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27.12.2018 - 13:32
Spammer

Bei Anruf Spam: Werbeanrufe 2018 fast verdoppelt

Bundesnetzagentur legt aktuelle Zahlen vor

Manchmal ist die Stimme freund­lich, noch öfters ist die Stimme des Anru­fers selbst genervt, weil der Job keine Freude macht und schlecht (falls über­haupt) bezahlt wird. Kein Wunder, weil die aller­meisten Personen, die von diesen Stimmen ange­rufen werden, das gar nicht wollen: Wenn sich ein Call­center-Mitar­beiter meldet, um ein angeb­lich tolles Produkt oder eine ach so wich­tige Dienst­leis­tung zu bewerben, die der Ange­ru­fene nicht will oder nicht braucht. Immer mehr Menschen empfinden das als Störung.

Der Ärger über aufdring­liche, unge­be­tene Anrufe hat in Deutsch­land zuge­nommen. Von Januar bis November 2018 meldet die Bundes­netz­agentur 58.000 schrift­liche Beschwerden wegen uner­laubter Tele­fon­wer­bung und damit etwa 6000 mehr als im Vorjah­res­zeit­raum, teilte die Behörde in Bonn mit. 2016 lag der Vergleichs­wert bei 27.000 - binnen zwei Jahren hat sich die Zahl also mehr als verdop­pelt. Vor allem Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­nehmen waren ein Ärgernis - ein Drittel der Beschwerden zu unge­be­tenen Tele­fo­naten geht auf ihr Konto.

Im Prinzip ist alles klar - in der Praxis weniger

Callcenter sind hilfreich, wenn der Kunde Hilfe braucht, aber nervige Werbe-Anrufer mögen die Allerwenigsten.

Callcenter sind hilfreich, wenn der Kunde Hilfe braucht, aber nervige Werbe-Anrufer mögen die Allerwenigsten.
Foto: Picture Alliance / dpa

Eigent­lich unter­liegt die Tele­fon­wer­bung in Deutsch­land strengen Regeln. Niemand darf zu Werbe­zwe­cken ange­rufen werden, ohne dass er oder sie vorher ausdrück­lich zuge­stimmt hat. Die Zahl der Gesamt-Bußgelder, welche die Bundes­netz­agentur verhängte, lag 2018 den Angaben zufolge bei 1,1 Millionen Euro und damit etwas unter dem Vorjah­res­wert von knapp 1,2 Millionen Euro.

300.000 Euro Bußgeld - 110.000 Beschwerden

Beson­ders hart bestrafte die Bonner Behörde zwei Unter­nehmen, die das maximal mögliche Bußgeld von je 300.000 Euro aufge­brummt bekamen. Darunter war die baye­ri­sche Firma Ener­gy­sparks (zu Deutsch: Energie-Funken), das unter dem Marken­namen „Deut­scher Ener­gie­ver­trieb“ "Bera­tung" durch­führt und einen Wechsel des Strom­an­bie­ters vorschlägt.

Die Anrufer seien „äußerst hart­nä­ckig, aggressiv, belei­di­gend und teil­weise bedro­hend“ aufge­treten, hatte die Bundes­netz­agentur unlängst bei Bekannt­gabe des Bußgelds moniert - der Unter­neh­mens­lei­tung seien die Verstöße bekannt gewesen, sie habe aber nichts unter­nommen, um sie abzu­stellen. Das Unter­nehmen kündigte Einspruch gegen den Bußgeld­be­scheid ein - man habe sich keine Kontakt­daten von unse­riösen Adress­händ­lern beschafft, hieß es.

Außerdem gingen bei der Bundes­netz­agentur dieses Jahr 110.000 schrift­liche Beschwerden wegen Rufnum­mern­miss­brauchs ein - das waren rund 50.000 weniger als 2017.

Weniger Ping-Werbung

Erfreu­lich: Das Problem der soge­nannten Ping-Werbung wurde entschärft. Hierbei handelt es sich auto­ma­ti­sche Systeme, die nur kurz anklin­geln und dabei eine teure Sonder­ruf­nummer (meist aus dem Ausland und noch lieber in preis­lich kaum regu­lierten Tarif­be­rei­chen gelegen) anzeigen. Wer dann zurück­ruft, muss dafür hohe Gebühren zahlen. Die Bundes­netz­agentur setzte durch, dass man bei Rück­rufen auf solchen spezi­ellen Nummern zuerst kostenlos über die Gebühren infor­miert werden muss. Das wirkte, die Ange­ru­fenen fielen auf die Masche nicht mehr herein und die Zahl der Beschwerden sank deut­lich.

Eine Einschät­zung

Einer­seits sind die Verbrau­cher gut infor­miert und haben schon den passenden Strom­tarif, ande­rer­seits sind sie träge und wollen ihren Ener­gie­an­bieter über­haupt nicht wech­seln. Das rüttelt an manchem erhofften Geschäfts­mo­dell der Werbe­ver­mittler. Die nach Erfolg bezahlten Call-Center drehen noch mehr auf, um ihre Zahlen doch noch zu errei­chen.

Lösungen gäbe es einige: Man könnte beispiels­weise alle Call-Center dazu verdon­nern, eine eigene von der BNetzA zu defi­nie­rende Vorwahl anzu­zeigen, damit der Anrufer von vorne­herein weiß, das ist ein Call-Center. Sicher würden schnell Tele­fone mit Call-Center Filter auf den Markt kommen, das Geschäfts­mo­dell dürfte einen spür­baren Einbruch erleben. Die Branche dürfte nicht begeis­tert sein.

Mindes­tens sollte aber durch­setzbar sein, dass Call-Center nur noch rück­ruf­bare und auch in der Telefon-Auskunft unter "Rück­wärts­suche" auffind­bare Rufnum­mern verwenden, die entweder dem Call-Center wirk­lich gehören, oder wofür sie eine nach­prüf­bare Geneh­mi­gung haben, sie zu nutzen (z.B. wenn ein Call-Center im Auftrag einer anderen Firma anruft.)

Dazu sollten alle Tele­fon­ge­sell­schaften die Durch­lei­tung von Gesprä­chen, deren Absen­der­daten nicht zwei­fels­frei veri­fi­zierbar sind, ablehnen können.

Zwang zur Rufnum­mern­über­mitt­lung ausge­trickst

Aktuell ist es doch so, dass gerade die schwarzen Schafe mit nicht exis­tie­renden oder nicht erreich­baren Fanta­sie­ruf­num­mern durch die Welt tele­fo­nieren. Beschwert man sich bei der BNetzA, erhält man nach 4-8 Wochen die auto­ma­ti­sche Antwort, dass dies eine "aufge­setzte" Rufnummer sei und man nichts machen könne. Wären alle diese Anrufer iden­ti­fi­zierbar, wären die Zahlen wohl noch höher.

Immerhin über­mit­teln die Spam-Call-Center heute über­haupt eine Rufnummer. Anrufer ohne jegliche Rufnummer sind meist die Inhaber von uralten Telekom-Anschlüssen, die seit Jahren ihren Tarif und Vertrag nicht mehr ange­rührt haben. Denen wäre dennoch zu empfehlen, die Funk­tion Anzeige der eigenen Rufnummer (CLIP) akti­vieren zu lassen, damit sie eine Chance haben, ihren Gesprächs­partner über­haupt errei­chen zu können.

Manche Verbrau­cher glauben, dass die Löschung aus dem Tele­fon­buch oder den Verzeich­nissen der Anbieter hilf­reich sein könnte. Das stimmt nur zum Teil, denn die schwarzen Schafe "probieren" einfach alle Nummern­räume durch. Die Schweiz hat da ein inter­es­santes Modell: Da stehen die meisten Leute im Tele­fon­buch mit einem Zusatz: „* Wünscht keine Werbung“. Wer trotzdem anruft, kann gleich die Kosten für das Bußgeld in ein großes Spar­schwein werfen. Dieser Ansatz würde viel­leicht auch in Deutsch­land gut ankommen. So könnte man seine Schul­ka­me­raden fürs jähr­liche Klas­sen­treffen wieder im Tele­fon­buch finden.


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mit Material von dpa

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