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14.07.2019 - 18:30
Marketing

Editorial: Mehr Geld fürs günstigere Netz!?

5G sollte doch billiger werden, nicht teurer

Mit dem bevor­stehenden 5G-Start beginnt nun die heiße Phase für die Produkt- und Marke­ting-Manager der Tk-Unter­nehmen. Schließ­lich sollen die hohen Inves­titionen möglichst schnell wieder rein­geholt werden. Doch dadurch kommt es zu einigen Wider­sprüch­lich­keiten.

Wer beispiels­weise exklu­siver Kunde des Tarifs Magenta Mobil XL Premium der Deut­schen Telekom ist, wird nach aktu­eller Planung nicht auto­matisch für 5G frei­geschaltet. Das ist ange­sichts des Monats­preises von 200 Euro für diesen Tarif schlicht und einfach unver­ständ­lich. Schließ­lich soll nach aktu­eller Planung der teuerste 5G-Tarif namens Magenta Mobil XL Special nämlich "nur" 84,95 Euro monat­lich kosten und damit zwar 5 Euro mehr als der bekannte Magenta Mobil XL, aber eben nicht mal die Hälfte des XL Premium.

Anders als beim XL Premium, dessen Daten-Flat­rate nicht nur in Deutsch­land, sondern in der gesamten EU, der Schweiz, der Türkei, den USA und Kanada unli­mitiert genutzt werden kann, gilt beim "normalen" XL und beim XL Special im EU-Roaming die Fair-Use-Policy mit einem maxi­malen monat­lichen Daten­volumen von 30 bzw. 33 GB. Nur inner­halb Deutsch­lands ist bei diesen Tarifen der Daten­verbrauch unli­mitiert. Über die Gründe, nicht auch den XL Premium mit 5G upzu­graden, kann ich an dieser Stelle nur speku­lieren. Mögli­cher­weise kann die Telekom die unli­mitierte 5G-Flat im Ausland derzeit nicht kalku­lieren und bietet sie deswegen nicht an. Oder Magenta Mobil XL Premium wird bereits jetzt von den Kunden zu intensiv genutzt, als dass die Telekom diesen Tarif noch attrak­tiver machen wollen würde.

Eigent­lich unlo­gisch: 5G-Aufpreis

Auch in Deutschland beginnt nun das 5G-Zeitalter.

Auch in Deutschland beginnt nun das 5G-Zeitalter.
Bild: picture alliance/Clara Margais/dpa

Aber auch sonst ist ein 5G-Aufpreis eigent­lich unlo­gisch: Eine der Trieb­kräfte hinter 5G war ja, für den Netz­betreiber die Kosten pro Bit auch im Vergleich zu 4G noch­mals dras­tisch zu redu­zieren. Dank üppi­gerer Frequenz­ausstat­tung erreicht 5G in der Basis­station vom Start weg höhere Gesamt­bitraten als 4G. Folg­lich können bei glei­cher Nutzung (z.B. YouTube-Streams) mehr 5G-Nutzer gleich­zeitig in einer Zelle aktiv sein als 4G-Nutzer.

Die Netz­betreiber sollten also ein sehr starkes Inter­esse daran haben, dass die Kunden sich überall dort, wo 5G verfügbar ist, auch bevor­zugt ins 5G-Netz einbu­chen. Klar kommt es im schlimmsten Fall dann an Hotspots schon recht bald zu Über­lastungen im neuen 5G-Netz. Doch auch dann sollte ein weiterer Ausbau des Netzes an dieser Stelle mit 5G-Technik im Verhältnis güns­tiger sein als der alter­nativ benö­tigte Ausbau mit 4G-Technik. Zudem ist der 5G-Ausbau auch zukunfts­sicherer.

Verständ­lich ist, dass die Netz­betreiber das neue Netz nicht für lau verschenken wollen. Wer explizit neue 5G-Features nutzen will, und dazu gehört für Smart­phone-Nutzer vor allem die im Vergleich zu 4G noch­mals deut­lich gestei­gerte Maxi­malbi­trate, der sollte auch bereit sein, dafür zu bezahlen. Wem aber typi­sche LTE-Bitraten von 100 MBit/s reichen, dem sollten die Netz­betreiber, wenn nicht gleich zum Start, dann zumin­dest in abseh­barer Zeit, auch die 5G-Netze zum 4G-Speed öffnen.

Das alte Netz versauern lassen?

Natür­lich klingt es betriebs­wirt­schaft­lich erstmal am besten, einen Aufpreis für 5G zu verlangen und zugleich die Inves­titionen in die bestehenden 4G-Netze zurück­zufahren. Dann laufen die 4G-Netze dank weiter stei­gendem Daten­traffic zuneh­mend voll, sodass die Kunden immer stärker unter Druck geraten, das 5G-Upgrade zu kaufen. Doch auf diesem Weg die alten Netze "versauern" zu lassen, hat einen unan­genehmen Neben­effekt: Die Kunden versauern auch. Und werden folg­lich eher nicht einen noch teureren Vertrag kaufen, in der Hoff­nung, dass es damit ein biss­chen besser wird, sondern das Geld für andere Dinge ausgeben.

Die Abwärts­spirale aus schlechten Netzen und zahlungs­unwil­ligen Kunden hat Deutsch­land in Europa bereits einen der hintersten Plätze in Sachen "Netz­qualität" beschert. Es liegt an den Netz­betrei­bern, diese Spirale zu durch­brechen. Zöger­liche 5G-Frei­schal­tungen sind da sicher das falsche Signal.


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