Brato ist überzeugt, dass dieses Mal die Einwohner aktiver teilnehmen: "Es werden definitiv mehr werden."

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